Über 100 Menschen wurden unterstützt

Weißer Ring in der Tölzer Region zieht Bilanz

Ein Mann ballt seine Faust
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Das Beratungsangebot des Vereins betraf wie in den Vorjahren Sexualstraftaten und häusliche Gewalt. (Symbolfoto)
  • Daniel Wegscheider
    vonDaniel Wegscheider
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Landkreis – Der Weiße Ring hilft Kriminalitätsopfern und ihren Familien. Die Außenstelle in der Tölzer Region hat nun Bilanz gezogen.

Im Corona-Jahr 2020 konnten die Helfer über 100 Menschen beraten und unterstützen. Auf das ganze Jahr gesehen haben die Anfragen der Opfer zugenommen.

Außenstellenleiterin Helgard van Hüllen blickt bei ihrer Bilanz zurück auf ein Jahr Hilfe für Opfer von Straftaten, die auch von der Corona-Pandemie beeinflusst wurde. Dieser Umstand habe etwa die Kommunikation verändert. „Der direkte Kontakt ist derzeit meist nur über technische Hilfsmittel möglich. Das bringt Veränderungen beim Kontakt der Mitarbeiter untereinander, aber auch bei der Opferhilfe mit sich.“

Auf das Jahr gesehen, könne der Weiße Ring insgesamt betrachtet keinen Rückgang verzeichnen, sondern eher eine Zunahme. „Über 100 Ratsuchenden konnten wir helfen und sie beraten“, berichtet van Hüllen weiter. Die Schwerpunkte lagen wie auch in den Vorjahren bei Sexualstraftaten und häuslicher Gewalt. „Dies sind Straftaten, die oft eine intensive Beratung nötig machen.“ Aber auch Cyberdelikte wie Telefon- und Internetbetrug beschäftigten die Mitarbeiter der Hilfsorganisation vermehrt. „Vielen konnte telefonisch oder bei Treffen im Freien geholfen werden“, erklärt die Außenstellenleiterin.

Helgard van Hüllen leitet die Geschäftsstelle Bad Tölz-Wolfratshausen des Weissen Rings.

Im Bereich der Sexualdelikte, habe es Fälle gegeben, die weiter zurückliegen, die Opfer sich jetzt meldeten. Van Hüllen vermutet: viele der Opfer hätten während des Lockdowns Zeit zum Nachdenken gehabt und sich dann entschieden, zum Telefon zu greifen und sich professionelle Hilfe zu suchen.

Neben Frauen haben sich auch vermehrt Männer gemeldet, sagt van Hüllen. Deutschlandweit ist die Zahl der Hilfesuchenden, um 20 Prozent gestiegen. „Männer melden sich normalerweise seltener als Frauen“, erklärt van Hüllen. Ein Wandel, der auch auf die steigende Öffentlichkeitsarbeit von Hilfsangeboten zurückzuführen sei.

Der Weiße Ring arbeitet darüber hinaus im Netzwerk mit verschiedenen Institutionen und in einigen Gremien mit. So beim Runden Tisch „Häusliche Gewalt“, sowie beim Fachteam für Erstberatung im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen bei sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen.

Zudem könne der Weiße Ring nach wie vor materielle Hilfe leisten. „Und dies obwohl wir keine staatlichen Hilfen beanspruchen“, sagt van Hüllen. „Wir konnten uns auch über eine Reihe von Spenden im Landkreis freuen.“ Herauszuheben sind die Soroptimisten (1.000 Euro) sowie die Aktion „One Billion Rising“. Letztere unterstütze den Weißen Ring bei einer Benefizveranstaltung im Geltinger Hinterhalt.

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