Gegen den „Ohje-Effekt“ arbeiten

Vierter Aktionstag „Frau und Beruf“ im Landratsamt mit 30 Jobausstellern

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Berufe im Blick (v.l.): Karin Weiß (Gleichstellungsbeauftragte), Ursula Menke (Kreisbildungswerk), Sandra Donhauser, Maria Tapia (beide Frau & Beruf), Barbara Pitann (Agentur für Arbeit), Andreas Baumann (Jobcenter) sowie Wirtschaftsförderer Andreas Roß.

Bad Tölz – Alle guter Dinge sind vier: Im Tölzer Landratsamt startet nämlich der mittlerweile vierte Aktionstag „Frau und Beruf“ . Die Besucher erwartet heuer wieder ein Markt der Möglichkeiten mit regionalen Jobangeboten – rund 30 Aussteller werden mit ihrem Stand auf der Jobmesse im Tölzer Landratsamt am  Donnerstag, 13. Februar, von 9 bis 12 Uhr anwesend sein. Dieses Jahr wird es anstatt einer Podiumsdiskussion Vorträge zu Themen wie Existenzgründung, Fördermöglichkeiten oder Rente geben.

Karin Weiß mahnt zur Vorsicht: Die Gleichstellungsbeauftragte des Landratsamtes betonte beim Pressegespräch, wie wichtig ein beruflicher Wiedereinstieg, eine Neuorientierung oder gar eine Existenzgründung für Frauen ist. Insbesondere dann, wenn diese lange Zeit aufgrund von Elternzeit oder der Pflege von Angehörigen zuhause geblieben waren oder nur Teilzeit gearbeitet hatten. „Unabhängigkeit und Selbständigkeit hilft gegen Altersarmut“, betonte sie und zählte auch soziale Kriterien auf, die eine berufliche Veränderung bei Frauen mit sich bringe: „Zufriedenheit durch Wertschätzung“ sowie eine Vorbildfunktion für Jugendliche.

Beim vierten Aktionstag „Frau und Beruf“ im Tölzer Landratsamt können sich hierbei Betroffene Frauen aber auch Männer bei regionalen Unternehmen, Bildungsanbietern sowie der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter und dem Kreisbildungswerk über den Berufseinstieg informieren. „Es geht viel mehr als man denkt, aber manchmal fehlt der richtige Anstoß“, sagte Sandra Donhauser, Projektmanagerin bei der Servicestelle „Frau und Beruf“. Dafür sei der Aktionstag da, dort „gibt‘s ein Potpourri an Angeboten“.

Stichwort: „Altersarmut“. Ein schneller und sicherer Wiedereinstieg in einen Job bedeutet auch Sicherheit im Rentenalter. Und das könne nicht früh genug gemacht werden, betonte Donhauser weiter. Damit „mit 50 Jahren nicht der große Ohje-Effekt kommt.“ Denn ein Minijob reiche für die Rente nicht aus.

Andreas Roß ist Wirtschaftsförderer des Landkreises und erwähnte in diesem Zusammenhang den Fachkräftemangel, „der ist in aller Munde“, sagte er. Auch dafür soll der Aktionstag anregen, um „Angebote und Motivationen zu schaffen“. Neue Arbeitsfelder biete heutzutage auch das Home-Office an sowie die Möglichkeit der Teilzeitarbeit. Aber nicht nur für Arbeitssuchende ist die Jobmesse gedacht. Auch Unternehmer haben dort die Möglichkeit sich neben Messen und Jobbörsen zu präsentieren.

Und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind derzeit auf beiden Seiten gleichermaßen gut: Wie Barbara Pitann von der Agentur für Arbeit berichtete, ereilen sie dort von vielen Arbeitgebern „viele Hilferufe“ für offene Stellenangebote. Gerade im Bereich „Pflege, Erziehung und Handwerk“. Auch sie betrachtet den Aktionstag als gelungen, da dieser eben keinen „Behördencharakter hat“ und somit die „Hemmschwelle“, dorthin zu gehen, leichter überwunden werden könne.

Dies bestätigen auch Zahlen: Der erste „Frau und Beruf“-Tag fand damals in der Tölzer Franzmühle statt. Rund 100 Besucher schauten vorbei. Vergangenes Jahr seien es laut Donhauser schon 250 Interessierte gewesen. „Davon sind mehr als zehn Prozent in Arbeit, in Umschulungs- oder längerfristigen Weiterbildungsmaßnahmen oder Praktika untergekommen.“ Daniel Wegscheider

Programm „Beruflicher Wiedereinstieg und Neuorientierung“

9 Uhr: Eröffnung durch Vize-Landrat Thomas Holz. 9.05 Uhr: Impulsvortrag mit Karin Weiß. 9.15 Uhr: Infomarkt zum Austausch und Netzwerken. Ab 9.30 Uhr bis 12 Uhr: Kurzvorträge „Gewinnbringende Netzwerke – die Starthelfer der Digitalisierung“ (Beate Mader); „Existenzgründung“ (Harald Hof); „Fördermöglichkeiten für Arbeitnehmer (Barbara Pitann); „Möglichkeiten für Frauen in der Region im Gesundheitswesen“ (Bastian Kadach); „Frauen und Rente“ (Kristian Müller).

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