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Wolfratshausen: Grünen-Stadtrat Seibt wünscht sich sparsameren Energieverbrauch

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Von: Peter Herrmann

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Rudi Seibt
Rudi Seibt stellte mit dem Messgerät auf der Berggasse eine hohe Lichtbelastung fest. © Peter Herrmann

Wolfratshausen – Im Rahmen einer Fahrrad-Lichtrundfahrt durch das Stadtgebiet zeigte Grünen-Stadtrat Rudi Seibt auf, an welchen Stellen die Beleuchtung zu hell ist.

Dabei warnte er vor Gesundheitsrisiken für Menschen sowie vor der Gefährdung von Tieren. So hält Rudi Seibt die Beleuchtung am Marienplatz für übertrieben. „Nur 30 Prozent des Laternenlichts treffen die Kirche, der Rest geht daran vorbei“, meint der Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik.

Auch die Leuchtanlage über dem Zebrastreifen vor dem Rathaus strahle seiner Ansicht nach zu stark. Seibt lehrt seit 2015 als Gastdozent an der Fachschule Energie- & Umwelttechnik München und erhielt 2019 den deutschen E-Planer-Preis. Seit drei Jahren engagiert er sich für die „Paten der Nacht“. Die in Deutschland und Österreich aktiven 51 Mitglieder wollen Licht nur dort, wo es unbedingt gebraucht wird.

Anhand von mitgebrachten Grafiken erklärte Seibt den anfangs nur drei Teilnehmerinnen der Rundfahrt zunächst die Bedeutung von Lichtfarben, die gemeinsam mit Melatonin den Schlaf des Menschen beeinflussen. So kann beispielsweise ein blauer Lichtkeil die weiße Strahlung von LED-Lampen erheblich beeinträchtigen.

Wolfratshausen: Landesbund für Vogelschutz verwies auf die Gefährdung von Tieren hin

Susanne Moog vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) verwies in diesem Zusammenhang auf die Gefährdung von Tieren. So umkreisen Insekten und junge Vögel die Lichtquellen, bis ihre Energie verbraucht ist und werden so eine leichte Beute von Fressfeinden.

Kurz hinterm Schwankl-Eck schlossen sich einige Anwohner der Berggasse der Gruppe an. Das Lichtstärkemessgerät von Rudi Seibt stellte unter einer Laterne einen Wert von 19 Lux fest, an einem nahegelegenen Fenster waren es immerhin noch 3,5 Lux. „Das ist deutlich zu viel: 1 Lux würde ausreichen“, befand der Grünen-Stadtrat. Er empfahl den Anwohnern, sich bei der städtischen Klimaschutz- und Umweltmanagerin Vivian Horngacher zu melden.

Lichtmessung in Wolfratshausen ergab: viele Laternen sind zu hell

Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth und Stadträtin Jennifer Layton wiesen ausdrücklich auf die Einflussmöglichkeiten der Stadt hin. „Sie kann von den Bayernwerken verlangen, dass das Licht gedimmt wird“, sagte Heinloth.

Weitere Stationen der Lichtrundfahrten führten zur Sauerlacher Straße und Nebenstraßen. Vor dem Sparkassengebäude prangerte Seibt vor allem die Höhe der Lichtmasten an, die teilweise sogar die umliegenden Bäume überragen. „Eine Halbierung der Höhe würde genügen“, forderte er. Durch diese Maßnahme entstehe weniger Blendung und geringere Streuverluste in der Umgebung. In den etwas weiter östlichen gelegenen Nebenstraßen wurde das vom Bauausschuss beschlossene Lichtkonzept dagegen besser umgesetzt.

Wolfratshausen: Grünen-Stadtrat Seibt wünscht sich sparsameren Energieverbrauch

Auf der Haid ist die Straßenbeleuchtung unter einem großen Baum integriert. In der Auenstraße strahlen LED-Lampen, von denen einer jedoch die Glasfassung fehlt. Eine Spinne hat um das Gehäuse ihr Netz gespannt und hofft auf reichlich Beute umhertaumelnder Insekten. „Die seitliche Aufspreizung der LED-Lampen gewährleistet eine blendfreie Reichweite“, stellte Seibt zufrieden fest. Er appelliert dennoch an die Stadt und Privatpersonen, Licht nur zur Wegesicherheit und Orientierung zu nutzen. „Außenlicht zu dekorativen Zwecken sollte generell vermieden werden“, wünscht sich Seibt.

Größere Bodenflächen sollten deshalb lieber mit mehreren schwachen Lichtquellen statt einem einzigen sehr hellen Leuchtkörper bestrahlt werden. Dauerlicht sollte im Sommer wie Winter spätestens um 22 Uhr abgeschaltet werden. Die Sorge, dass bei Dunkelheit mehr Straftaten – wie beispielsweise Einbrüche – begangen werden, sei laut Seibt nicht nachweisbar. Auch die Verkehrssicherungspflicht sei mit geringer Beleuchtung gewährleistet.

Dass die bayerische Staatsregierung nach dem Artenschutz-Volksbegehren vor drei Jahren zwei Gesetze zur Vermeidung von Lichtverschmutzung erlassen hat, wertet Seibt als wichtigen Schritt. Dennoch gebe es auf kommunaler Ebene noch viel zu tun. Anträge bei Bürgerversammlungen oder im Stadtrat könnten die Situation verändern.

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