Gegen Hass und Hetze

Weisser Ring appelliert: zunehmende Verrohung der Gesellschaft stoppen

Eine Frau die weint
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Laut einer Umfrage sind es häufig Frauen, die digitale Gewalt erfahren.
  • Franca Winkler
    VonFranca Winkler
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Landkreis – Hass schafft Opfer. Er beleidigt Menschen, bedroht sie, verletzt sie. Im schlimmsten Fall tötet Hass Menschen, das haben die Mordanschläge in Halle, Hanau und auf den Politiker Walter Lübcke gezeigt. In all diesen Fällen sei digitale Hetze vorausgegangen.

Die Opferhilfsorganisation Weisser Ring macht es sich zur Jahresaufgabe „Hass und Hetze“ und die damit einhergehende Verrohung der Gesellschaft in das öffentliche Bewusstsein zu bringen, Gründe für die zunehmenden Aggressionen auszuloten und Lösungen zu finden.

Schon jetzt belegen Studien, dass die zunehmenden Beleidigungen und Bedrohungen im Netz die Meinungsfreiheit beschädigen. Wer sich gegen Hass und Hetze stellt, betreibt deshalb aktiven Opferschutz. Er beschützt Menschen – und er beschützt die Demokratie.

Der Weisse Ring, Deutschlands größte Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer, nutzt den 30. „Tag der Kriminalitätsopfer“ am vergangenen Montag (22. März), um auf die prekäre Situation aufmerksam zu machen.

„Wir müssen die zunehmende Verrohung der Gesellschaft stoppen“, sagt Helgard van Hüllen, Außenstellenleiterin Bad Tölz-Wolfratshausen „und beginnen müssen wir damit hier vor Ort.“ Hass und Hetze greifen die Grundlagen unseres Zusammenlebens an, so van Hüllen weiter. „Das geschieht vor allem im Internet, immer öfter aber auch im Alltag auf der Straße. Dem müssen wir uns gemeinsam entgegenstellen.“

Der Hass im Internet richtet sich oft gegen Minderheiten, zum Beispiel gegen Menschen mit Migrationshintergrund, Homosexuelle oder Behinderte. Aber auch Frauen sind Hass und digitaler Gewalt ausgesetzt, einfach weil sie Frauen sind: Bei einer Umfrage des Kinderhilfswerk Plan International gaben 70 Prozent der in Deutschland befragten Mädchen und jungen Frauen an, bereits im Internet beschimpft, belästigt oder bedroht worden zu sein. Das hat Folgen für die Meinungsfreiheit: Einer Studie des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft zufolge bekennen sich 54 Prozent der Befragten wegen Hassrede im Internet seltener zu ihrer politischen Meinung. 15 Prozent der Befragten haben wegen der Hasskommentare ihr Profil bei einem Online-Dienst deaktiviert oder gelöscht. Bei den unter 24-Jährigen gilt das sogar für jeden Vierten. Dieser Rückzug verändert die abgebildete Meinung im öffentlichen Raum.

Die Kriminalitätsstatistik des Bundeskriminalamtes verzeichnet für 2019 insgesamt 8.585 Fälle von politisch motivierter Hasskriminalität. Das sind aber nur die angezeigten Taten. Die meisten Fälle von Hass und Hetze vor allem im Internet werden erst gar nicht erfasst: Die Betroffenen zeigen sie nicht an, weil ihnen die Rechtslage unklar erscheint – und weil nur die wenigsten angezeigten Taten verfolgt und bestraft werden. „Wir wollen allen Betroffenen Mut machen, sich Unterstützung zu holen“, sagt Helgard van Hüllen. „Niemand muss allein bleiben, wenn er Hass und Hetze erfahren hat.“

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