Gesetze für die Isar

Verordnung vom Landratsamt reguliert Bootsfahrten

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Beliebter Freizeitsport im Sommer: Rafting auf der Isar.Foto:

Landkreis/Lenggries – Was verträgt die Isar überhaupt? Diese Frage gilt es jetzt zu klären: Dafür gibt der Kreisausschusses im Rahmen einer FFH-Verträglichkeitsstudie 30.000 Euro aus. 2019 soll Isar-Verordnung vom Landratsamt für jedermann kommen – betroffen sind private und gewerbliche Bootsfahrer (nicht die Flößer). Auch die Anrainergemeinde Lenggries hat sich jüngst im Gemeinderat mit der Verordnung befasst.

Die Isar gewinnt seit 25 Jahren als touristisches Ausflugsziel immer mehr an Beachtung. Florian Steger von der Unteren Naturschutzbehörde nennt Zahlen, die aufhorchen lassen: Bei einer Zählung im Sommer dieses Jahres fuhren am Ickinger Wehr innerhalb von fünf Stunden über 400 Boote durch. 

Wie viel Tourismus verträgt die Flora und Fauna am Wildfluss eigentlich? Um dies zu klären wird für die Bootssaison 2019 nun eine „auf Wasserrecht gestützte Verordnung zur Regelung des Gemeingebauchs auf der Isar ausgearbeitet“, erklärte Steger jüngst im Umweltausschuss. Zuständig ist dafür das Amt für Öffentliche Sicherheit, Wasser und Umwelt am Landratsamt.

Landrat Josef Niedermaier betrachtet die FFH-Verträglichkeitsprüfung „als Grundlage für saubere Argumente“. Und dafür brauche es Geld. Laut Landrats­amt fehlen derzeit empirische Untersuchungen vom alpinen Wildfluss. Zur Überprüfung der ökologischen Wirksamkeit der Isar-Verordnung müsse deshalb eine FFH-Verträglichkeitsprüfung in Auftrag gegeben werden, rechtfertigte Steger. „Die komplette Isar ist eigentlich Naturschutzgebiet.“ Die Studie soll Grundlage für eine Anpassung der Verordnung sein. Wir berichtet, trafen sich bereits der Verein „Rettet die Isar jetzt“ mit gewerblichen Rafting­unternehmen und diskutierten über die kommende Isar-Verordnung. Konkret wurden die Punkte Naturschutz, kommerzielle Nutzung und Lizenzierung sowie Fahrverbote bei Hoch und Niedrigwasser besprochen. Einigkeit herrschte bei der Beschränkung der Bootsfahrten auf den Zeitraum von Oktober bis April – zum Schutz brütender Vögel und laichender Fische.

Die Studie müsse den Betrieb auf der Isar mindestens über ein Jahr begleiten. Die Kosten dafür rechnen sich nach derzeitigen Einschätzungen auf rund 30.000 Euro, die nun der Umwelt- und Infrastrukturausschuss einstimmig abgewinkt hat. Zu Prüfen sei derzeit noch, ob die Untersuchung über das Förderprojekt Leader unterstützt werden kann. Aufgrund der Flusslänge von rund 75 Kilometern werden drei weitere Isar-Ranger eingestellt, um für mindestens drei Jahre die Isar-Verordnung überwachen.

Dass etwas passieren muss, darüber waren sich die Lenggrieser Gemeinderäte auf ihrer jüngsten Sitzung einig. Im Landratsamt hatte es deshalb bereits eine Besprechung mit allen betroffenen Bürgermeistern sowie gewerblichen Anbietern von Bootstouren gegeben, in der die Situation geklärt werden sollte, wie die Geschäftsführende Beamtin Heidi Kiefersauer den Lenggrieser Räten mitteilte.

Dabei zeigte sich, dass private Paddler grundsätzlich im Rahmen des Gemeingebrauchs ein Zugangsrecht zur Isar besitzen. Trotzdem kann das Landratsamt einige Regeln aufstellen, deren Einhaltung durch das Einstellen weiterer drei Isar-Ranger kontrolliert werden könnte. Allerdings sei auch allen klar, dass keine vollständige Kontrolle möglich ist. Hinsichtlich der gewerblichen Nutzung, bei der das Landratsamt eine wasserrechtliche Genehmigungspflicht für die kommende Saison 2019 erwirken soll. Eine vollständige Sperrung des Abschnittes Sylvenstein-Tölz hingegen sei nicht möglich, da es sich hier nur um ein Landschaftsschutz- und kein Naturschutzgebiet handle.

Das Landratsamt könne jedoch Einzelgenehmigungen auf Zeit und mit Widerspruchsrecht erteilen, so Kiefersauer. Je nach dem, was nun die in Auftrag gegebene FFH-Verträglichkeitsprüfung ergebe. Auch habe man bereits mögliche Auflagen (siehe Kasten) zusammengestellt, an die sich die Gewerbetreibende meist jetzt schon halten würden. Sechs professionelle Anbieter hätten im Landratsamt bereits Anträge auf eine Zulassung für 2019 gestellt. Für die kommende Saison wolle man auf Gemeindeseite für die Zusage der Anträge plädieren, sagte Kiefersauer abschließend.

Bürgermeister Werner Weindl erachtete das Gespräch mit allen betroffenen Gemeinden schon deshalb für wichtig, damit diese die gleichen Auflagen vertreten. Nichtsdestotrotz schätzte er die Situation als ein wenig knifflig ein, denn „das ist Neuland für uns, wir wissen nicht, was wir verlangen können.“ Klarer werde man erst sehen, wenn das FFH-Gutachten vorliege. Bis dahin wolle er das Motto „leben und leben lassen“ gelten lassen, schließlich sei dieser Wirtschaftszweig auch in Lenggries wichtig. Einen Schritt weiter ging Florian Forstner (FWG), indem er Verständnis für die Erholungssuchenden aufbrachte: „Die Leute erleben das Wasser ganz anders, sie können ein Gefühl für die Natur entwickeln.“ Und insbesondere Kinder könnten mit Hilfe umweltpädagogischer Ansätze sehr positiv auf den Schutz der Natur reagieren.

Franz Schöttl (CSU) dagegen sah das Problem weniger bei den gewerblichen Anbietern, sondern bei den „Privatkapitänen, da macht es einfach die schiere Masse“. Wie die schiere Masse in den Griff zu kriegen sein könnte, erklärte allerdings auch er nicht. Für Weindl war das Erreichte deshalb auch nur ein erster Schritt, „wo wir unsere Erfahrungen machen müssen“.

Zuletzt wetterte noch Hans Proisl (FWG), dass er nicht verstehen könne, warum jeder Gewerbebetrieb Toiletten vorweisen müsse. Zumindest an den Ein- und Ausstiegen sollten mobile Toiletten postiert werden müssen. Weindl gab dieser Forderung zwar wenig Chancen, beruhigte das Gemüt jedoch mit dem Vorschlag, dass man die Forderung mit in die heute beschlossene Stellungnahme aufnehme.

Norbert Jiptner und Daniel Wegscheider

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