Isar-Kaufhaus bleibt unvergessen

Historischer Verein erinnert am Tag des offenen Denkmals an Geschichte der Ruine

Dr. Sybille Krafft im Interview mit Isar-Kaufhaus-Gründer Otto-Ernst Holthaus.
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Zeitzeuge: Dr. Sybille Krafft im Interview mit Isar-Kaufhaus-Gründer Otto-Ernst Holthaus.

Wolfratshausen – Vor acht Jahren musste das Isar-Kaufhaus am Untermarkt aufgegeben werden. Heute steht dort eine Bauruine, an deren Geschichte der Historische Verein am Tag des offenen Denkmals erinnerte.

Entlang der Außenwand des Bürgerbüros hingen unzählige Schwarz-Weiß-Fotos, die an die bewegte Geschichte des vor acht Jahren geschlossenen Isar-Kaufhauses am Untermarkt erinnerten. Zusammengestellt haben sie Gründer Otto-Ernst Holthaus und sein Sohn Frederik, der die Geretsrieder Filiale führt. Beide waren Gast von drei Veranstaltungen, zu denen der Historische Verein anlässlich des Tages des offenen Denkmals eingeladen hatte.

„Der heutige Spatenstich fällt aus, wir rufen jetzt das Jahr des offenen Denkmals aus“, gab sich Ludwig Gollwitzer trotzig. Der ehemalige Wolfratshauser Kulturrerefent und Mitbegründer der Loisachtaler Bauernbühne war zusammen mit Annekatrin Schulz in Bauarbeiterkluft erschienen. Die beiden Vorstandsmitglieder des Historischen Vereins kamen jedoch nicht, um Steine umzudrehen.

Rückblick ins Jahr 1633

In amüsanten Redebeiträgen blickten sie etwa auf das Jahr 1633 zurück. Zu dieser Zeit wurde am Untermarkt 7 das Gebäude, in dem 333 Jahre später das Isar-Kaufhaus seine Pforten öffnete, erstmals urkundlich als Haus eines Lebkuchenbäckers erwähnt. Fortan diente der Bau als Getreidestadel, Schlachthaus und Landgerichtsapotheke. Nebenan waren Brauerei und Knabenschule untergebracht. Schulz und Gollwitzer erinnerten zudem an die Geschichte des Seifensiederhauses. Bevor das Isar-Kaufhaus dort 1983 seine erweiterten Räumlichkeiten eröffnete stand dort während des Zweiten Weltkrieges ein Lazarett.

An der Außenwand des Bürgerbüro erinnerten Bilder und Zeitungsausschnitte an die Blütezeit des Isar-Kaufhauses.

Isar-Kaufhaus-Chef bereut Schließung

Nach dieser geschichtlichen Einführung befragte Dr. Sybille Krafft, Vorsitzende des Historischen Vereins, Otto-Ernst Holthaus und seinen Sohn Frederik. Letzterer bedauerte seine Entscheidung, den Standort Wolfratshausen aufgegeben haben. „Wir mussten schließen, weil wir uns die hohe Miete nicht mehr leisten konnten“, so der Isar-Kaufhaus-Geschäftsführer. Nun hofft Holthaus, dass das neue Gebäude mit modernen Geschäfts- und Wohneinheiten in spätestens zehn Jahren steht. „Die Ruine ist ein trauriger Anblick, der hoffentlich bald verschwindet.“

In einer Vorführung des von dem Ickinger Regisseur Rüdiger Lorenz gedrehten Dokumentarfilms „50 Jahre Isar-Kaufhaus“ kamen ehemalige Mitarbeiterinnen wie Elfriede Rupp zu Wort. Die 89-Jährige war 1966 bei der Eröffnung dabei. „Als ich das Isar-Kaufhaus zum ersten Mal gesehen habe, war es eine Ruine und jetzt ist es wieder eine“, sagte sie.

Zur Blütezeit: 800 Besucher am Tag

Der gleichaltrige Otto Ernst-Holthaus, der 1966 einen Kredit in Höhe von einer Million Euro aufnehmen musste, blickte wehmütig auf die Blütezeit des Kaufhauses zurück. So kamen in den 1970er- und 1980er-Jahren rund 800 Kunden am Tag. „Das war eine glückliche Zeit, die wir alle vermissen.“

An der Außenwand des Bürgerbüro erinnerten Bilder und Zeitungsausschnitte an die Blütezeit des Isar-Kaufhauses.

Krafft zeigte sich nach den drei Veranstaltungsblöcken, die insgesamt 100 Menschen besuchten, zufrieden. So waren die Exemplare des für zehn Euro erhältlichen Films „50 Jahre Isar-Kaufhaus“ rasch ausverkauft. Zudem spendeten Besucher für die Durchführung der kostenfreien Veranstaltung. Peter Herrmann

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