Die Paten

Verträge abgeschlossen: Familienhelfer zur Mithilfe aufgerufen

+
Bürgermeister beim Vertragsunterzeichnen (vorne v.l.): Alois Bauer (Wackersberg), Georg Riesch (Jachenau), Johann Schneil (Sachsenkam), Ernst Dieckmann (Reichersbeuern), Stefan Fadinger (Gaißach), Werner Weindl (Lenggries), Anton Margreiter (Greiling) sowie Dr. Andreas Dexheimer (Diakonie).

Landkreis – Sieben auf einen Streich: Für das Projekt „Familienpaten Süd“ trafen sich am Dienstag die Bürgermeister aus den sieben Gemeinden Gaißach, Greiling, Jachenau, Lenggries, Reichersbeuern, Sachsenkam und Wackersberg zur Vertragsunterzeichnung. Damit unterstützen die jeweiligen Rathauschefs das gemeinsame Projekt der Diakonie „Jugendhilfe Oberland“, KoKi-Netzwerk für frühe Kindheit und dem Landratsamt.

Junge Eltern können oftmals überfordert mit ihrem Nachwuchs sein: Haushalt, Hausaufgaben, Hektik. „Ehrenamtliche Familienpaten begleiten Familien und bereichern sie mit ihrer Lebenserfahrung“, erklärt Diana Eichmüller von der Fachstelle Familienförderung am Landratsamt. „Sie sind ein großer Gewinn für Mütter, Väter und ihre Kinder im Landkreis“, berichtet Eichmüller weiter über die Aufgaben einer Familienpatenschaft. Generell sei die Unterstützung eine „Hilfe von Mensch zu Mensch“.

Bisher wurden im Landkreis 160 Freiwillige zu Familienpaten geschult, die Unterstützung in unterschiedlichen Lebenslagen bei Familien leisten. Laut dem Netzwerk „Familienpaten in Bayern“ ist der Landkreis der erfolgreichste Standort im Projekt in ganz Bayern. Bei dem Konzept arbeiten Kommunen, Landratsamt sowie die Kindergärten, Schulen und Kirchen eng zusammen. „Es handelt sich um ein sozialräumliches Projekt“, so Eichmüller.

Aber dafür braucht es vor allem die ehrenamtlichen Familienpaten: „Ab sofort geht es los; wir suchen Familienpaten“, appelliert Annkatrin Derksen von der Diakonie. Die Ausbildung dazu beginnt im Februar (siehe Kasten links). Mit dem so erhaltenen Zertifikat können die Familienpaten dann ab April 2020 loslegen. Ein Pate für die Lenggries hat sich bereits gemeldet. Damit das Projekt auch starten und finanziert wird, muss für jede Gemeinde mindestens ein Pate gefunden werden, erklärt sie.

Ein Klischee räumt Derksen gleich auf: „Paten sind nicht zum Putzen da.“ Ein solcher hilft nämlich und unterstützt eine Familie vielmehr. Heißt: Der Pate spielt mit den Kindern, damit die Eltern etwa Zeit zum Einkaufen oder den Haushalt haben. „Oder es wird bei Behördengängen und dem Ausfüllen von Anträgen geholfen“, erklärt Derksen.

Entlastung für Familien: Südlandkreis-Gemeinden schließen Kooperationsvertrag für zwei Jahre ab

Derksen ist die Frau, die nun Familien und Paten auch im Südlandkreis zusammenbringt: Als Koordinatorin vermittelt sie nämlich zwischen den Familien, die Hilfe benötigen, und dem Paten, der helfen möchte. Hat sich ein Pate erst einmal gefunden, findet ein Kennenlerngespräch statt. Derksen erklärt: Dabei soll herausgefunden werden, „was braucht die Familie eigentlich“. Danach wird formell ein Vertrag für ein Jahr zwischen dem Helfer und den zu Helfenden geschlossen. Grob gesagt verbringt der Pate zwei bis drei Stunden in der Woche bei der Familie, die ihn braucht.

In Wolfratshausen und Geretsried (siehe Seite 1) ist das Patenprojekt laut der Koordinatorin bereits gut angekommen. „Die Nachfrage wird immer größer.“ Es melde sich eine breite soziale Sicht, erklärt Derksen. Von der gut bürgerlichen Familie, bei der beide Elternteile arbeiten, bis hin zu alleinerziehenden Müttern, die bei geringem Einkommen oftmals überfordert seien. „Meistens sind es eher die Bedürftigen“, erklärt Derksen, da sich „die Bürgerlichen“ nicht trauen. „Aber die Familienpaten sind für alle zum Helfen da.“

Das Projekt ist nicht neu (siehe dazu auch Seite 1): Aber nun ist auch der Südlandkreis Projektpartner. Dazu schlossen die jeweiligen Bürgermeister nun einen zweijährigen Kooperationsvertrag. Das rund 20.000 Euro-Projekt (jährlich) wird für die kommenden zwei Jahre durch eine Mischfinanzierung gestemmt: Startkapital erhalten die Kommunen vom Landkreis im ersten Jahr mit 8.000 Euro. Zudem steuert auch das KoKi-Netzwerk 3.000 Euro bei. Den Rest der Summe tragen die jeweiligen Gemeinden – je nach Bevölkerungszahl sind das zwischen 464 Euro (Sachsenkam) bis zu 3.504 Euro (Lenggries).

Neben der Finanzierung sei das Ziel nun erst einmal, dass Patenschaften überhaupt zustande kommen, damit das Projekt Erfolg hat. Derksen ist allerdings guter Dinge: „Die Freude und das Wohlwollen gegenüber dem Projekt ist auf jeder Seite groß“, sagt sie. Letztendlich geht es ja auch um die Familien, die Unterstützung brauchen. Und da sind sich wohl alle Beteiligten einig: „Ein Familienpate sorgt für Entlastung in jeder Hinsicht“, betont Derksen.

Daniel Wegscheider

Auch interessant

Meistgelesen

51-jährige Wolfratshauserin landet in Ausnüchterungszelle
51-jährige Wolfratshauserin landet in Ausnüchterungszelle
Bürgermeister Anton Demmel (CSU) verärgert über Mail-Shitstorm
Bürgermeister Anton Demmel (CSU) verärgert über Mail-Shitstorm
Stadtrat billigt Aufstellungsbeschluss für Hotel auf Wackersberger Höhe
Stadtrat billigt Aufstellungsbeschluss für Hotel auf Wackersberger Höhe
Tarife, Reformen und Linien: Der Landkreis und sein öffentlicher Nahverkehr im Überblick
Tarife, Reformen und Linien: Der Landkreis und sein öffentlicher Nahverkehr im Überblick

Kommentare