Rückkehr aus dem Asyl

Vor 29 Jahren umgestürzte Brückenmadonna thront wieder über der Isar

Claudia Sommer (r.) begleitete den Festakt musikalisch.
+
Einweihung der Marienstatue auf der Isarbrücke.

Wolfratshausen/Egling – 1990 erregte eine von dem Künstler Anton Ferstl angefertigte Marienstatue Aufsehen - zu freizügig. Dann verschwand sie fast 30 Jahre. Jetzt ist die Brunnenmadonna wieder am alten Platz.

„Jetzt hat die Marienbrücke ihren Namen noch intensiver dargelegt“, freute sich Hubert Oberhauser. Der Eglinger Bürgermeister nahm zusammen mit Angehörigen des 2011 verstorbenen Künstlers Anton Ferstl, Martin Herda vom Staatlichen Bauamt Weilheim, Wolfratshausens Vize Bürgermeister Günther Eibl, dem evangelischen Pfarrer Florian Gruber, der Sängerin Claudia Sommer und Rolf Merten an einem kurzen Festakt auf der Brücke teil.

Enthüllten die Statue: Wolfratshausens Vize-Bürgermeister Günther Eibl (l.) und der der Eglinger Bürgermeister Hubert Oberhauser.

Merten, ehemaliger Geschäftsführer der „Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe“, hat die Umsetzung der Marienstatue maßgeblich beschleunigt. Denn er ließ vor einigen Monaten eine etwa 23 Zentimeter hohe Miniaturversion der „Maria mit Kind“ anfertigen. Über Zeitungsberichte erfuhr das Straßenbauamt die Hintergrundgeschichte der Statue und handelte schnell.

Hoffen wir, dass die Toleranz in Oberbayern so stabil geworden ist, dass sich Vorkommnisse wie vor 30 Jahren nicht wiederholen werden

Rolf Merten
Die Brückenmadonna sitzt wieder auf ihren alten Platz.

„Uns war sofort klar, dass die Statue an ihren Platz zurückkehren muss“, sagte Herda. So wurde die Skulptur Ende August zunächst von ihrem „Exilplatz“ am Isarufer abmontiert und gereinigt. Einen Tag vor der Enthüllung befestigte sie die Sachsenkamer Firma Josef Baumgartner auf der Isarbrücke an der Staatsstraße zwischen Egling und Wolfratshausen.

„Es ist eine moderne Darstellung: Maria ist die Brücke zwischen Gott und den Menschen“, lobte Pfarrer Florian Gruber. In mehreren Fürbitten sprach er die Hoffnung aus, dass die Statue nun keine Aggressivität mehr bei den Menschen auslöst. Merten gab ihm Recht. „Hoffen wir, dass die Toleranz in Oberbayern so stabil geworden ist, dass sich Vorkommnisse wie vor 30 Jahren nicht wiederholen werden“, betonte er und lobte ausdrücklich den modernen Ansatz des Künstlers. „Die Brückenmadonna symbolisiert eine selbstbewusste, liebende junge Frau mit ihrem Kind in der heutigen Zeit“, erklärte er. Peter Herrmann

Die Geschichte der „Maria im Minirock“

Als krönender Abschluss der Sanierung der Isarbrücke sollte 1990 auf deren Mitte eine Marienfigur mit Kind aufgestellt werden. Den Auftrag übernahm der Penzberger Bildhauer Anton Ferstl. Dessen moderne Skulptur zeigt Maria als junges Mädchen im Minikleid, ihr Kind hält sie lässig mit einer Hand fest. Nach der am 19. Dezember 1990 im Beisein des damaligen bayerischen Innenministers Edmund Stoiber erfolgten Aufstellung und der Weihe der Skulptur kam es zu massiven Protesten. Vor allem Sympathisanten des erzkonservativen Freundeskreises Maria Goretti beschimpften den Künstler. Obwohl selbst das erzbischöfliche Ordinariat an der Darstellung nichts auszusetzen hatte, bezeichneten Kritiker Ferstls Maria als „Dirne“ oder „Strandmieze“. Es folgten Unterschriftensammlungen, Kundgebungen, Sühnegottesdienste, eine Beschmierung mit Ölfarbe und schließlich der „Brückensturz“: In der Nacht zum 25. Juni 1991 rissen Unbekannte die Figur aus ihrer Verankerung und warfen sie in den Fluss. Nach der Bergung gelang es Ferstl zwar, die Brückenmadonna zu restaurieren. Doch der Aufstellungsort blieb umstritten. In Absprache mit dem in Wolfratshausen lebenden damaligen Innenminister Edmund Stoiber wurde beschlossen, die Madonna am Isarufer so zu postieren, dass sie für Autofahrer, Radfahrer und Passanten von der Brücke aus kaum noch zu erkennen war. Dort blieb sie vom Juni 1992 bis zu ihrem Umzug im Spätsommer 2020 stehen. ph

Auch interessant

Kommentare