Bayerische Filmstars zum Anfassen

„Ausgeriss’n“-Filmteam zu Gast in Wolfratshausen

Mussten am Merchandising-Stand fleißig Autogramme geben: Julian (l.) und Thomas Wittmann.
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Mussten am Merchandising-Stand fleißig Autogramme geben: Julian (l.) und Thomas Wittmann.

Wolfratshausen – Wer jüngst ins Wolfratshauser Kino gegangen ist, hatte keine schlechte Wahl getroffen. Der Film „Augeriss‘n“ war nicht weniger unterhaltsam als das Finale der Bayern.

Mitte August lief bundesweit ein dokumentarischer Reisespielfilm an, der vor allem in bayerischen Städten viele Besucher anlockt. Auch in Wolfratshausen im Kino an der Bahnhofstraße machten die Protagonisten von „Ausgeriss’n“ Station.

In dem Film machen die beiden Brüder Julian und Thomas Wittmann ihren Traum wahr: Nämlich mit zwei alten Zündapp-Mopeds ihrem Alltag im bayerischen Dorf zu entfliehen und in Lederhosen rund 12.000 Kilometer bis nach Las Vegas in Amerika zurückzulegen. Bei einem Besuch im Wolfratshauser Kino wurden die beiden nun begeistert empfangen.

Aufgrund der Corona-Vorschriften durften die Betreiberinnen Gudrun Heigl und Cornelia John nur jeweils 30 Besucher in die beiden Kinosäle hineinlassen. Etwa die Hälfte folgte der Aufforderung, im Dirndl oder in Lederhosen zu kommen. Dafür gab es wie zuvor versprochen Freibier an der Kinokasse. Mit großem Interesse folgte auch die Belegschaft des Wolfratshauser Unternehmens „Motorrad Herold“ den Film. Witzige Idee: Sie spendierten den Brüdern Wittmann unter anderem ein Kettenspray, Zündkerzen und Zündapp-Ersatzschilder. Denn während ihrer abenteuerlichen Reise hatten die Darsteller gleich mit mehreren Pannen zu kämpfen.

Begegnung mit Drogenhändlern, Waffennarren und dem Ku-Klux-Klan

Der Film „Ausgeriss’n! In der Lederhos’n nach Las Vegas“ ist im Wolfratshauser Kino montags, dienstags und freitags, jeweils um 20 Uhr, zu sehen. Samstag und Sonntag, 17.30 und 20 Uhr. Kartenreservierungen unter Telefon 08171/21105.

Und nicht nur das: Sie lernten so viele Menschen und Landschaften kennen, dass rund 500 Stunden Filmmaterial entstanden sind. „Es war nicht einfach, das Ganze auf 96 Minuten zusammen zu schneiden“, berichtete Regisseur Julian Wittmann. Zudem mussten ihre Gesprächspartner Datenschutzerklärungen unterschreiben. Dass dies sogar mitunter kriminelle Drogenhändler und Waffennarren taten, mag verwundern. „Oft wurde uns erst später bewusst, mit wem wir es da zu tun hatten“, sagte Herstellungsleiter Thomas Wittmann. So erschienen beim nachträglichen Recherchieren einige Personen auf Fahndungslisten der Polizei oder auf Seiten des rassistischen Ku-Klux-Klans.

Dennoch kommen die beiden Brüder während des ganzen Films ohne erhobenen moralischen Zeigefinger aus. Die teilweise mit Drohnen aufgenommenen Bilder sprechen ohnehin für sich und manch Sonderling entlarvt sich selbst durch seine sinnfreien Sprüche. Zum Erfolg des Films tragen nicht zuletzt die authentischen wirkenden Nebendarsteller bei.

Champions-League-Finale verdirbt nicht den Filmgenuss

Stephanie Liebl, Winfried Frey und Arnd Schimkat begleiteten die Wittmann-Brüder gemeinsam mit Andrea Hailer von der Filmagentur „Soulkino“ in einem schwarzen Kleinbus nach Wolfratshausen. Dabei trugen Liebl und die beiden Hauptprotagonisten ein Trikot des frischgebackenen Champions-League-Siegers FC Bayern München, der während der Filmvorführung noch in Lissabon um den Henkelpott kämpfte. Den Darstellerbesuch in Wolfratshausen wegen der Live-Übertragung eines Fußballspiels abzusagen, kam aber für keinen infrage.

Hailer zollte abschließend den unermüdlichen Kinobetreiberinnen Respekt. „Ihr seid so eine großartige Familie, die Unterstützung und bei jeder Filmvorführung viele Besucher verdient“, wünschte sie sich. Schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie zeigte sich, dass regionale Produktionen vom Wolfratshauser Publikum besonders gut angenommen werden. Peter Herrmann

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