„Alpgeister“ halten Publikum vom Schlaf ab

Weltpremiere in Wolfratshausen: Walter Steffens neuer Film

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Bei der Uraufführung des Films „Alpgeister“ beim Flussfestival spielte die Band „Irxn“, die auch den Titelsong zum Film beisteuerten. 

Wolfratshausen – Riesenandrang bei Walter Steffens neuem Film „Alpgeister“, der beim Wolfratshauser Flussfestival Uraufführung feierte. Der Seeshaupter Regisseur, der sich mit Dokumentarfilmen zur Heimatgeschichte wie „Fahr ma obi am Wasser“ oder „Bavaria Vista Club“ einen Namen gemacht hat, war sichtlich begeistert von diesem Empfang.

So berichtete Walter Steffen auch gleich, dass die Premiere erst in München geplant war. Aber ihn als Freiluft-Kino unterm Sternenhimmel zeigen zu können, sei ein viel passenderer Rahmen für einen Film, in dem es um die alten Mythen in den Alpen und den tief verwurzelten Volksglauben geht: von den Armen Seelen, der Wilden Jagd, versteinerten Bauernburschen, der „Weißen Frau von Werdenfels“.

Vor dem Film gibt‘s ein Konzert der barfüßigen „Irxen“, die den mystischen Titelsong „Rauhnacht“ zum Werk beigesteuert haben. Auch die Filmcrew, die Komparsen und Sponsoren dürfen sich vorstellen, so wie es sich für eine Uraufführung gehört. Mit dabei sind auch einige Einheimische: Filmkomponist Titus Vollmer aus Geretsried und Drohnenfilmer Marius Vogel aus Wolfratshausen, als Protagonisten Hermann Paetzmann aus Wolfratshausen, der im Film über die alte Legende vom gruseligen „Totenheer von Lenggries“ erzählt, sowie der Schlederloher Künstler Wolfgang Ramadan, der bei einem Beinah-Absturz am Herzogstand seinen Schutzengel gefilmt haben will. Oder war es doch nur eine optische Illusion? Das bleibt offen.

Es ist schon nach 22.30 Uhr, als es endlich dunkel genug ist und der Film starten kann. Zum ersten Mal hat Steffen auch inszenierte Spielfilmszenen eingesetzt, da dürfen die Nebelschwaden wallen und auch ein paar Totenköpfe für gruselige Effekte sorgen. Zum Glück ist es Steffen gelungen, dies nicht unfreiwillig komisch wirken zu lassen. Auch bei der Protagonisten-Auswahl bewies der Regisseur überwiegend ein gutes Händchen. Einer sehr authentisch wirkenden Allgäuerin oder dem in den Alpen aufgewachsenen Hirten nimmt man ab, dass in der Bergwelt spirituelle Kräfte wirken, die über das rational Begreifbare hinausgehen. Und wenn schon der Pfarrer sagt, dass der Mensch „nur ein Prozent der Wirklichkeit wahrnehmen“ kann!

Visuell arbeitet der Film mit großen cineastischen Bildern der Berge mit geheimnisvollen Wäldern, ungewöhnlichen Felsformationen und tiefgründigen Schluchten. Davon hätte man gern noch mehr gesehen. Gegen Mitternacht schaute mancher Besucher sorgenvoll auf die Uhr und dachte an den morgendlichen Wecker. Deshalb tröpfelten viele Zuschauer heim, bevor der Abspann über die Leinwand flimmerte. ha

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Regisseur Walter Steffen kommt zur Tölz-Premiere von „Alpgeister“ am Dienstag, 16. Juli, um 20 Uhr ins Capitol-Filmtheater am Amortplatz. Zudem kommen die beiden Protagonisten Wolfgang Ramadan und Hermann Paetzmann für ein Gespräch mit dem Publikum.

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