Windkraft im Landkreis: Grüne diskutieren

„Verspargelung“ bewegt Bürger

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Zahlreiche Besucher kamen ins Gasthaus Peiß zu der Veranstaltung der Kreisgrünen. Ludwig Hartmann, energiepolitischer Sprecher der Grünen, informierte die rund 40 Gäste zur Windkraft.

Dietramszell – Gerne hätte Hubert Prömmer Details über die von der Planungsregion ausgewiesenen Flächen für Windkraftanlagen im Landkreis erfahren. Doch der Kreisvorsitzende der Grünen hat sich vergeblich um Informationen bemüht.

Dass überall nur abgeblockt wird, ärgert ihn. Um etwas gegen das Informationsdefizit zu tun, hatte er im Gasthaus Peiß eine Veranstaltung organisiert, die Lichts ins Dunkel bringen sollte. 

Dritter Landrat Klaus Koch und Ludwig Hartmann, energiepolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, informierten und diskutierten anschließend mit den rund 40 Interessierten über das Thema. Dass momentan kaum etwas von den Ergebnissen des Planungsverbandes 17, der die Flächen ausweist, auf denen Windräder künftig  stehen dürfen, an die Öffentlichkeit dringt, erklärte Koch mit der Angst vor großen Investoren und ihren Geldkoffern. Voraussichtlich am 12. Dezember wird es aber eine Sitzung des Planungsausschusses geben, in dem über die Veröffentlichung der Pläne entschieden werden soll. „Vermutlich werden sie noch vor Weihnachten ausgelegt und es wird eine Einwendungsphase geben, in der bei Bürgern und Verbänden abgefragt wird, ob etwas übersehen worden ist“, erklärte Koch das weitere Prozedere. Die Einwände würden eingearbeitet werden und was dann vorliege, sei verbindlich. Deswegen forderte Koch mit Nachdruck dazu auf, die öffentliche Auslegung aufmerksam zu verfolgen und Bedenken einzubringen. Gleichzeitig müssten die Bürger sich bereits jetzt vernetzen und darüber nachdenken, Genossenschaften zum Betreiben von Windkrafträdern zu gründen. Auf jeden Fall sei die Energiewende eine „unglaublich sportliche Herausforderung“ und es müsse noch „ein erheblicher Aufwand“ betrieben werden, um sie umzusetzen.

Dass das Thema Windenergie in den kommenden Jahren für viel Aufregung sorgen und vielen „nicht passen“ werde, darauf wies der Grünen-Kreisvorsitzende Prömmer hin. „Der Großteil der im Landkreis möglichen Windräder, wird in Dietramszell stehen – das ist mittlerweile kein Geheimnis mehr“, sagte er. Ob die Gemeinde damit allerdings die „Hauptlast“ trage oder dadurch eine „Hauptchance“ bekomme, müsse man abwarten. Auf jeden Fall müsse eine mögliche Wertschöpfung im Ort bleiben. Große Konzerne dürften nicht versuchen, die Gewinne für sich abzuschöpfen.

Prömmer gab offen zu, dass er als Grüner beim Thema Windkraft in Dietramszell grundsätzlich zwischen den Stühlen stehe: Einerseits wolle er die Energiewende, andererseits hänge er an seiner Heimat Dietramszell und wolle die Natur nicht kaputt machen. „Wir werden uns hier arrangieren müssen - wie das am Besten gemacht wird, ist entscheidend.“ Deswegen müssten die Bürger frühzeitig involviert werden. Stattdessen werde gemauert, was die Leute erst recht misstrauisch mache.

Die „Verspargelung“ der Landschaft bewegte einige der Anwesenden sehr. „Sind wir in Bayern bereit zur Industrialisierung der Landschaft durch Windräder“, fragte ein Bürger. Dass es die Energiewende ohne Veränderungen im Landschaftsbild nicht geben werde, erklärte daraufhin der energiepolitische Sprecher der Grünen im Landtag. Hartmann verwies in diesem Zusammenhang auch auf die derzeit verstärkt betriebene Aussiedlung von Gewerbebetrieben, die sehr viel mehr von der Landschaft kaputt machen würden, als einzelne Windräder. dae

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