Wolfratshausen erwägt Einrichtung einer Treuhandstiftung

Rendite von und für die Bürger

Wolfratshausen überlegt die Einrichtung einer Treuhandstiftung. Die Sparkasse soll das Geld verwalten.

Wolfratshausen – Soziale Projekte unterstützen, Ausstellungen oder Sportfeste organisieren, bedürftigen Menschen helfen – die Liste kann beliebig fortgesetzt werden. Nun überlegt die Flößerstadt die Einrichtung einer Treuhandstiftung.

All das kostet Geld. Geld, das viele Kommunen nicht haben. Auch in Wolfratshausen ist die Lage nicht anders, die Stadt kann viele Wünsche ihrer Bürger und Vereine nur nach Haushaltslage erfüllen. Mit einer Treuhandstiftung, in der auch die Nachlässe an die Stadt einfließen, könnte das bald anders aussehen. Anton Ortlieb von der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen schilderte jüngst vor dem Haupt- und Finanzausschuss, wie eine kommunale Stiftung unter dem Dach der Stiftungsgemeinschaft des Tölzer Geldinstituts funktioniert und welche Vorteile die Stadt davon haben könnte. Voraussetzung für eine Treuhandstiftung – so heißt das Modell, das von der Sparkasse verwaltet wird – ist ein Grundkapital von 25.000 Euro. Dieses Geld wird von der Sparkasse gewinnbringend angelegt, dazu kommt ein Gründungszuschuss der Bank in Höhe von 20 Prozent (maximal 5.000 Euro). Mit in diese Treuhandstiftung fließen als Sondereinlagen aus dem Nachlass Wallner, das Vermögen aus dem Franz-Geiger-Fonds, das Erbe von Erika Ottl und der Betrag des ehemaligen Schwimmbadvereins ein. Mit diesem Betrag von rund einer halben Million Euro, übrigens ohne dass die Hinterlassenschaften an die Stadt ihren festgeschrieben Zweck verlieren, werden dann jährlich die Zinserträge erwirtschaftet. Und: Mit Kapitaleinlagen, Zustiftungen, kann der Betrag erhöht werden. „Sie haben den Vorteil, dass Sie diese Kommunalstiftung (Dachstiftung) auch bewerben können“, schilderte Ortlieb weiter. So könnte Bürgermeister Helmut Forster (Bürgervereinigung) beispielsweise auf den jährlichen Bürgerversammlungen über die Stiftung informieren und so „Spenden generieren“, so der Bankmanager, der selbst im Stiftungsvorstand sitzt. Vorteil Nummer zwei: Neben einem besseren Ertrag durch höhere Einlagen würde das Geld so in der Stadt verbleiben. Ortlieb nannte ein Beispiel aus aus seiner Heimatgemeinde, in der eine vermögende Dame ihren Nachlass nach ihrem Tod drei verschiedenen Stiftungen vermachte – „alle drei sind außerhalb der Region“. Die Gründungskosten würden sich für die Stadt auf rund 1.800 Euro belaufen, rechnete Kämmerer Roland Zürnstein den Ausschussmitgliedern vor. Und für das erste Jahr würde die Sparkasse außerdem keine Verwaltungsgebühren erheben, ergänzte Ortlieb. Wie lassen sich Verwendungszwecke der Nachlässe in der Stiftung festlegen?, wollte Günther Eibl (CSU) wissen. „Mit geht es darum, dass wir in den Einstiegsmodalitäten alles richtig machen und nicht irgendwann dastehen und etwas nicht machen können, weil es nicht in den Stiftungszielen steht“, fasste Eibl zusammen. „In dem Sie möglichst viele Ziele aufnehmen, beziehungsweise den Stiftungszweck entsprechend benennen“, sagte Ortlieb. Als Beispiel nannte er das öffentliche Gesundheitswesen, das ein sehr weites Feld abdecke. An den Nachlasszweck von Erika Ottl erinnerte Grünen-Stadträtin Annette Heinloth: „Ich glaube nicht, dass Frau Ottl gewollt hat, dass das Geld arbeitet, sondern, dass man damit konkret Menschen hilft.“ Es gäbe in der Stadt genügend Projekte, die man jetzt und heute sofort unterstützen könne, ergänzte sie. Und Fritz Schnaller (SPD) blieb skeptisch bei der Zinsentwicklung und zweifelte auch an den Vorteilen einer Stiftung. „Der Verwendungszweck beim Erbe Wallner ist doch genau vorgegeben“, betonte Schnaller. Die „gute Idee des Zustiftens“ sollte die Stadt schon weiterverfolgen, versuchte Manfred Fleischer (CSU) die Skeptiker zu überzeugen. Er schlug deshalb vor, zwei Rechenarten auszuarbeiten: Einmal eine Stiftung, die lediglich mit der Einlage der Stadt und dem Gründungszuschuss der Sparkasse gespeist wird. Und eine in der die Nachlässe und Fonds mit aufgehen. Und genauso verabschiedete der Ausschuss das Prozedere einstimmig, um es dann in einer der nächsten Sitzungen dem Stadtrat vorzulegen. Oliver Puls

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