Vorwürfe gegen Urban erhärten sich

Grünen-Landtagsabgeordneter soll Unfall mit Google-Fahrzeug inszeniert haben

Echt oder vorgetäuscht: die Beweisbilder von Hans Urban vor dem Google-Street-View Auto.
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Echt oder vorgetäuscht: die Beweisbilder von Hans Urban vor dem Google-Street-View Auto.

Eurasburg/Wolfratshausen – Vor einem Jahr erstattete Hans Urban Anzeige gegen einen 25-jährigen Autofahrer, der ihn auf seinem Bauernhof in Oberherrnhausen mit einem „Google Street View“-Pkw umgefahren haben soll.

Nun kam der vom Amtsgericht Wolfratshausen beauftragte Sachverständige Prof. Dr. Jochen Buck zu dem Ergebnis, dass der Landtagsabgeordnete der Grünen den vermeintlichen Unfall vorgetäuscht hat.

Wegen Nötigung angeklagt: Der Bayerische Landtag hob die Immunität von Hans Urban auf.

Buck ist Direktor des Instituts für forensisches Sachverständigenwesen sowie von der Regierung von Oberbayern bestellter und vereidigter Gutachter für Verletzungsmechanik. Er untersuchte die zur Beweisaufnahme vorgelegten Videos, die der Fahrer mit der Dachkamera des „Google Street View“-Autos und seinem Smartphone am 14. Oktober 2019 aufgenommen hatte. Buck erkannte dabei kein Verschulden des Autofahrers. Im Gegenteil: Er ist der Überzeugung, dass Urban die Sturzszenarien selbst eingeleitet hat und von einem willentlichen In-sich Zusammensacken des Angeklagten auszugehen ist.

Wie berichtet, hatte der Autofahrer den Grünen-Landtagsabgeordneten wegen Nötigung angezeigt. Die Staatsanwaltschaft München II nahm daraufhin die Ermittlungen auf und kam zu dem Schluss, dass Urban die Körperverletzung erfunden habe. Nachdem der Bayerische Landtag die Immunität des Abgeordneten aufhob, verhängte das Amtsgericht einen Strafbefehl. Demnach soll der 42-Jährige 70 Tagessätze zu je 150 Euro – insgesamt 10.500 Euro – zahlen. Die Ermittlungen gegen den Autofahrer, den Urban wegen Körperverletzung angezeigt hatte, wurden dagegen von der Staatsanwaltschaft München II eingestellt.

Urban beauftragte daraufhin seinen Rechtsanwalt Andreas Hofreiter, Einspruch gegen den Strafbefehl einzulegen. Mithilfe eines biometrischen Gutachtens sollte bewiesen werden, dass Urban infolge eines Aufpralls mit dem „Google View“-Auto gestürzt ist und sich dabei eine Daumenverletzung zuzog. Nach den nun vorliegenden Erkenntnissen hat das Amtsgericht eine zweiwöchige Frist für Urban und seinen Anwalt gesetzt. Beide müssen in diesem Zeitraum das 120-seitige Gutachten prüfen und entscheiden, welche weiteren Schritte sie einleiten. „Wenn der Rechtsanwalt von Urban seinen Einspruch aufrechterhält, muss eine Verhandlung stattfinden“, stellte der Wolfratshauser Richter Helmut Berger auf Nachfrage des Gelben Blatts klar. Peter Herrmann

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