„Tölzer Bräustüberl“ geschlossen

Wirtin Heidi Königbauer geht nach knapp 40 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand

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Die Führung der „Mühlfelda Gmoa“ verabschiedete sich in der März-Gemeinderats-Sitzung von ihrer langjährigen Wirtin (v.li.): Kämmerer Jürgen van Wahnem, Gmoarat Karl Heinz Kral, Schriftführer Christian Hesse, 1. Bürgermeister Georg Gmeiner, 2. Bürgermeisterin Anneliese Bichler, Schatzmeisterin Christa van Wahnem, Heidi Königbauer und Gmoarat Fritz Pregler.

Bad Tölz - Zugesperrt hat Wirtin Heidi Königbauer am Dienstag, 17. März, nach dem letzten Gast ihr „Tölzer Bräustüberl“. Wie an jedem anderen Dienstagabend seit nunmehr fast 40 Jahren, da am Mittwoch immer ihr Ruhetag war. Doch diesmal ist es endgültig. „Es reicht“, sagt die 68-jährige Gastronomin, „ich höre in erster Linie aus gesundheitlichen Gründen auf. Damit ist nach 59 Jahren die Ära Königbauer in einem der letzten echt bayerischen Wirtshäuser in der Tölzerstadt zu Ende gegangen.

„Jetzt haben wir erst einmal kein Rathaus mehr“, bedauert auch Bürgermeister Georg Gmeiner den Abschied der Wirtin. Für die „Mühlfelda Gmoa“ war das Wirtshaus sogar seit der offiziellen Gründung im Jahr 1951 das Zentrum all ihrer Aktivitäten. „Das ist doch das Schöne in Bayern. Genau wie es sein soll“, so der Rathauschef: „Die Kirche, das Wirtshaus und gleich daneben der Maibaum.“ Und auch Letzterer wird von der „Gmoa“ alle drei Jahre aufgestellt, im Wechsel mit den Siedlern in der Karwendel Siedlung und den Trachtenvereinen an der Alten Schießstätte im Badeteil.

Die Schrecken des Zweiten Weltkriegs waren noch nicht vergessen und die Zeiten waren hart. Da wurden auch in Bad Tölz einige Vereinigungen gegründet, deren Ziel die gegenseitige Nachbarschaftshilfe und Unterstützung war. So entstand auch aus einem Stammtisch von Bürgern aus dem Tölzer Stadtteil Mühlfeld die bis heute bestehende „Gmoa“ in der die Geselligkeit gepflegt und das Zusammengehörigkeitsgefühl zum Ausdruck gebracht wird. Darüber hinaus gab es in den fünfziger Jahren des zurückliegenden Jahrhunderts noch die „Gemeinden“ der Hintersbergler, der Grießler und der Kohlstattler als am Dreikönigstag des Jahres 1951 die „Mühlfelda Gmoa“ gegründet wurde. Sie ist daraus die einzige mit aktuell rund 200 Bürgern, die überlebt hat. Dabei tagte der gewählte Gemeinderat auch heute noch jeden ersten Freitag im Monat im Tölzer Bräustüberl.

„Offiziell endet mein Pachtvertrag mit Löwenbräu zum 1. April“, erklärt Heidi Königbauer den Tag der Schließung. Die restliche Zeit benötigt sie zum Auf- und Ausräumen des Hauses in dem sie auch seit vielen Jahrzehnten gewohnt hat. „Ich war gerade einmal zehn Jahre alt, als ich mit meinen Eltern hierhergekommen bin.“ Sie ist praktisch im Wirtshaus aufgewachsen, denn Vater Lenz war im Bräustüberl von 1961 bis 1980 der Wirt. Da ist es kein Wunder, dass sie, eine bodenständige Wirtin mit Leib und Seele, in das Metier regelrecht hineingewachsen ist.

Sie war über die vielen Jahre die Chefin des Hauses und schwang tagtäglich den Kochlöffel. Da gab es für sie auch nie einen anderen Gedanken als den Betrieb als traditionelles Wirtshaus zu führen. Angefangen von der Küche mit bayerischen Schmankerl bis hin zum täglichen Betrieb. „Hier konnte man immer her kommen, wenn man sich lediglich eine oder auch zwei Halbe genehmigen wollte“, bestätigte Gmeiner. Hier waren auch Kartenspieler jederzeit willkommen und man sei nicht schief angesehen worden, wenn man Mal nichts zum Essen bestellt hat.

So hat die „Gmoa“ auch die Hoffnung, dass der Wirtshaus-Betrieb hier in bewährtem Stil weitergehen wird. Für die Gemeinderats-Sitzungen gibt es noch keine Interimslösung. „Vielleicht werden wir auch unsere alljährlichen Parlamentsferien aus dem Sommer heuer vorverlegen müssen“, sinniert der Bürgermeister, der seit 2004 im Amt ist.

„Ich gehe hier mit einem lachenden und einem weinenden Auge raus“, erklärt Heidi Königbauer, die hier „immer gerne gearbeitet“ hat: „Vor allem tut es mir um meine vielen, netten Stammgäste leid.“ Freilich gibt es bereits drei ernstzunehmende Interessenten, die das Lokal im gleichen Stil weiterführen wollen, aber – „unterschrieben hat noch keiner.“ Nicht zuletzt bedingt durch die Corona-Epidemie geht die Wirtin aktuell eher davon aus, „dass das Haus jetzt wohl eine geraume Zeit leer stehen wird.“ Ewald Scheitterer

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