Frisch für den Fisch

Wasserwirtschaftsamt baut Treppen für barrierefreies Schwimmen / Fischer zufrieden

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Fischtreppe und Totholz: Gewässerwart Tobias Oberlechner (l.) und Michael März (Vize-Vorstand vom Lenggrieser Fischereiverein) begrüßen die natürliche Wanderhilfe und Rückzuggebiete.

Lenggries – Flecker Wehr, Tölzer Stausee und nun Hohenwiesen: Im Rahmen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie zur Verbesserung des ökologischen Zustandes der Isar, entstanden dort Fischtreppen, um den Bestand zu stärken. Für den Lenggrieser Fischereiverein ist es eine richtige und gute Baumaßnahme.

Michael März braucht keine Gummistiefel. Der Lenggrieser überquert nämlich, wenn es schnell gehen muss, die Isar auch ohne das vor Wasser schützenden Schuhwerk. Mit hochgekrempelter Hose hüpft er von Stein zu Stein, über die grünblaue Wogen wallen. März ist Vizevorstand beim örtlichen Fischereiverein und heute zeigt er eine besondere Stelle – für ihn und Lenggrieser Gewässerwart Tobias Oberlechner. Beide sind heute an der Isar, um dort eine „gute Baumaßnahme“ vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim für die Fischwelt zu zeigen.

Sie wurde vor kurzem fertiggestellt und befindet sich in Lenggries bei Hohenwiesen. Dort befindet sich eine sogenannte Fisch­treppe, eine Schwimmhilfe gegen die Fließrichtung, und sie dient auch als Ruhebereiche für die Bewohner der Isar: Namentlich die Bachforelle, Elritze, Koppe und Äsche. Insbesondere Letztere sei besonders wichtig: „Sie ist der Leitfisch hier in der Region“, erklärt März.

Damit das auch so bleibt, brauchen die Fische aber auch Schutz. Insbesondere der steigende Freizeittourismus durch Schlauchboote an der Isar mache solche Maßnahmen „unumgänglich“, betont März weiter. Ein wichtiger Schritt war laut März die Isarverordnung, die seit April dieses Jahres gilt. „Sie bringt ein bisschen was“, sagt er. Wie berichtet, darf das Wildwasser im Landkreis nur noch von 1. Juni bis 15. Oktober befahren werden. „Es ist besser geworden. Die Fische haben jetzt größere Ruhephase“, ergänzt Oberlechner.

Zudem biete besonders das Totholz im und am Wasser in den Seitenarmen der Isar Fischen Unterschlupf. Sie dienen den Fischen aber auch als „Fraßschutz“, ergänzt Oberlechner. Gerade im Winter, wenn Weiher und Seen zufrieren und Vogelarten wie der Reiher, Kormoran und mittlerweile vermehrt auch die Möwe „an der Isar räubern“.

Seit 1970 besteht der Fischereiverein in Lenggries – nächstes Jahr feiert er sein 50-jähriges Jubiläum. Generell sei der Verein nicht da, um zu fischen, erklärt März, „sondern für die „Hege und Pflege zuständig“. Die beiden Fischer können sich noch an Zeiten erinnern, aus Erzählungen von ihren Eltern und Großeltern, wo es von Fischen im Wasser nur so gewimmelt hat.

So waren die Nasen, ein selten gewordener Karpfenfisch, früher einst Leitfisch hier in der Region war. Es ist ein Wanderfisch, der in jungen Jahren flussabwärts schwimmt. Und im Alter, ähnlich dem Lachs wieder zurück, also flussaufwärts, um an der Stätte seiner Geburt zu laichen. Und so behaupteten die Alten, man konnte zur dessen Laichzeit, mit einer Schaufel durchs Wasser fahren und sie sei voll mit Nasen gewesen. „So schwarz war das Wasser“, berichten die beiden Fischer schmunzelnd.

Doch etwa Staumauern und Turbinen von Klär- sowie Wasserkraftwerken an der Isar, sorgten dafür, dass viele Wanderfische verschwanden, erklärt Oberlechner . Aber Fische sind wichtig für das natürliche Gleichgewicht. Daher wurden Maßnahmen zur Renaturierung der Isar verordnet: das „Umsetzungskonzepts Isar“ vom Wasserwirtschaftsamt richtet sich nach der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, „um den guten ökologischen Zustand in der Isar zu sichern“, berichtet Roland Kriegsch, Leiter vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim. Der Plan sieht etwa vor die Isar vom Sylvensteinspeicher bis zur Mündung bei Deggendorf für Fische wieder „durchwanderbar“ zu gestalten. Die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf fordert sogar bis 2021 „Barrierefreiheit für alle Wasserlebewesen“.

Dafür ist nun auch die Fisch­treppe bei Lenggries da: Um Fischen das Überwindung von baulichen Hindernissen wie Stauwehren, Wasserkraftanlagen und Wasserfällen zu ermöglichen. „Das Wasserwirtschaftsamt hat dafür einen enormen Aufwand betrieben“, lobt März. Rund 50.000 Euro haben die mehrwöchigen Baumaßnahmen bei Hohenwiesen gekostet. Konkret besteht sie aus mehreren rund zwei Meter breiten Gumpen, die durch große Felsen abgetrennt sind. Dazwischen und außen herum können die Fische dann von Becken zu Becken schwimmen, und sich dort wieder ausruhen“, erklärt Oberlechner . Bevor es auf ihrer Reise Flussaufwärts weiter gehen kann.

März und Oberlechner stapfen mit ihren mittlerweile nassen Stiefeln zurück zum Parkplatz an der Straße: Sie blicken sich noch einmal um, schauen zur Isar. „Es ist der letzte Wildfluss, den wir haben“, sagt März. Und Oberlechner : „Wir machen das alles nicht für uns, sondern für den Fisch.“ Daniel Wegscheider

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