Riesige Klima-Demo 

Am weltweiten „Globalen Klimastreik“ beteiligten sich in Bad Tölz geschätzt 900 Leute

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Hunderte Stimmen demonstrieren auf der Marktstraße für mehr Klimaschutz.

Bad Tölz – Kurz vor Freitagmittag versammelten sich die ersten Klimaaktivisten am Tölzer Rathaus. Dort war noch nicht abzusehen, wie viele letztendlich durch die Stadt marschieren würden. Rund 900 Junge und Ältere strömten dann mit Plakaten, Parolen und Banner über die Marktstraße weiter ins Badeteil und wieder zurück: Sie forderten gemeinsam und lautstark: mehr Engagement für den Klimastreik.

„Our House is on Fire“ (zu deutsch: „Unser Haus brennt“) titelte das Banner an der vordersten Front der Klimaaktivisten. Sie meinen damit freilich den Planeten Erde – die Heimat aller Menschen. Im Marschschritt schmetterten die ersten Demonstranten die Parole „Eins, zwei, drei, vier: Klimaschutz jetzt und hier.“ Sowie: „Reiht Euch in die Demo ein.“ Und genau das machten viele Rentner, viele Schüler und viele Eltern. Junge und Alte schritten nun Seite an Seite vom Winzerer-Denkmal kommend die Marktstraße hinunter und über die Isarbrücke ins Tölzer Badeteil, von dort aus ging es in einer großen Schleife wieder zurück.

Viele Meinungen ein Ziel

Hunderte Stimmen demonstrieren auf der Marktstraße für mehr Klimaschutz. © Wegscheider
Hunderte Stimmen demonstrieren auf der Marktstraße für mehr Klimaschutz. © Wegscheider
Mit Parolen und Sprüchen positionierten sich Landkreisbürger und Auswärtige vor dem Tölzer Rathaus, bevor es zum Protestmarsch für den Klimaschutz ging. © Wegscheider
Mit Parolen und Sprüchen positionierten sich Landkreisbürger und Auswärtige vor dem Tölzer Rathaus, bevor es zum Protestmarsch für den Klimaschutz ging. © Wegscheider
Mit Parolen und Sprüchen positionierten sich Landkreisbürger und Auswärtige vor dem Tölzer Rathaus, bevor es zum Protestmarsch für den Klimaschutz ging. © Wegscheider
Hunderte Stimmen demonstrieren auf der Marktstraße für mehr Klimaschutz. © Wegscheider
Hunderte Stimmen demonstrieren auf der Marktstraße für mehr Klimaschutz. © Wegscheider
Hunderte Stimmen demonstrieren auf der Marktstraße für mehr Klimaschutz. © Wegscheider
Hunderte Stimmen fordern auf der Marktstraße mehr Klimaschutz. © Wegscheider
 © Wegscheider

Kurz vor dem UN-Sondergipfel zum Klimaschutz in New York, der am Montag stattfand, hatten Greta Thunberg und weitere Klimaschützer zum „Globalen Klimastreik“ aufgerufen. Gemeinsam forderten sie, „Klimaerhitzung und das Massenaussterben von Tier- und Pflanzenwelt aufzuhalten.“ Und so gingen am Freitag rund um den Globus auch unzählige Menschen auf die Straße und forderten von Politik und Wirtschaft der ernstzunehmenden Bedrohung durch den Klimawandel entgegenzusteuern und zu handeln.

Die Klimaschützer, die heutzutage auf die Straße gehen, fordern konkrete Maßnahmen statt Worte. Thunberg brachte die Bewegung ins Rollen: Ihr Klimaaktivismus begann während der Dürre- und Hitzewelle 2018, die weite Teile Europas erfasst hatte. Drei Wochen vor der Wahl zum Schwedischen Reichstag. Am 20. August 2018 platzierte sie sich mit einem Schild mit der Aufschrift „Skolstrejk för klimatet“ (zu deutsche„Schulstreik für das Klima“) vor dem Schwedischen Reichstag in Stockholm. Die Geburtsstunde der „Fridays-for-Future-Bewegungen“: Zunächst agierte sie allein. Heute folgen ihr viele, wie auch in der Tölzer Kurstadt.

