Veterinäramtsleiterr Doktor Anton Wurm spricht im Interview über die Vogelgrippe

„Gefahr bei uns nicht sonderlich groß“

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Doktor Anton Wurm, Leiter des Bad Tölzer Veterinäramtes

Landkreis – Nach den Funden von an Vogelgrippe erkrankten Vögeln in den Nachbarlandkreisen Starnberg und Miesbach steigt auch in Bad Tölz-Wolfratshausen die Verunsicherung in der Bevölkerung. Grund genug, mit Veterinäramtsleiter Anton Wurm (60) über die Vogelgrippe zu sprechen.

Das Gelbe Blatt: das Vogelgrippevirus H5N8 wurde im Nachbarlandkreis festgestellt. Grund zur Sorge bei uns? 

Wurm: Nein, hier haben wir noch keinen Fall festgestellt.

Ist auch kein toter Vögel von besorgten Bürgern gemeldet worden?

Es wurden zwei gemeldet. Eine Möve am Kochelsee und eine Seeschwalbe in Ambach bei Münsing. Allerdings wurden die toten Tiere nicht mehr gefunden. Das Problem ist, dass die Vögel oft weggeschwemmt oder durch Wildtiere verschleppt werden. Aber kein Grund zur Beunruhigung, weil Vögel auch natürlich verenden. Denn Kälte und schlechte Witterung führen bei den Tieren ja auch zum Tod.

Müssen sich Bürger trotzdem Sorgen um ihre Gesundheit machen?

 Nein. Das ist nicht erforderlich, weil eine Infektion beim Menschen mit dem Typ H5N8 nirgendwo auf der Welt nachgewiesen ist. Der Virenstamm ist nicht humanpathogen. Das bedeutet, krankmachend in Bezug auf den Menschen. Natürlich sollte kein toter Vogel angefasst werden.

Und was müssen heimische Geflügelzüchter in nächster Zeit beachten?

Sie sollten weiterhin die Presse verfolgen und sich informieren. Wir müssen nun beobachten, wie sich der Seuchenzug entwickelt. Beim Ausbruch in einem Bestand mit Hausgeflügel würde die Geflügelpest-Verordnung greifen, dann mit Sperrzonen und anderen Maßnahmen. Allerdings ist die Gefahr bei uns im Landkreis nicht sonderlich groß. Wir haben hier nur drei große Legehennenbestände mit über tausend Stück. Wir sind hier eher eine Rinderregion.

Sollten Haustierbesitzer jetzt lieber ihre Katzen und Hunde zuhause einsperren?

Ähnlich wie beim Menschen, ist auch bei Säugetieren bisher keine Infektion mit dem Virus nachgewiesen worden. Es macht allerdings Sinn, die Hunde an die Leine zu nehmen. Das dient der Vorbeugung gegen die Verschleppung der Vogelgrippe, falls ein freilaufender Hund einen toten Vogel aufnehmen würde. Leinenpflicht ist aber nicht explizit vorgeschrieben.

Welche Vogelarten sind eigentlich besonders gefährdet? 

Besonders gefährdet sind Nutzvögel wie Hühner und Puten. Hier gibt es sehr hohe Erkrankungs- und Sterblichkeitsraten. Betroffen sind bisher aber hauptsächlich Wildwasservögel wie Enten und Gänse. Diese Wasservögel sind dagegen weniger krankheitsanfällig bei Influenza- Infektionen. Das heißt, die Enten oder Gänse nehmen das Virus auf, geben es weiter, erkranken aber selbst oftmals gar nicht. Doch es gab auch schon andere Fälle wie beim Seuchenzug Jahr 2014 am Bodensee. Dort sind damals eine ganze Reihe von Wasservögeln verendet. Das haben Influenza-Viren so an sich, dass sie sich punktuell verändern.

Apropos Virus, woher kommt das eigentlich? 

Wir gehen davon aus, dass das Virus über den Vogelzug aus Zentralasien und Sibirien zu uns gekommen ist. Anfangs wurden erste Funde in der Mongolei und Russland festgestellt.

Was ist zu beachten, bei einem toten Vogelfund? 

Wenn man den Vogel für das Veterinäramt mitnehmen möchte, sollte das Tier mit Handschuhen in einer Tüte aufgenommen werden. Danach das Amt unter der Telefonnummer 08041/505-438 verständigen oder am Wochenende sich an die Polizei wenden. Danach schicken wir das tote Tier an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim zur Untersuchung. Das Gespräch führte Daniel Wegscheider

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