Großaufgebot an Polizei, Feuerwehr und Wasserwacht

150 Einsatzkräfte suchen Zehnjährigen am Sylvensteinsee, der per Anhalter zurückkehrt

Der Sylvensteinsee von oben
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Am Sylvensteinsee suchten 150 Einsatzkräfte nach einem vermissten Buben.
  • Daniel Wegscheider
    vonDaniel Wegscheider
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Lenggries – Ihren Wohnmobil-Ausflug am Sylvensteinsee dürfte eine Familie aus dem Münchner Raum wohl so schnell nicht vergessen: Der Tag endete in einer groß angelegten Vermisstensuche - mit gutem Ende.

Am vergangenen Samstag meldete sich gegen 18.45 Uhr beim Kommandanten der Feuerwehr Fall, Christian Eberl, ein verzweifelter Vater. Er teilte aufgeregt mit: sein zehnjähriger Sohn ist seit drei Stunden vermisst. Laut Aussagen des Vaters trennten sich die beiden nach einem gemeinsamen Spaziergang entlang des Sylvensteinsees. Da der Bub noch etwas die Gegend erkunden wollte. Der Vater ging davon aus, das der Kleine aufgrund des unwegsamen Geländes gleich wieder umkehren würde. Doch das passierte nicht.

„Wir haben richtig Gas gegeben und alles aufgefahren“

Christian Eberl, Feuerwehrkommandant von Fall

Da bereits die Dämmerung anbrach, war nun Eile geboten. Eberl alarmierte die Leitstelle und spurtete umgehend mit 15 Feuerwehrkameraden zum Bereich der Dürrachklammbrücke – dem zuletzt bekannten Aufenthaltsort des Kindes. Dort durchsuchten sie den kompletten Uferbereich, „doch wir haben den Bub nicht gefunden“. Zeitgleich befand sich der Rettungseinsatz im Aufbau. Zur Suche kamen unterstützend die Bergwacht und Nachbarfeuerwehren aus, Anger, Winkl, Wegscheid, Lenggries und Achenkirch (Tirol) hinzu.

Ebenso wurde die Lenggrieser Wasserwacht sowie die DLRG Geretsried ins Boot geholt. Für die Suche von oben startete die Polizei per Hubschrauber und die Unterstützungsgruppe der Örtlichen Einsatzleitung setzte Drohnen ein, die über das Gebiet kreisten. Letztendlich durchkämmten rund 150 Einsatzkräfte die angrenzenden Forstwege sowie den Uferbereich auf der Suche nach dem Zehnjährigen. „Wir haben richtig Gas gegeben und alles aufgefahren“, betont Eberl.

Autofahrer entdeckt unterkühltes Kind am Straßenrand

Es war bereits Dunkel, als sich der Großeinsatz gegen 20.45 Uhr zum Guten wendete: Dies ist laut Polizei einem 34-jährigen Haushamer zu verdanken, der den Bub vom Auto aus an einer Parkbucht an der B307 entdeckt hatte. Dort hatte das Kind durch Winken auf sich aufmerksam gemacht, er erklärte dem Haushamer, dass er nach Fall zum Wohnmobilparkplatz müsse, berichtete Eberl weiter: „Der Mann hat gut reagiert und brachte den leicht unterkühlten, aber sonst unversehrten Buben zurück nach Fall“. Dort hatten sich indes zwei Frauen von der Feuerwehr Fall um die Eltern gekümmert. Als der Kleine zurückgebracht wurde, bekam er erst einmal einen heißen Tee zum Aufwärmen.

Bub geht alleine acht Kilometer weit

Wie sich nun herausstellte, war der Bub, als er sich vom Vater trennte, zunächst am Ufer des Sylvensteinsees entlang gegangen. Als dieses zu unwegsam wurde, lief der Kleine in südlicher Richtung durch den Wald, bis er auf einen Forstweg traf und diesen dann folgte. Nach Angaben der Polizei legte das Kind insgesamt eine Strecke von etwa acht Kilometern zurück.

Am Ende der rund zweistündigen Suchaktion waren alle Einsatzkräfte erleichtert – allen voran die Eltern, die ihrem Kind „nicht zugetraut hätten“, dass sich dieses so weit weg entfernen würde. Vom eigentlichen Großeinsatz dürfte der Zehnjährige abseits des Weges nicht viel mitbekommen haben, vermutet Eberl.

Der Einsatzleiter berichtet, dass die groß angelegte Suchaktion mit den verschiedenen Hilfsorganisationen „absolut reibungslos und diszipliniert“ abgelaufen war. Und lobt die „tadellose Zusammenarbeit, die trotz der Aufregung „ruhig und sauber abgelaufen ist“.

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