Qualität geht vor Quantität

Volkshochschule bietet nach vorübergehender Schließung neue Kurse an

Volkshochschule
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Hielten auch während der Krise fest zusammen: (v.l.) vhs-Geschäftsführerin Christine Hohnheiser, Rechnungsprüfer Reiner Berchtold, Vize-Vorsitzender Gerhard Feist und Bürgermeister Klaus Heilinglechner.

Waldram – Das Fortbestehen der Volkshochschule (vhs) war während des Corona-Lockdowns massiv gefährdet. Dank großer Spendenbereitschaft und engagierter Mitarbeiter können nun aber für das Herbst-Winter-Semester 282 neue Kurse angeboten werden.

Im Rahmen der jüngsten Mitgliederversammlung im Rathaus berichtete Geschäftsführerin Christine Hohnheiser von „schlaflosen Nächten“, weil sie um die beruflichen Existenzen ihrer Mitarbeiter bangte. Nun scheint die Talsohle durchschritten. Für die insgesamt 282 Kurse des aktuellen Herbst-Winter-Semesters gingen bereits rund 2.000 Anmeldungen ein.

Im vergangenen Jahr verzeichnete die vhs mit insgesamt 5.878 Teilnehmern einen Höchststand. Bis zum 12. März 2020 schien sich dieser Trend zu bestätigen. „An diesem Tag erfuhren wir, dass wir den Betrieb innerhalb von vier Tagen einstellen müssen“, erinnerte sich Hohnheiser. Die Folgen waren gravierend: Rund 2500 Teilnehmer mussten binnen kurzer Zeit informiert werden, das Mail-System der vhs brach vorübergehend zusammen, die telefonische Benachrichtigung war zeitraubend. „Schlimmer jedoch war die wochenlange Ungewissheit, ob wir die Krise überstehen“, sagte die vhs-Geschäftsführerin. Um die Insolvenz zu vermeiden, beantragte sie für die Verwaltungskräfte Kurzarbeit und startete Spendenaufrufe an die Kursteilnehmer. Dass viele Bürger auf die Rückerstattung ihrer bereits gezahlten Beiträge verzichteten, hat Hohnheiser positiv überrascht. Und nicht nur das: Da auch die Kursleiter ihr Honorar spendeten und einige Bürger der vhs sogar drei- bis vierstellige Beträge zukommen ließen, standen am Ende über 23.000 Euro auf der Habenseite. Zusammen mit den Corona-Soforthilfen der Regierung und dem Rettungsschirm des Kultusministeriums konnte damit die Liquidität der vhs wiederhergestellt werden.

„Diese Familie funktioniert hervorragend“, lobte Klaus Heilinglechner. Der Bürgermeister ist seit seinem Amtsantritt vor sechs Jahren der erste Vorsitzende der vhs. Die Mitglieder entlasteten ihn sowie Geschäfts- und Schriftführerin Christine Hohnheiser. Zudem bestätigten sie den zweiten Vorsitzenden Gerhard Feist in seinem Amt und wählten Reiner Berchtold und Peter Schöfmann zu Rechnungsprüfern. Der Kämmerer löst seinen Vorgänger Roland Zürnstein ab. Vom Personal verabschiedete sich Gabriele Kerndl nach 18-jähriger Tätigkeit. Das mittlerweile 79-jährige Gründungsmitglied Gerhard Feist äußerte nach den Vorstandswahlen noch einen besonderen Wunsch. „Es wäre schön, ein eigenes vhs-Gebäude zu haben“, sagte er. Denn die Kurse finden derzeit an 26 verschiedenen Orten statt – zum Beispiel in der Hammerschmied-Schule, im Keller des Badehauses in Waldram oder im Schützenhaus. Heilinglechner räumte ein, dass diese Forderung aufgrund der angespannten Situation auf dem Immobilienmarkt und anderer teurer Großprojekte kurzfristig nicht zu erfüllen sei. Als positives Signal an die vhs erhöhte der Stadtrat vor einem Jahr jedoch den jährlichen Zuschuss von 33.000 auf 50.000 Euro. Hohnheiser sieht dies als Ansporn: „Wir haben in den letzten Jahren Teilnehmerrekorden nachgejagt, setzen jetzt aber mehr auf Stabilität und ein qualitativ hochwertiges Angebot“, stellte sie klar. „Aus Kostengründen haben wir in diesem Semester erstmals kein Druckprogramm herausgegeben“, bedauerte Geschäftsführerin Christina Hohnheiser.  

Ein Überblick zu den Kursen aus den Bereichen Gesellschaft, Beruf und Karriere, Gesundheit, Kultur und Sprachen ist im Internet unter www.vhs-wolfratshausen.de abrufbar. Aufgrund der coronabedingten Verringerung der Teilnehmerzahlen mussten die Kursgebühren im Bewegungsbereich von 6 auf 7 Euro pro Stunde sowie im Sprachbereich von 6,90 auf 9 Euro pro 90 Minuten angehoben werden. ph

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