Frauenpower in der Pandemie

Weltfrauentag: Corona bringt Chancengleichheit am Arbeitsmarkt ins Schwanken

Starke Frau zeigt ihre Muskeln
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„We can do it“, („Wir können das schaffen“) ein Slogan, der Frauen im Beruf weltweit ermutigen soll.
  • Daniel Wegscheider
    vonDaniel Wegscheider
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Landkreis – Am 8. März jährt sich der Internationale Frauentag zum 100. Mal. Ein Jahrhundert für die Gleichstellung der Frauen gegenüber den Männern auch in der Arbeitswelt. Doch Corona zwingt diese Entwicklung derzeit zum Rückschritt.

Am Montag, 8. März, hat global wieder der Tag der Frauen stattgefunden. In der Gesellschaft seit jeher das eigentliche starke Geschlecht: Nach dem Zweiten Weltkrieg bauten sie die zerbombten Städte wieder auf und in den boomenden Wirtschaftsjahren standen sie nicht selten hinter ihren beruflich erfolgreichen Ehemännern – kümmerten sich um Haus, Hof und Familie. Auch jetzt, während der Pandemie sind es meistens die Frauen, die Job, Haushalt und Homeschooling managen müssen.

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Eltern, die berufstätig sind und Kinder haben, standen in den vergangenen Monaten mehr denn je vor einer doppelten Herausforderung. „Familien und insbesondere Alleinerziehende sind besonders stark durch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf betroffen, welche die Pandemie mit sich bringt“, erklärt Andreas Baumann. Er ist Beauftragter für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt beim Jobcenter Bad Tölz-Wolfratshausen. Die Doppelbelastung „kann beim beruflichen Aufstieg hinderlich sein“. Und das kann wiederum besonders die Mütter treffen.

100 Jahre für Gleichberechtigung

Seit 1911 feiern Frauen den „Internationalen Tag der Frauen“, an dem weltweit auf Frauenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam gemacht wird. Der Tag, der seit 1921 jährlich am 8. März begangen wird, soll die bisherigen Errungenschaften der Frauenrechtsbewegung feiern, die Aufmerksamkeit auf bestehende Diskriminierung und Ungleichheiten richten und dazu ermuntern, sich für eine Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen. Das allererste Hauptziel der Frauenbewegung war es, das Wahlrecht für Frauen zu erstreiten. Hundert Jahre später erklärte Bundesfrauenministerin Franziska Giffey im Deutschen Bundestag: „2020 ist Gleichstellungsjahr“. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik sei eine gemeinsame Strategie der Bundesregierung zur Gleichstellung der Geschlechter auf den Weg gebracht worden.

Anlässlich des Frauentags warnt die Gewerkschaft IG Bau in diesen Zusammenhang vor einem Rückschritt bei der Gleichberechtigung in Folge der Corona-Pandemie. „Insbesondere Minijobs werden in der Krise zunehmend zur Karrierefalle“, kritisiert Bezirksvorsitzender Michael Müller. Nach Angaben der Arbeitsagentur sind aktuell 61 Prozent der insgesamt rund 12.800 geringfügig entlohnten Arbeitsverhältnisse im Landkreis in Frauenhand. In der Gebäudereinigung liegt der Frauenanteil bei den 450-Euro-Stellen sogar bei 64 Prozent.

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„Geringfügig Beschäftigte gehen nicht nur beim Kurzarbeitergeld leer aus. Sie sind auch häufiger von Entlassungen betroffen“, so Müller weiter . Die IG Bau plädiert dafür, die Minijobs in der jetzigen Form abzuschaffen und die Verdienstgrenze auf 600 Euro anzuheben.

Zudem stehe das „Ehegatten-Splitting“ einer echten Gleichberechtigung am Arbeitsmarkt im Weg. „Durch hohe Abzüge in der Steuerklasse 5 bleibt vielen Frauen nur wenig vom Bruttoverdienst.“ Das führe zu geringen Arbeitslosenansprüchen und Einbußen beim Elterngeld, kritisiert Müller. Die Politik müsse das Thema in diesem Wahljahr anpacken und eine Reform der Einkommenssteuer voranbringen.

Corona-Pandemie erhöht bei Frauen Belastung im Job

Die IG Bau Oberbayern verweist zugleich auf die gestiegene Belastung von Frauen in der Pandemie: „In Zeiten geschlossener Kitas und Schulen bleibt die Kinderbetreuung nach wie vor meist an den Frauen hängen“, bestätigt IG Bau-Bezirksvorsitzender Michael Müller. Hinzu komme die Arbeit im Haushalt und die Pflege von Angehörigen.

Neben besseren politischen Rahmenbedingungen sei hier auch ein gesellschaftliches Umdenken nötig, erklärt Müller weiter: „Männer, die beruflich etwas zurücktreten, können der Partnerin helfen, den nächsten Karriereschritt zu gehen, um Lasten in der Familie fairer zu verteilen.“

Die Gewerkschaft verweist in diesem Zusammenhang auf eine repräsentative Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung: Nach Angaben des Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderungswerks sei die durchschnittliche Erwerbsarbeitszeit von Frauen im Zuge der Corona-Krise stärker gesunken als die von Männern.

Vor Ausbruch der Pandemie arbeiteten Frauen demnach im Durchschnitt fünf Stunden pro Woche weniger als Männer in einem bezahlten Job. Im Herbst 2020 betrug die Differenz bei Erwerbstätigen mit betreuungsbedürftigen Kindern elf Stunden pro Woche. Zwei Drittel der befragten berufstätigen Frauen mit Kindern gaben an, in der Partnerschaft den größeren Teil der Kinderbetreuung zu übernehmen.

Michael Schankweiler, Chef der Agentur für Arbeit Rosenheim, kennt die Situation. Er spricht darüber, wie die Arbeitsagentur momentan versucht, Mütter und Väter zu unterstützen. „Wir haben den Zeitraum für die Arbeitszeit ausgedehnt und die Kapazitäten für Homeoffice stark erweitert.“ Daniel Wegscheider

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