Gespräch zur Bürgermeisterwahl

Das planen die Kandidaten für das Amt des Lenggrieser Bürgermeisters

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion: (v.l.) Stefan Klaffenbacher, Klaus Hanus, Moderatorin Veronika Ahn-Tauchnitz und Tobias Raphelt in der Redaktion der Heimatzeitung.
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Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion: (v.l.) Stefan Klaffenbacher, Klaus Hanus, Moderatorin Veronika Ahn-Tauchnitz und Tobias Raphelt in der Redaktion der Heimatzeitung.

Lenggries – Bei einer Podiumsdiskussion im kleinen Rahmen haben die Kandidaten um das Amt des Lenggrieser Bürgermeisters über die Wahl und ihre Pläne danach gesprochen.

Wer soll neuer Bürgermeister in Lenggries werden? Um den Bürgern die Wahlentscheidung am Sonntag, 13. September, zu erleichtern, hat der Tölzer Kurier zur Podiumsdiskussion geladen.

Aufgrund von Corona fand die kleine Runde in den eigenen vier Bürowänden des Tölzer Medienhauses statt, aber dennoch nicht ohne Zuschauer. Per Live-Stream konnten sie nämlich zwei Stunden lang die kritischen und teils auch amüsanten Fragen von Moderatorin und Redaktionsleiterin Veronika Ahn-Tauchnitz an die drei Kandidaten mitverfolgen sowie online kommentieren.

Die Resonanz war groß: Über 11.000 Zuschauer klickten die live gesendete Gesprächsrunde an, um sich über die regionalen Meinungen der drei zu informieren. Sie sprachen etwa von der hiesigen Wirtschaft, dem Tourismus und der Jugend. Zur Neuwahl und als Nachfolger von Markus Landthaler, der im Juni 2020 überraschend gestorben war, treten bekanntermaßen an: Klaus Hanus (Grüne), Stefan Klaffenbacher (Freie Wählergemeinschaft) und Tobias Raphelt (SPD). In der Flößerstadt sind sie keine Unbekannten, auch wenn sie nicht im Zentrum der Flächengemeinde, sondern in den Viertelsgemeinden Fleck, Klaffenbach und Schlegldorf leben. Ein Grund, mehr beruflich ins Zentrum zu ziehen, um dort die Belange aller Ortsteile zu vertreten.

Knackpunkt Kaserne und bezahlbarer Wohnraum

Die ehemalige Kaserne der Bundeswehr ist im Besitz der Gemeinde, steht aber seit 17 Jahren leer. Daher brennt das kommunale Thema den Lenggrieser Bürgern besonders unter den Nägeln, was auf dem ehemaligen Areal der Prinz-Heinrich-Kaserne passiert. Ahn-Tauchnitz verwendete einen rhetorischen Kniff, um zu wissen, was die Kandidaten dort für die Zukunft planen. Zehn Jahre sollten sie deshalb vorausblicken.

Tobias Raphelt will die Kaserne wieder mit Leben füllen und dort Gewerbe und Sportanlagen verwirklichen. „Auch bezahlbarer Mietwohnraum in allen Größen wäre dort für die Lenggrieser wichtig, die bei uns leben und arbeiten“, sagte er. „Das hat Priorität für mich als SPDler.“ Auch benötige es mehr Wohnraum für ältere Leute. „So viel Grund haben wir nicht, wo gebaut werden kann“, erklärte Raphelt weiter. „Wir wollen nicht bis aufs Brauneck alles zupflastern.“

Klaus Hanus ist mit der Meinung für Wohnraum d’accord. Allerdings benötige es dafür Partner, die dies realisieren. „Die Gemeinde schafft das nicht alleine“, betonte er. Insbesondere der Denkmalschutz auf der Kaserne sei kontraproduktiv, „der muss weg“. Der Grüne könnte sich dort auch eine Markthalle vorstellen. Finanziell betrachtet Hanus Wohnraum in Lenggries, der unter 8 Euro pro Quadratmeter liegt, als bezahlbar und die Idee für Mehrgenerationenwohnen möglich, wenn die Gestaltungssatzung dahingehend geändert werden könne, dass Häuser für Dachgeschosswohnungen generell aufgestockt werden dürfen.

Auch Stefan Klaffenbacher betrachtet den Ensembleschutz auf der ehemaligen Kaserne als Problem: „Wir dürfen nicht einmal eine Garage bauen, solange der Schutz gilt“, betonte der Freie-Wähler-Kandidat. Ein weiteres Problem: Eine Aufzahlungspflicht, die auf Gebäuden liegt, die der Kommune einen siebenstelligen Betrag kosten könnte. Deshalb erachtet er eine dortige Wohnraumentwicklung eher skeptisch. Außerdem sei Lenggries nicht dafür ausgelegt, einen zweiten Ortskern zu entwickeln. Vielmehr stellt sich Klaffenbacher dort oben eher eine Mischung aus touristischer, gewerblicher und sportlicher Nutzung vor. „Konkret ein Hotel“, sagte er.

