„Kein Jubel, Trubel, Heiterkeit“

Investor Johannes Tien berichtet über sein Natur-Hotel-Projekt „Bergeblick“

Johannes Tien auf seinem Grundstück auf der Wackersberger Höhe
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Johannes Tien auf seinem Grundstück auf der Wackersberger Höhe, dort wo er sein Hotelprojekt Bergeblick realisieren will.

Bad Tölz/Wackersberg – Johannes Tien hat das Grundstück auf der Wackersberger Höhe von der Stadt Bad Tölz gekauft, um darauf ein naturnahes Hotel zu errichten. Der Investor berichtet über seine Pläne.

Allerdings sind nicht alle begeistert von den Plänen des 61-Jährigen, der das Bergeblick Hotel an einem der schönsten Flecken des Oberlandes errichten will. Wie mehrfach berichtet, gab es auch im Tölzer Stadtrat teilweise emotional geäußerte Bedenken, zuletzt wurde jedoch die zweite Auslegung des Bebauungsplanes mit 17 zu sieben Stimmen beschlossen.

Gegenwind ist der aus Norddeutschland stammende Investor gewohnt, der seit 2006 im Isarwinkel wohnt. „Mir wurde im Berufsleben nie etwas geschenkt“, so Tien. Der gelernte Bankkaufmann hat zwei Unternehmen für Versandhandel gegründet, mit seiner Frau Andrea geleitet, und dann erfolgreich verkauft. Seitdem möchte er sein Geld in Hotel-Projekte im Isarwinkel investieren. Viel Energie steckte er auch in den Straßerhof in Wackersberg, der aktuell zum Verkauf steht. Allerdings war Tien, der Gegenwind dort doch zu stark.

Der Wanderparkplatz auf der Wackersberger Höhe soll für das Hotelprojekt verlegt werden.

Die Kurstadt Bad Tölz, deren Badeteil inzwischen fast zur Wohnstadt umgewandelt wurde, ist seit Jahren auf der Suche nach Hotelinvestoren. Hochtrabende Städtische Projekte wie die „Neue Tölzer Hotelkultur“ und ein Spa als Ersatz für das längst geschlossene Freizeitzentrum Alpamare wurden unter dem bis Anfang 2020 amtierenden Bürgermeister Josef Janker (CSU) vorgestellt und wenig später begrabe. Nun richtet sich die Hoffnung auf Hotels, die an der Bockschützstraße anstelle des ebenfalls inzwischen geschlossenen Sport Studios Hirsch entstehen sollen.

Johannes Tien sieht Bad Tölz und seinen Badeteil selbst nicht als idealen Sandort für sein Projekt, das unter dem Motto „Komm rauf, um runter zu kommen“ steht. „Komm rauf“ heißt es, weil der Standort von Tölz aus noch einmal rund hundert Höhenmeter auf der Schützenstraße bis zur sogenannten Wackersberger Höhe ansteigt, die auf Tölzer Flur liegt. Geplant sind dort Zimmer und Chalets mit Blick auf die Isarwinkler Berge, den Tölzer Stadtwald sowie die Wasserlandschaft – die Tien zusammen mit Architekten Beham auf dem 8.000 Quadratmeter großen Grundstück anlegen will. Zudem eine halb oberirdische Tiefgarage für seine Gäste.

Hotel Bergeblick wird vorgestellt

Am Sonntag, 4. Oktober, wird Investor Johannes Tien auf dem Wanderparkplatz auf der Wackersberger Höhe seine Pläne für das Hotel Bergeblick vorstellen, das auf der benachbarten Wiese entstehen soll. Außerdem werden sechs Häuser im Tölzer Badeteil einen Tag der offenen Tür anbieten und der Bevölkerung einen Blick hinter die Kulissen gewähren. Es machen mit: Rehaklinik Frisia, Hotel Marienhof, Hotel am Wald, Hotel Alpenhof, Hotel Isarwinkel und Haus Sibylle. Je nach Interesse soll jeweils stündlich in allen Häusern eine Führung beginnen. Coronabedingt wird es aber nur kleine Gruppen bei den Hausführungen geben. Anmeldung ist nötig und bereits möglich unter Tel: 08041/440 66 60 oder über die Internetseite www.toelz-laedt-ein.de. bo

Im gegenüberliegenden Stadtwald soll es laut Tien weder Klettergarten noch „Bäume zum Baden“ geben, aber Spazierwege mit Ausblick vom Studentenbühel hinunter auf Isar und Stadt. Der geplante Hotelkomplex in Holzbauweise sei von Tölz aus nicht zu sehen, trotz seiner elf Meter hohen Fassade.

Dass die Nachbarn nicht begeistert sind, hat Tien auch erfahren müsse. Andererseits hatte jeder die Chance das Grundstück, das ausschließlich für touristische Nutzung gedacht ist, von der Stadt zu kaufen.

„Jubel, Trubel, Heiterkeit ist ohnehin nicht geplant“, betont Tien. Auch gehe es ihm nicht darum, die immer zahlreicher werdenden Radtouristen ausschließlich für eine Nacht zu beherbergen. Ihm schwebe dagegen Gästeklientel vor, die mit mitgebrachten oder geliehenen Bikes Touren in die Umgebung unternehmen, wandern oder sich in der zimmer-eigenen Sauna entspannen.

Ein fehlendes Gastronomie-Angebot wurde Tien vorgeworfen, da das Hotel lediglich Frühstück und kleine Speisen anbietet. „Bei uns wird aber niemand verhungern“, erklärt er. Vielmehr will Tien seine Gäste dazu anregen, abends Tölzer Gaststätten zu besuchen. Er kann sich einen Shuttledienst vorstellen und Kooperationen mit heimischen Gastwirten, die ihre Gerichte und Getränke der Gäste direkt mit dem Hotel abrechnen.

Daneben sind Tagungen und Schulungen, Kräuterwanderungen und Meditation im Portfolio der künftigen Hotelbetreiber, die bereits seit geraumer Zeit erfolgreich das kleine Ferienhaus „BergeBlick“ führen. Tien lobt auch die Unterstützung von Seiten der Tölzer Tourist Info, die bekanntermaßen seit Jahren Probleme hat, Interessenten für einen Urlaub in Bad Tölz hochwertige Hotelbetten anbieten zu können.

Dass seine Millioneninvestition nach über einem Jahr Vorlauf noch in letzter Minute scheitern könnte, das möchte sich Tien nicht vorstellen, zumal „inzwischen jeder die Chance hatte, seine Bedenken vorzubringen“. Karl Bock

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