Viel Wind, dennoch Stillstand

Windräder liegen voll im Trend. Doch an Standorten mangelt es zumindest im eigentlich prädestinierten Alpenvorland.

Die Energiegewinnung fernab urangetriebener Technik ist in aller Munde. Die Devise quer durch die Parteienlandschaft lautet: Atomausstieg. Auf der Suche nach alternativen Strom-Quellen stehen Windräder hoch im Kurs. Grünen-Kreisrat Klaus Koch sieht eine „Welle von Anträgen bezüglich Windkraft auf den Landkreis zuschwappen“. Deshalb wollte er jüngst im Kreisausschuss wissen, welche Umsetzungsschritte notwendig sind, wie weit die Überlegungen für eine landkreisweite Planung sind, welcher Zeitraum nötig ist, um geeignete Teilflächen auszuweisen und welche Rolle der Planungsverband Oberland dabei spielt.

Die abgebildeten Karten im „Bayerischen Windatlas“ machen eines deutlich: Windkraft in der Region ist durchaus möglich. Voraussetzung ist allerdings, dass sie mindestens eine Höhe von 80 Metern haben. „Besser noch 140 Meter“, ergänzte Landrat Josef Niedermaier in Bezug auf das kartographische Material. Zudem seien Windräder baurechtlich „privilegiert“. Im Klartext: Sie dürfen grundsätzlich gebaut werden. Wenn eine Kommune indes einen Standort ablehnt, muss sie einen alternativen ausweisen. So einfach ist es dennoch nicht, ein Windrad zu errichten. Denn der Planungsverband hat in seinem Regionalplan 17 schon so genannte Tabuflächen ausgewiesen, dazu zählen etwa Vogelschutz-, Wasserschutz- und FFH-Gebiete, Schutzwälder oder Lawinenschutzareale. Zudem werde der Widerstand mancher Bürger enorm groß sein, prophezeite der Landrat. Auch Kochel habe explizit in der Regionalplanung Windrad-Projekte abgelehnt. Niedermaier verwies aber auch eine andere Krux: Das Kartenmaterial des Planungsverbandes erst einmal mit dem aus dem Windatlas übereinandergelegt, zeigen sich die tatsächlichen Standorte für Windkrafträder im Landkreis. Und die reduzieren sich auf den Norden und sind selbst dort verschwindend gering. „Es gibt aber noch jede Menge Hausaufgaben und es ist viel politischer Wind dabei“, sagte Niedermaier. Er erwartet sich nach den Ereignissen in Japan und der daraus resultierenden Ankündigung einer Abkehr von der Atomtechnik auch Neuerungen in der Gesetzgebung für Windkraftanlagen. Am Beispiel einer Gemeinde im Bundesland Sachsen zeigte er auf, mit welchen bürokratischen Hürden Betreiber von Windrädern zu kämpfen haben. „Da sind Fledermaus- und Vogelrouten ebenso zu beachten wie Brutstätten von Wiesenbrütern samt Flugmonitoring von Seglern.“ Im Landkreis Starnberg gibt es bereits einen gemeindeübergreifenden Flächennutzungsplan, der passende Flächen ausweist. Wenn eine Kommune kategorisch ablehnt, auf ihrem Gemeindegebiet eine Anlage zu errichten, kann sie aber auf eine Nachbargemeinde verweisen, die der innovativen Technik offen gegenüber steht. Niedermaier lobte: „In Starnberg ist das gelungen.“ Warum es dort funktioniere und hier nicht, wollte Kreisrat Koch wissen. CSU-Kreisrat und stellvertretender Vorsitzender des Planungsverbandes Werner Weindl warnte vor vorschnellen Beschlüssen. Zunächst müsse man klären, ob die Vorgaben des Regionalplans nicht höher einzutaxieren seien als ein Flächennutzungsplan. „Sonst ist die Arbeit umsonst.“ Dennoch wirbt Landrat Niedermaier dafür, landkreisübergreifend einen Fahrplan zur Handhabung dieser Thematik zu erstellen: In einem Schreiben an Harald Kühn, Vorsitzender des Planungsverbandes Oberland, bittet Niedermaier eindringlich, den Regionalplan Energieversorgung voranzutreiben. Das Thema müsse im Alpenvorland mit Sensibilität in allen Landkreisen gleichmäßig geklärt werden, betonte Niedermaier. Wichtig sei die Handlungsfähigkeit der gesamten Region. Koch präsentierte eine ganz eigene Lösung: Die Ausweisung von Vorrangflächen. Das erspare seiner Meinung nach „heiße Diskussionspunkte“. Suchräume indes seien laut Niedermaier ohnehin auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung des Planungsverbands. Einen Entwurf hierzu will der Verband im Juli präsentieren.

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