Viele Risiken für Radler

ADFC fordert umfangreiche Maßnahmen in und um Geretsried

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ngpass an der Baustelle: Vor dem Rathaus am Karl-Lederer-Platz steigt Josefine Hopfes lieber vom Rad, um entgegenkommende Fußgänger nicht zu gefährden.

Geretsried – Im Januar fasste der Stadtrat den Beschluss, die Mitgliedschaft für die „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern“ (AGFK) zu beantragen, und ein neues Radverkehrskonzept zu erstellen. Der Kreisverband des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) sieht an vielen Stellen Handlungsbedarf.

Die Radtour mit dem Redakteur des Gelben Blatts beginnt an der B11-Einfahrt Geretsried Nord und der für Radfahrer problematischen Querung der Blumenstraße. „Dort besteht ein ganz erhebliches Gefahrenpotential“, erklärt Josefine Hopfes. Gerade während des Berufsverkehrs komme es dort für Schüler und radelnde Pendler zu langen Wartezeiten. Ist der Radfahrer auf Verkehrsinsel angelangt, kann es vorkommen, dass ein Autofahrer abbremst und ihn passieren lassen will. Doch auf der dahinter liegenden Rechtsabbiegerspur in Richtung Wolfratshausen könnte ein zunächst nicht erkennbares, heranbrausendes Fahrzeug eine Kollision verursachen. Weil das Verkehrsaufkommen an dieser Stelle – nach der Fertigstellung von rund 780 Wohnungen an der benachbarten Banater Straße – in den nächsten Jahren steigen wird, fordert der ADFC eine komplette Überarbeitung der Verkehrsführung.

Besorgnis an Blumenstraße

„Weitere Fahrradspuren, Ampelanlagen, ein Tempolimit auf 30 km/h und Einbahnregelungen wären Lösungsansätze“, schlägt ADFC-Mitglied Werner Grimmeiß vor. Hopfes zeigte sich enttäuscht, dass die Stadt im Zuge der vor einigen Jahren vorgenommenen Untertunnelung des Schwaigwaller Bachs an der Blumenstraße nicht gleichzeitig eine Radunterführung gebaut hat. „Das war ein Schildbürgerstreich“, kritisiert sie.

Rund einen Kilometer weiter südlich – an der Einfahrt zum Rathaus – ist der Radweg zwar durch die Tiefgarageneinfahrt unterbrochen, eine Umfahrung aber gefahrlos möglich. Schon im Sommer 2019 nahm der ADFC zum geänderten Bebauungsplan am „Verkehrsknoten B11 – Karl-Lederer-Platz“ Stellung. „Die sicherste und direkte Lösung aus unserer Sicht ist eine Unterführung des Geltungsbereiches in Nord-Süd-Ausrichtung“, glaubt Hopfes. Knapp ein Jahr später räumt sie bei unserer Tour ein, dass die momentane Umfahrung des Karl-Lederer-Platzes für Radfahrer problemlos ist. Um vor dem Rathaus nicht mit entgegenkommenden Fußgängern zu kollidieren, steigt Hopfes an dieser Engstelle jedoch sicherheitshalber ab und lässt Passanten vorübergehen. Um die Geschäfte am Karl-Lederer-Platz zu erreichen, sei es für die aus nördlicher Richtung kommenden Radfahrer deshalb sinnvoll, schon auf Höhe des Museums in den Verbindungsweg zur Graslitzer Straße einzubiegen. Insgesamt begrüßt der ADFC die Verkehrsberuhigung am Karl-Lederer-Platz.

„Der Radverkehr findet hier auf dem Fußweg statt“

Etwas anders stellt sich die Situation an der benachbarten Egerlandstraße dar. Denn dort hat die Baugenossenschaft im März mit den Tiefbauarbeiten für das Vorhaben BGZ2 begonnen. Zudem baut die Sparkasse auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein mehrgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus. Für beide Vorhaben war eine Sperrung der öffentlichen Verkehrswege zwischen der Einmündung zum Fasanenweg und der Egerlandstraße 61 bzw. 78 nötig. „Der derzeitige Zustand ist keine Dauerlösung: Der Radverkehr findet hier auf dem Fußweg statt“, kritisiert Claudia Redeker. Sie wünscht sich, dass der ADFC aktiv in die weiteren Planungen mit eingebunden wird.

Schwachstellen im Süden

Weitere Schwachstellen hat der ADFC im Geretsrieder Süden erkannt. So gilt die Querung des Isarradwegs über die Tattenkofener Straße zum Breslauer Weg aufgrund der hohen Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Autos, die meist mit 100 km/h diese Stelle passieren, als Risiko für Rad- und Fußgänger. Eine Ampel oder ein Radtunnel wurden zum Bedauern des ADFC bisher noch nicht realisiert. Sorgen bereitet den Radfahrern auch die Planungen am künftigen S7-Endbahnhof. So soll die Richard-Wagner-Straße abgesenkt und unter den Gleisen hindurchgeführt werden. Auf Höhe der Jeschkenstraße ist ein Kreisverkehr geplant. „Viele Radfahrer werden diese Lösung nicht annehmen“, befürchtet Grimmeiß.

Gutes Zeugnis nur für Freizeit-Routen

Für das Geretsrieder Radverkehrsnetz stellt der ADFC der Stadt nur den Radrouten im Freizeitbereich ein gutes Zeugnis aus. „Der innerörtliche Radverkehr ist stark verbesserungsfähig“, bilanziert Hopfes. Da die meisten Wege und Straßen in städtischem Besitz sind, bestünden durchaus große Handlungsspielräume. Bei Staats- und Bundesstraßen sei die Zustimmung der betreffenden Verkehrsbehörden erforderlich. Durch die neue Mitgliedschaft im AGFK und gemeinsamen Befahrungen der Schwachstellen könne dafür mehr Druck ausgeübt werden. Für die erforderlichen Maßnahmen gibt es zudem Fördermittel. „Das Geld ist da, es muss nur rechtzeitig angefordert werden“, so Grimmeiß. Einen Strich durch die Rechnung könnte den Fahrradfreunden nur die noch nicht ausgestandene Corona-Krise machen. „Dadurch wird sich die Realisierung von vielen Maßnahmen verzögern“, befürchtet Hopfes.Peter Herrmann

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