Die Wünsche der Jugend

Im Vorfeld konnten junge Lenggrieser ihre Wünsche und Fragen schriftlich einreichen. Ahn-Tauchnitz streifte die Themen, versprach aber, alle nicht vorgelesenen Einsendungen an die drei Bürgermeisterkandidaten weiterzuleiten. So wünscht sich die Jugend etwa einen mietbaren Partyraum, Skate-Park, Open-Air-Kino, einen zweiten Kinderspielplatz oder generell „einfach einen Platz, an dem sie sich treffen und ratschen können“, berichtete Ahn-Tauchnitz. Insbesondere jene, die nicht in einem Verein sind. Momentan würden viele junge Leute eher am Bahnhof abhängen, was oftmals für Unmut aus der Bevölkerung sorgt.

Die Kandidaten zeigten Verständnis für die Jugendbelange. Raphelt: „Wir sollten ihnen Plätze anbieten, wo sie sich aufhalten dürfen. Und abends auch mal nicht ganz so leise sein müssen.“ Klaffenbacher verwies auf den bereits bestehenden Jugendtreff und hob die breite Vereinsstruktur in Lenggries hervor. Und Hanus sprach sich für einen Jugendbeauftragten aus, der zwischen der jüngeren Generation und der Gemeinde vermitteln könne: „Es geht ums miteinander“, betonte er.

Das Problem mit dem Tourismus

Der sanfte Tourismus wurde heuer erstmals in verstärkter Art durch die Auswirkungen der Corona-Krise überschattet. Die Rede ist vom Unwort „Übertourismus“, das kilometerlange Staus, blockierte Landstraßen sowie wildes Parken im Forst und entlang von Wanderwegen zusammenfasst. Damit einher geht ein steigendes Konfliktpotenzial zwischen Einheimischen und Besuchern.

Klaffenbacher betonte die Schwierigkeit, damit umzugehen: „Wir können die Leute nicht aussperren.“ Hanus schlug dagegen vor, Profis mit dem Problem zu beauftragen, „die Konzepte für uns erstellen. Verbote helfen nichts. Auch mehr Parkplätze nichts – die bringen nur mehr Autos.“ Seiner Meinung liege ein Weg im Ausbau von Fahrrad- und Mountainbike-Strecken, und diese mit anderen Gemeinden verbinden. Raphelt sieht das ähnlich: „Der Druck wird nicht weniger, wenn wir mehr verbieten.“ Aber Lenggries benötige dem Ausflugsverkehr zum Trotz mehr Übernachtungsgäste: „Pensionen und Hotels haben bei uns einen nicht gedeckten Bedarf.“ Klaffenbacher ergänzte: „Sie bringen das Geld, das müssen wir stärken.“

Meinungen: Hallenbad und 5G-Ausbau

Einigkeit herrschte bei den drei Kandidaten, das Familienbad Isarwelle zu erhalten, auch wenn es für die Gemeinde eine hohe finanzielle Belastung bedeutet. Klaffenbacher nannte Zahlen: „Das Bad muss für 1,5 Millionen Euro saniert werden." Zudem betragen die jährlich laufenden Kosten rund eine halbe Million Euro. Während Klaffenbacher und Raphelt ein Konzept für Hallenbad und Sauna in ihrer Wahlperiode vorantreiben möchten, möchte Hanus zuerst die Entwicklung der Corona-Pandemie abwarten: „Ich weiß nicht, ob gemeinsames Schwitzen derzeit Zukunft hat.“

Auch bei der landauf, landab geführten Diskussion zum 5G-Ausbau herrschte weitestgehend Einigkeit unter den dreien. Die Gemeinde habe generell keine große Handhabe, dem Projekt entgegenzuwirken, das Sache des Bundes ist, so Klaffenbacher. „Ich hoffe, wir können den Glasfaserausbau vorantreiben, dann können wir auch mit der Telekom besser verhandeln“, meint Hanus. Aber Raphelt sieht das kritischer: „Der glasfasergebundene Breitbandausbau wird 5G nicht verhindern.“ Es gelte, einen Plan auszuarbeiten, um zumindest den Standort von Funkmasten selbst zu bestimmen, „weil aufgestellt werden sie“, ergänzte er.

Abschließend appellierte die Moderatorin an alle Bürger von Lenggries: „Gehen sie zur Wahl." Dies nicht zu tun, sei keine Lösung, sagte Ahn-Tauchnitz. Mit einem kleinen Seitenhieb sprach sie direkt die CSU-Wähler an: „Es steht in der Wahlkabine keiner hinter Ihnen“, um zu schauen, ob sie oder er das Kreuzchen bei Rot, Grün oder der Freien Wählergemeinschaft setzt. „Sie haben drei wirklich wählbare Kandidaten, die bereit sind für ihre Gemeinde Verantwortung zu übernehmen. Honorieren Sie das.“ dwe

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