Lebendige Erinnerungen

Badehaus-Verein veranstaltet Festakt zu „75 Jahre DP-Lager Föhrenwald“

Fotoausstellung „LebensBilder“ im Gartengeschoss des Badehauses
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Die Fotoausstellung „LebensBilder“ ist im Gartengeschoss des Badehauses zu sehen. Warnte vor dem Vergessen: die israelische Generalkonsulin Sandra Simovich (Bild l.).

Waldram – Im Jahr 1945 entstand im heutigen Wolfratshauser Stadtteil ein Lager für sogenannte Displaced Persons (DP). Die Überlebenden der Schoah hofften, unter dem Schutz der Amerikaner dort ein neues Leben in Würde, Sicherheit und Freiheit beginnen zu können. Nun erinnerte der Verein „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“ im Rahmen eines abwechslungsreichen Festakts an deren Schicksal.

Der Einladung folgten politische Ehrengäste wie der ehemalige bayerische Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber, Landrat Josef Niedermaier, der Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner, der bayerische Kultusminister Dr. Michael Piazolo sowie die israelische Generalkonsulin Sandra Simovich. Nachdem der ehemalige Bundesfreiwillige Tilman Voss den Abend mit dem von Justin Hurwitz komponierten Klavierstück „Engagement Party“ sahen die auf drei verschiedenen Ebenen des Badehaus versammelten Besucher zunächst einen Ausschnitt aus dem Film „Von Zeit und Hoffnung“, der durch Live-Schaltungen in die Wohnzimmer von Zeitzeugen zustande kam. Gedreht hat ihn Sebastian d‘Huc in Zusammenarbeit mit jungen Helfern des Badehaus-Vereins. „Das war die schönste Zeit meines Lebens“, erinnerte sich Robbie Waks an seine Kindheit. Ebenso wie die israelische Generalkonsulin Sandra Simovich warnte er aber auch davor, die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs und ihre Folgen zu vergessen. „Es ist offensichtlich, dass die gegenwärtige Krise die antisemitischen Klischees verstärkt“, zeigte sich Simovich besorgt.

Umso wichtiger sei das Engagement des Vereins Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald und ihrer Vorsitzenden. „Frau Krafft, Sie sind ein Vorbild für uns alle“, lobte Simovich. Der bayerische Kultusminister Dr. Michael Piazolo sieht das genauso. „Wenn sich Ehrenamt mit so viel hoher Professionalität verbindet, ist das ein Glücksfall“, erklärte er. Zudem sagte der Staatsminister finanzielle Unterstützung zu. „Wenn es wieder ein Projekt gibt, werden wir uns im Kultusministerium Gedanken machen, was haushaltstechnisch darstellbar ist“, versprach Piazolo. In einem weiteren Zeitzeugeninterview unterstrich Esther Alexander-Ihme im Interview mit dem Badehaus-Vorstandsmitglied Emanuell Rüff die Bedeutung des Erinnerungsortes. „Ich bin unglaublich froh über das, was hier entstanden ist“, sagte sie.

Der Festakt endete mit der Eröffnung der Fotoausstellung „LebensBilder“, die Justine Bittner mit Porträts von Zeitzeugen gestaltet hat. Die Bilder sind im Gartengeschoß des Badehauses zu sehen. Peter Herrmann

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