Aus für Weidach-Millionenprojekt

Wolfratshausen: Realisierung der Surfwelle scheitert an erneuter Kostenexplosion

Eine künstliche Surfwelle - die Floßlände im Münchner Stadtteil Thalkirchen
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Eine künstliche Surfwelle wie die Floßlände im Münchner Stadtteil Thalkirchen wird es in Wolfratshausen nun nicht geben.
  • VonPeter Herrmann
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Wolfratshausen – Aus für die Weidach-Surfwelle: Das Millionenprojekt scheiterte an erneuter Kostenexplosion.

Vor knapp neun Jahren stellten die beiden Surfer Stefanie und Marcus Kastner gemeinsam mit Tourismusmanagerin Gisela Gleißl erstmals die Idee vor, im Stadtteil Weidach eine künstliche Surfwelle zu errichten. Die stetige Steigerung der Kostenschätzungen führten zu langwierigen Diskussionen im Stadtrat – der nun endgültig die Reißleine zog.

Im Dezember 2021 beschloss der Stadtrat noch, dass der Verein „Surfing Wolfratshausen“ die Mehrkosten für die Stahlkonstruktion übernimmt. Die Stadt wollte die fälligen 172.000 Euro zunächst als Darlehen vorstrecken. Doch damals gingen die Planer von Kosten in Höhe von 968.659,42 Euro aus. Für die stählerne Wellenkonstruktion wurden zusätzlich 225.000 Euro veranschlagt.

Diese Zahlen korrigierte das Planungsbüro der Kölner Firma „Dreamwave“ am 31. Januar drastisch nach oben. Demnach müsse insgesamt mit 1,4 Millionen Euro gerechnet werden. Die jährlichen Wartungskosten der Stadt erhöhen sich von 5.000 auf 8.500 Euro.

Schock für Verein

Selbst für Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen), der das ambitionierte Projekt jahrelang befürwortet hatte, ist dies zu viel. „Das ist nicht nur ein Schock für mich und die Verwaltung, sondern auch für den Verein“, erklärte er. Sein Vertrauen in das Planungsbüro tendiere „gegen Null“.

Der jetzigen Kostensteigerung könne er nicht mehr zustimmen. Zweiter Bürgermeister Günter Eibl (CSU) kritisierte die Planer ebenfalls scharf und verwies darauf, dass die erste Schätzung aus dem Jahr 2013 bei etwa 100.000 Euro lag. „Nun haben wir eine 14-fache Kostensteigerung: Das schafft nicht mal die Bundesbahn“, bilanzierte er.

Zudem fehle noch die Ausschreibung, sodass mit weiteren Erhöhungen zu rechnen sei. Dritte Bürgermeistern Annette Heinloth (Grüne) räumte ein, dass ihre Fraktion die Realisierung der Surfwelle immer unterstützt hat, eine Fortführung des Projekts aber nun „nicht mehr vertretbar“ sei.

Nicht mit Vorgaben vereinbar

Sie dankte dem Verein „Surfing Wolfratshausen“, der dank Spenden und Crowdfunding-Aktionen etwa 125.000 Euro gesammelt hatte. 271.000 Euro sollten aus dem europäischen Leader-Förderprogramm fließen. Die neue Kostenschätzung sei laut Bürgermeister Heilinglechner mit den Fördervorgaben aber nicht vereinbar.

Fritz Schnaller (SPD) und Helmut Forster (Wolfratshauser Liste) gaben zu bedenken, dass der Bau von Nebenanlagen und Parkplätze zu einer weiteren Verteuerung auf nahezu 2 Millionen Euro führen könnte. Dr. Patrick Lechner (FDP) bezeichnete die Planung als „unseriös“.

Dagegen zeigte sich Bürgervereinigung-Fraktionssprecher Josef Praller sprachlos: „Mir fehlen die Worte: Wie kann man so ein Projekt versenken?“, fragte er in die Runde. Am Ende stimmten alle 23 anwesenden Stadträte für eine sofortige Beendigung des Projekts.

Für die Wolfratshauser Surfer ist damit ein Traum zerbrochen. „Ich kann die Entscheidung des Stadtrats angesichts der jüngsten Entwicklungen nachvollziehen“, räumte Stefanie Kastner nach der Entscheidung ein.

Umsonst sei das Engagement aber nicht gewesen, da sie seit 2013 viele begeisterungsfähige Menschen kennengelernt habe: „Wir haben ja für ein bisschen Bewegung in der Stadt gesorgt“, bemerkte sie. Peter Herrmann

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