Schnell. Schneller. Glasfaser

„Wir für Tölz“: Internet-Versorgung und Breitband-Ausbau in der Isarstadt

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Sogenannte Speed-Pipes, also Mikro-Leerrohre, werden beim Ausbau in die Glasfaser eingezogen.

Bad Tölz – „Noch schnell die letzten Arbeiten am PC erledigen und dann Feierabend.“ Nachmittags um halb sechs wird so mancher Tölzer oft enttäuscht. Denn das Internet hängt regelmäßig. Was für Privatleute nervig ist, kann für Unternehmen unangenehm sein. Und für Freiberufler: existenzbedrohend. „Vormittags sind die Bandbreiten hoch, zum Abend hin gibt es manchmal nur noch 20 Megabit“, bestätigt Dr. Martin Jursa vom gleichnamigen Softwarehaus in der Säggasse. Der Unternehmer hatte das Diskussionsthema für das Spartentreffen Dienstleistungen/freie Berufe des Unternehmervereins „Wir für Tölz“ angeregt.

Ein gutes Dutzend Interessierte waren der Einladung gefolgt. Dabei geht das Thema „Internet-Versorgung“ wohl fast jeden an. Auf Nachfrage von Falko Wiesenhütter, dem Gast aus der Stadtverwaltung, zeigte sich etwa ein Drittel bei dem Abend mit der derzeitigen Versorgung unzufrieden. Der City-Manager war gekommen, um über Aktuelles und Planungen zu sprechen. Während schnelles Internet – mindestens 50 Megabit/sec. – in Großstädten wie Berlin, Frankfurt und München längst eine Selbstverständlichkeit sei, hinken die Verbindungen auf dem Land hinterher. Grund dafür sei der schleppende Breitbandausbau. Die tatsächlich verfügbaren Bandbreiten hingen nicht nur vom Vertrag ab, den der Kunde mit dem Anbieter abgeschlossen hat. Entscheidend sei auch die verwendete Technologie und die Kabellänge vom Hauptverteiler bzw. vom Verteilerkasten bis zum Kunden. Die Bundesrepublik Deutschland habe sich zwar für den Weg in eine Gigabit-Gesellschaft entschieden, faktisch sei man weltweit gesehen abgeschlagen auf den hinteren Rängen. Dieser Weg sei gar nicht befahrbar. Denn die Kupferleitungen, die immer noch am Leben gehalten werden, gelten als Flaschenhals, der Bandbreiten schlucke. Anzustreben sei eine Glasfaserverbindung bis in die Gebäude hinein, doch die sei teuer, so Wiesenhütter. Dennoch sei zumindest das Tölzer Kerngebiet mit schnellem Internet versorgt, lobte der City-Manager. Dass die Wettbewerber Telekom und Vodafone Kabel Deutschland miteinander wetteiferten und parallel zwei Netze in der Kurstadt ausbauen, würde den Nutzern wohl zugute kommen. Möglicherweise hatte sich die Telekom zum Ausbau entschlossen, um dem Konkurrenten nicht das Feld zu überlassen. Betrachte man die bekannten Gewerbegebiete, so gebe es nun vor allem im Farchet keine Engpässe mehr, auch die Flinthöhe sowie Moraltpark, Stadtmitte und Griesfeld seien überwiegend gut versorgt. Als Meilenstein gelte dabei die Aufstellung von fast 50 Verteilerkästen im Jahr 2018, die die Telekom eigenverantwortlich durchgeführt hätte. Vom Hauptverteiler in der Mühlgasse war Glasfaser bis zu den Häuschen gelegt worden. Das Kupfer ist damit zumindest hier passè. Und schnellem Internet mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 MBit/s das Tor geöffnet. Während Kerngebiete in Sachen Versorgung aufatmen können, sieht es in dünn besiedelten Gebieten – wie etwa Kirchbichl – schlechter aus. Eine Erschließung gelte als aufwendig und teuer und rechne sich damit für die Betreiber nicht. Hier greifen Förderprogramme – etwa vom Freistaat Bayern. Die Stadt werde aktiv, finanziert wird der Ausbau von Netzbetreibern, Freistaat und Stadt. Selbst ausbauen dürfen Kommunen nicht. „Da würden wir uns strafbar machen“, meinte Wiesenhütter. Kompliziert sind die Gebiete, die über das Netz von Nachbargemeinden versorgt werden müssen, etwa das nahe der Kläranlage, Isarkraftwerk, Ratzenwinkl, Walgerfranz, Roßwies, Ober- und Untermühlberg, Kogl oder Gebiete zwischen Wackersberg und südlich der B472. Sie haben eine lange Zuführung und es gebe wenig Anschlüsse. Deshalb interessieren sich die Netzbetreiber nicht dafür. Deshalb müssten Kommunen und Länder den Ausbau schultern. Dies brauche jedoch Zeit. Problem sei auch, dass sich der Bandbreitenbedarf für Übertragungswege alle 20 Monate verdopple und da der Ausbau nicht mitkomme: „Momentan schließen die Leute Verträge mit bis zu 50 Megabit ab.“ In Zukunft werden sich die Ansprüche weiter erhöhen. Eben deshalb hätte sich die Stadt einen Leerrohr-Masterplan für Glasfaserkabel erstellen lassen. Ziel sei es, leere Rohre für Glasfaserkabel immer dann mit zu verlegen, wenn es bei Tiefbaumaßnahmen sinnvoll erscheine. Die könnte man später an einen Netzbetreiber verkaufen oder vermieten.

„Wer am lautesten schreit, der bekommt den Ausbau“, dies vermutete Dr. Martin Jursa. Er und seine Mitstreiter wollen ihren Unmut über die zeitweise einbrechende Versorgung nicht schlucken. Gemeinsam rechnen sie sich mehr Chancen aus, von den Betreibern angehört zu werden und ihre vertraglich zugesicherten Bandbreiten einzufordern. Jursa hofft auf eine baldige Verbesserung, immer seine Vision vor Augen: „So lange man keine schnelle Verbindung hat, weiß man nicht, was alles geht – das ist wie wenn du einem Blinden das Sehen beibringen willst.“ Rose-Marie Beyer

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