WhatsApp überführt BTM-Händler

Amtsgericht: 16-jähriger Schüler und 20-jähriger Azubi verurteilt

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Ein WhatsApp-Chat, der von einem Polizisten handschriftlich aufgezeichnet, überführte die Angeklagten (Symbolbild).

Wolfratshausen – Im Juli 2019 bot Markus O. dem Schüler Ludwig J. (Namen geändert) 80 Gramm Marihuana zum Preis von 870 Euro an. Ob die Übergabe wirklich erfolgte, konnte das Jugendgericht zwar nicht nachweisen. Doch schon die Verabredung zum Handel mit Betäubungsmitteln (BTM) reichte zu einer Verurteilung aus.

Richterin Friederike Kirschstein-Freund verwies auf Präzedenzurteile des Bundesgerichtshofs. „Es macht strafrechtlich keinen Unterschied aus, ob es zu einer Übergabe kommt oder nicht“, erklärte sie. Umso mehr bedauerte sie, dass die beiden in Wolfratshausen lebenden Angeklagten nicht geständig waren.

„Wir sind uns nicht über den Preis einig geworden und haben es dann sein lassen“, behauptete der 20-jährige Verkäufer. Der 16-jährige Schüler wollte nur 800 statt 870 Euro zahlen und bat ihn um einen Rabatt. Ein WhatsApp-Chat, der von einem Polizisten handschriftlich aufgezeichnet wurde und dem Gericht vorlag, weist aber darauf hin, dass der Schüler die Ware bereits angenommen hatte und sie erst später zu einem reduzierten Preis bezahlen wollte. Sein Ziel war, das Marihuana in kleinen Mengen weiterzuverkaufen und einen Gewinn von etwa 400 Euro zu erzielen. Deshalb fragte er auch nach, ob der 20-jährige Azubi etwas zum Einpacken hätte. „Das bezog sich nicht auf Betäubungsmittel“, behaupteten die Angeklagten unisono.

Die Richterin schenkte diesen Ausführungen keinen Glauben und empfahl beiden ein Geständnis, das sich strafmildernd auswirken würde. Jugendgerichtshelfer Andreas Dlugosch bat sogar um eine Unterbrechung der Verhandlung und versuchte, Markus O. unter vier Augen ins Gewissen zu reden. Vergeblich.

Weil der 20-Jährige Wolfratshauser außerdem in Geretsried einmal mit Marihuana und einem vierstelligen Geldbeitrag in der Tasche erwischt worden war, verurteilte ihn Richterin Kirschstein-Freund zu einem einwöchigen Dauerarrest. Zudem muss er in zwölf monatlichen Screenings nachweisen, dass er ein Jahr drogenfrei lebt. Diese Nachweise muss auch sein 16-jähriger Kunde Ludwig J. erbringen. Des Weiteren wurde der Schüler zu zwei Freizeitarresten von jeweils 48 Stunden verurteilt. „Wenn sie mir gleich die Wahrheit gesagt hätten, wäre das Urteil anders ausgefallen“, bedauerte Kirschstein-Freund. ph

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