Unterhalb der Probstenwand bei Wackersberg passierte das Unglück

Weiße Gefahr in den Bergen: Lawine erfasst zwei Skitourengeher

Ein Lawinenabgang
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Naturgewalt: Die Gefahr eines Lawinenabgangs darf nicht unterschätzt werden.

Bad Tölz/Wackersberg – Die Gefahr, die der massive Schneefall der vergangenen Tage mit sich bringt, haben am Samstag zwei Skitourengeher zu spüren bekommen. Die Lawinensituation ist derzeit kritisch.

Auch der Bayerische Lawinenwarndienst rät dieser Tage zur Vorsicht: In den Voralpen herrscht nämlich aktuell die Gefahrenstufe zwei bis drei, also „erheblich“.

Gegen 19 Uhr ging am vergangenen Samstag bei der Tölzer Bergwacht der Notruf ein. Gemeldet wurden zwei verletzte Personen zwischen Längenberg und Neulandhütte. In einer Mitteilung vom Montag, erklärt der Pressesprecher der Tölzer Bergwacht, Norbert Weinhuber, dass sich die etwa 30-jährigen Skitourengeher auf einer Tour vom Längentalparkplatz Richtung Probstenwand und Hennenkopf befanden.

Einsatzleiter an diesem Abend war Willi Härtle von der Lenggrieser Bergwacht. Der Berwachtler stand während der Bergungsaktion in Kontakt mit den Skibergsteigern, die es nun zu finden galt. „Die beiden waren wahrscheinlich gerade noch auf dem Weg nach oben, berichtet Härtle. Zum Zeitpunkt der Lawine hatten sie die Ski abgeschnallt, da sie sich an einer problematischen Stelle befanden, die mit den Ski nicht zu begehen war. „Die Gefahr wäre größer, wenn die Ski noch dran gewesen wären“, erklärt der Einsatzleiter weiter.

Dann passierte das Unglück: Die Lawine erfasste die beiden, als sie sich gerade in dem Steilstück vor dem Hennenkopf befanden. Sie rutschten nach Angaben von Weinhuber auf der Lawine etwa hundert Meter bergab, verletzten sich dabei – wurden aber nicht verschüttet.

Der gelbe Pfeil zeigt die Einsatzstelle nördlich der Probstenwand.

Zuerst versuchten die Skitourengeher noch selbst vom Berg hinunter zu kommen. Da einer der beiden aber immer mehr Probleme mit seinem Knie bekam, kontaktierten sie schließlich die Bergwacht. „Problematisch war die Rettung durch die Lenggrieser und Tölzer Bergwacht nicht“, sagt Härtle. In der Nähe der Dudel-Alm kam es zur Bergung. „Über die Stirnlampen konnten wir die Beiden orten.“ Nach der Versorgung der Knie- und Kopfverletzungen brachten die Einsatzkräfte die bereits unterkühlten Tourengeher zum Skidoo.

Verlockende Hänge bergen Gefahren

Der Einsatzleiter weiß um die verlockenden weißen Hänge, die noch völlig ohne Spuren sind. Er rät allerdings zu defensivem Verhalten in den Bergen: „Ab einer Hangneigung von 30 Grad ist Vorsicht geboten. Die Warnstufe drei, also: erhebliche Gefahr, ist trügerisch“, warnt der Lenggrieser Bergwachtler. Ob sich die Situation nun weiterhin verschärft oder nicht hängt in erster Linie von der Wetterlage ab. Härtle sagt: „Ein bisschen wärmer ist nicht schlecht.“ Aber: werde es zu warm und kommt auch noch Regen dazu, „dann ist es gefährlich, weil der Schnee sehr schwer wird“.

Auch der Bergretter Moritz Meindl von der Tölzer Bergwacht, der bei der Rettung am Samstag dabei war, mahnt vor den Gefahren. Ein Ausflug in die verschneiten Berge sollte vor allem gut geplant sein. „Von Zuhause aus, kann sich jeder schon vorab über den Lawinenwarndienst informieren“, empfiehlt Meindl. „Die Tour sollte gut durchgeplant sein und vor Ort sollten die einzelnen Hänge nochmals bewertet und abgewägt werden.“ Bisher gab es im Vergleich zu vorherigen Jahren eher wenig Einsätze, berichten die Bergretter. Obwohl die Leute sich jetzt anders in der Natur fortbewegen, da derzeit die Skilifte alle geschlossen seien.

Auch das Polizeipräsidium Oberbayern Süd warnt vor der derzeit herrschenden Lawinengefahr. Von den Berchtesgadener bis zu den Allgäuer Alpen stellte der Lawinenwarndiest Bayern am Mittwoch in allen Gebieten in höheren Lagen noch die Warnstufe zwei bis drei fest. Mit der markanten Erwärmung zur Wochenmitte hin, bleibt die Lawinensituation weiter angespannt. Viktoria Gray

Weitere Informationen zur Lawinengefahr und zur aktuellen Lage gibt es online auf www.lawinenwarndienst-bayern.de und www.alpenverein.de.

Lesen Sie hierzu auch die Reportage zum Thema Lawinen: „Tödliche Gefahr durch Lawinen: DAV probt Ernstfall am Spitzingsee“.

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