Flucht nach tödlichem Unfall auf B11

Amtsgericht verurteilt 81-jährigen Rentner zu 27.000 Euro Geldstrafe – Hauptzeuge: ein Pizzabote

Für das Unfallgutachten stellte die Polizei das tragische Unglück im Dezember 2019 auf der B11 mit einer Puppe nach.
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Für das Unfallgutachten stellte die Polizei das tragische Unglück im Dezember 2019 auf der B11 mit einer Puppe nach.

Wolfratshausen – Am 17. Dezember 2019 kam es auf der B11 kurz vor der Ortseinfahrt nach Wolfratshausen zu einem tödlichen Unfall. Ein 21-jähriger Afghane ging gegen 21 Uhr zu Fuß auf der Fahrbahn und wurde daraufhin von einem Auto überfahren.

Der geflüchtete Fahrer konnte erst drei Tage später ermittelt werden. Nun verurteilte das Amtsgericht den 81-jährigen Wolfratshauser zu einer hohen Geldstrafe.

In der fünfstündigen Verhandlung kamen Polizisten, Gutachter, Sachverständige und Augenzeugen zu Wort. So nahm der Lagerist eines Pharmaunternehmens, das etwa 100 Meter vom Unfallort entfernt ansässig ist, zunächst eine torkelnde Gestalt auf der B11 wahr. „Ich dachte nur: Hoffentlich wird der nicht überfahren, und schon hat’s gekracht“, erinnerte sich der 37-jährige Lagerist.

Den Unfall beobachtet hatte auch ein 25-jähriger Pizza­bote, der dem Auto des Rentners hinterherfuhr. Kurz hinter einer Kreuzung hielt der Unfallfahrer. „Ich sagte ihm, dass er jemanden überfahren habe und zurückfahren muss“, berichtete der Zeuge.

Der Rentner meldete daraufhin den Unfall per Notruf und wartete an der Farcheter B11-Bushaltestelle auf die Polizei. Dass er selbst am Unfall beteiligt war, verschwieg er. Da die Einsatzkräfte ihm sagten, dass er nicht mehr gebraucht werde, und sofort zu dem Opfer eilten, fuhr der Rentner nachhause.

Der 21-Jährige starb noch auf der Straße

Der 21-jährige Afghane starb noch am Straßenrand. Eine bei ihm durchgeführte Blutprobe ergab zum Unfallzeitpunkt einen Alkoholwert von etwa 1,4 Promille. Der Asylbewerber wurde zwei Wochen zuvor aus der psychiatrischen Klinik Agatharied (Kreis Miesbach) entlassen und nahm aufgrund einer Suizidgefährdung regelmäßig Medikamente ein. Ob er am 17. Dezember wirklich Selbstmordabsichten hatte, sei laut eines Arztes des Forensisch Toxikologischen Centrums in München ungewiss. Der Augenzeuge, der den Unfall beobachtet hatte, will kurz vor dem Aufprall noch die Worte „Allahu Akbar“ gehört haben.

Nach dem Unfall startete die Polizei einen Fahndungsaufruf. Daraufhin meldete sich der Pizzabote, der die Nummer des Fahrzeugs mit seinem Handy fotografiert hatte. In der Garage des Angeklagten entdeckte die Polizei tatsächlich den Mazda, an dem zahlreiche Spuren gefunden wurden. Der Rentner nahm erst am Ende der Verhandlung ausführlich Stellung zu dem Unfall. „Es tut mit leid, dass wegen mir jemand zu Tode gekommen ist“, sagte der Witwer. Er habe zwar ein Hindernis auf der Straße erkannt, hielt es aber für einen Karton. Den Fahndungsaufruf der Polizei habe er in den darauffolgenden Tagen nicht gelesen, da er sich zu dieser Zeit um seine todkranke Frau gekümmert habe. „Sechs Wochen später ist sie gestorben“, berichtete der Angeklagte.

Der Staatsanwalt forderte schließlich, den Mann wegen „unerlaubter Entfernung vom Unfallort“ zu einer Geldstrafe von 210 Tagessätzen zu je 150 Euro zu verurteilen. Richter Helmut Berger reduzierte die Tagessatzhöhe auf 180, sodass der Rentner nun 27.000 Euro zu zahlen hat. Zudem darf er seinen bereits vor einem Jahr eingezogenen Führerschein erst in drei Monaten wieder erwerben.

Unfallopfer zu spät erkennbar gewesen

„Wir waren nah dran an der fahrlässigen Tötung“, betonte Berger. Der Vorwurf konnte aufgrund der Gutachten von zwei Sachverständigen nicht erhoben werden: Das dunkel gekleidete Unfallopfer sei an der schwach beleuchteten B11 für den Fahrer viel zu spät erkennbar gewesen: ein Ausweichmanöver war kaum möglich gewesen. Peter Herrmann

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