Viele Meinungen ein Ziel

Es sind Schlagworte, die reinhauen: „Die Welt ist fertig“, schreibt Werner Härtl aus Reichersbeuern auf sein Holzschild und hält es hoch. Daran befestigt ist eine kleine Klingel, die der 41-Jährige drückt: „Bing“. Das Geräusch untermalt akustisch das, was auf Härtls Schild zudem gepinselt ist – eine Mikrowelle. „Das Essen ist fertig“, sagt er schmunzelnd und so sei es auch mit der Erde. „Jetzt reicht es, wir müssen runter vom Gas“, betont er. Ihm ist Klimaschutz seit seiner Kindheit wichtig und „heute geht es um die Zukunft unsere Kinder“, sagt Härtl. „Klimaschutz ist mehr als die Fridays-for-Future-Bewegungen.“ Jeder Einzelne entscheide bereits beim Einkaufen mit seinem Geld über die Zukunft: entweder man setzt auf Nahrungsmittel, die aus weit entfernten Ländern exportiert werden, oder auf Produkte aus der Region.

Einen „Nordpol statt einen Pool“ fordern Alexandra Felbinger aus Lenggries und Werner Raschbacher auf zwei Schildern, die sich die beiden umgehängt haben. Der 70-jährige Münchner trägt sogar eine gehäkelte Eisbärmütze, dunkle Sonnenbrille und falsche Fangzähne: „Nicht nur der Nordpol schmilzt auch der Schneeferner auf der Zugspitze“, sagt er. Es ist der größte deutsche Gletscher, der allerdings laut vieler Medien- und Fernsehberichte jährlich zusehends schrumpft. Versuche diesen über die Sommermonate mit Planen abzudecken, um die Schmelze aufzuhalten, führten zu keinem Erfolg. Forscher gehen davon aus, dass die bayrischen Gletscher bis 2040 ganz vom Klimawandel aufgezehrt sein werden.

Auf dieses Szenario verweisen Raschbacher und Felbinger mit ihren selbst gemalten Plakaten: darauf zeigen sie ironischerweise einen Eisbären, der im Liegestuhl unter einem Sonnenschirm sitzt und einen Cocktail trinkt. „Nicht reden, sondern handeln“, appelliert auch die 52-Lenggrieserin.

„Liebe Politiker seit euch Eurer Verantwortung bewusst“, titelt eine anderes Plakat. Andreas Roscher aus Lenggries nennt einen Politiker konkret beim Namen: nämlich den CSU-Bundestagsabgeordneten und Verkehrsminister Andreas Scheuer. „Wer denkt, dass sich das Klima ohne Verzicht erneuert, ist beScheuert!“ steht auf Roschers Pappschild.

Der 48-Jährige lebt Klimaschutz vorbildhaft: „Seit sechs Jahren fahre ich kein Auto mehr“, berichtet Roscher. Außerdem stellt er sein Waschmittel selbst her, die Anleitung dazu erlernte er aus einem You-Tube-Video: „Kastanienmehl mit heißen Wasser vermischen und filtern“, erklärt er. Das ist wie ein Flüssigwaschmittel“ und funktioniere, verspricht er.

Neben Roscher steht eine 48-jährige Wolfratshauserin, die bereits vor einem Jahr den heutigen Tag im Kalender rot angekreuzt hatte. Auch wenn sie ihren Namen nicht sagen möchte, hat sie eine Botschaft: „Ich bin hier, um andere zu überzeugen und möchte mein Umweltbewusstsein an sie weitergeben.“ Das hat sie hiermit getan, genauso wie die anderen erwähnten Klimaschützer: Härtl, Felbinger, Raschbacher und Roscher, die für ihre Umwelt einstehen.Daniel Wegscheider

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