Viele Details, viele Fragen, kein Konsens

Dass Emotionen hoch kochen würden bei der S7-Infoveranstaltung in der Loisachhalle war schon im Vorfeld klar. In dieser Hinsicht wurden die über 1.000 Besucher wahrlich nicht enttäuscht. Höchstens jene, die sich eine Entscheidungsfindung erhofften. Denn alle vorgetragenen Argumente überzeugten für sich. Und dennoch gab es klare Ansagen: Die S7-Verlängerung kann zum jetzigen Zeitpunkt nur mit Schranke realisiert werden. Und Geretsrieds Bürgermeisterin sprach eine klare Offerte gegenüber der Nachbarstadt aus: So signalisierte sie eine Co-Finanzierung einer Fußgänger-Unterführung an der Kreuzung „Sauerlacher Straße“ und Gesprächsbereitschaft zu einer Umgehungsstraße.

Die Loisachhalle platzte sprichwörtlich aus allen Nähten, so dass sie um kurz nach 19 Uhr aus Sicherheitsgründen geschlossen werden musste. Ärger gab es schon vor Beginn unter den Besuchern. Aufgrund der aufgestellten Tische passten weniegr Stühle in die Halle. Die Folge: Hunderte mussten für drei Stunden - so lange sollte die Informationsveranstaltung dauern -stehen. Das Podium war hochkarätig besetzt. Neben den beiden Bürgermeistern Cornelia Irmer (Geretsried) und Helmut Forster (Wolratshausen) waren da noch Landrat Josef Niedermaier und alle relevanten Planer des S7-Projektes. Das Thema beschäftigt Wolfratshauser wie Geretsrieder seit nunmehr drei Jahrzehnten. In den letzten 15 Jahren hat das Millionen-Projekt Form und Gestalt angenommen und seit dem vergangenen Jahr gibt es eine konkrete Trasse, die mit Hängen und Würgen die Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) bestanden hat. Freilich auch erst, nachdem Streckenplaner und Bahnexperten kräftig den Rotstift angesetzt hatten. Ein wesentlicher Punkt dabei ist die Beibehaltung der Bahnschranke an der Sauerlacher Straße - was Wolfratshausen vehement zu verhindern sucht. Und so legte Rathauschef Helmut Forster gleich zu Beginn unmissverständlich dar: „Wir waren und sind für eine Verlängerung der S-Bahn, aber nicht, wenn für uns die Nachteile überwiegen“. Er erinnerte an entsprechende Beschlüsse beider Stadträte, „ich wünsche mir eine Möglichkeit, dieses Projekt mit weit reichender Bedeutung auch ohne einer NKU von 1,0 (er ist notwendig, dass Bund und Freistaat die Finanzierung übernehmen, d. Red.) realisieren zu können“. Klemens Kretschmer von der DB ProjektBau stellte sehr ausführlich Varianten und Berechnungsmodelle vor, die - wie von Wolfratshausen gefordert - eine Untertunnelung der Sauerlacher Straße (inklusive Tieferlegung des Bahnhofs) so gut wie unmöglich machen. „Wir haben bei unseren Planungen wirklich jeden Stein umgedreht“, versicherte Kretschmer. Auch an einer Anhebung der Königsdorfer Straße (6,20 Meter) führe kein Weg vorbei. Ihm zur Seite stand Konrad Daxenberger vom Planungsbüro Lahmeyer München. Er skizzierte die baulichen Veränderungen rund um den Wolfratshauser Bahnhof, der Sauerlacher- wie auch der Königsdorfer Straße und im weiteren Verlauf die Trasse nach Geretsried. Eine Tieferlegung des Bahnhofs und der Gleise unter der Sauerlacher Straße hindurch sei nur mit enormen baulichem Aufwand zu leisten, der in keinem Verhältnis zum gesamten Streckenverlaufe stehe. Und eine kompletter Tunnel unter Wolfratshauser Flur sei gar utopisch. Noch deutlicher wurde Wolfgang Schneider von Intraplan, der den Wolfratshausern versicherte: „Die große Verkehrsentlastung für Ihre Straßen wird die S-Bahn nicht bringen.“ Deutlich abnehmen werde aber der Busverkehr von nach Wolfratshausen, so Schneider, der mit allein rund 10.000 Fahrgästen pro Tag zwischen Wolfratshausen und der Landeshauptstadt rechnet. Von Geretsried kommend, könnten es pro Tag etwa 5.100 sein. 8.500 wären es ab Wolfratshausen, bliebe es beim Bus-Pendel-Verkehr. Wie für Schneider, so steht auch für Patrick Kunkel vom Wirtschaftsministerium fest, „nur die Schrankenlösung ist förderfähig“, denn nur diese komme auf eine NKU von 1,0. „Ohne Bahnschranke wird es keine Verlängerung nach Geretsried geben“, sagte Kunkel und musste dafür lautstarken Protest (mutmaßlich seitens Wolfratshauser Bürger) ertragen. Das Projekt sei aber für das gemeinsame Mittelzentrum, das beide Städte bilden, und für die gesamte Region von immenser Bedeutung, betonten unisono alle Experten auf dem Podium. „Und glauben Sie mir, jedes S-Bahn-Projekt führt zu einer wirtschaftlichen Dynamisierung“, legte Kunkel nach. In Anbetracht weiterer S-Bahn-Planungen warnte er davor, „die verbleibende Zeit jetzt verstreichen zu lassen“. Mit Pfiffen und Gelächter wurden später Kretschmers Aussagen zu den neu berechneten Schrankenschließzeiten von zwölf Minuten pro Stunde (für je drei Fahrten nach München oder Geretsried) quittiert. Eine Fußgängerunterführung könnte hingegen eine wirkliche Entlastung bringen. „Bis zu 23 Minuten stehen die Autos pro Stunde schon jetzt an dieser Fußgängerampel“, brachte Bürgermeisterin Irmer ein. Und sie schob nach: Geretsried sei bereit, sich bei einer Fußgängerunterführung an der neuralgischen Kreuzung „Sauerlacher Straße“ auf eine Co-Finanzierung einzulassen. Auch bei einer angedachten Umgehungsstraße zeige man sich gerne „gesprächsbereit“. Forster seinerseits ging darauf nicht ein, verwies lediglich auf die angespannte Finanzsituation seiner Stadt, die ein Bauwerk wie die Unterfürhung für Wolfratshausen nicht zulasse. Er bezeichnete indes die Schranke als „Vehikel aus dem vorherigen Jahrhundert“. Überall würden Schranken abgebaut, hier nicht. „Das widerspricht jeglicher Logik.“ Irmer warb abschließend eindringlich für die Realisierung. Aufgrund ihres Potenzials werde sich die Stadt Geretsried weiterentwickeln, „ob mit oder ohne S-Bahn.“ Mit ihr werde es für Wolfratshausen aber verträglicher.

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