100 Stunden bis zum Glanz

Kolpingfamilie überreicht traditionelle Zunftstange an Stadt

Zunftstange Wolfratshausen
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Bürgermeister Klaus Heilinglechner (l.) nahm die restaurierte Weber-Zunftstange von Restaurator Christian Wiegerling und dem Vorsitzende der Wolfratshauser Kolpingfamilie Sebastian Rid (r.) entgegen.

Wolfratshausen - Restaurator Christian Wiegerling polierte eine alte Zunftstanga auf Vordermann. Dafür investierte der Restaurator 100 Arbeitsstunden.

Mit ihren aufwändig gestalteten Zunftstangen sorgte die Kolpingfamilie bereits bei Fronleichnams- und Johannifloßprozessionen oder beim traditionellen Trachten- und Schützenumzug während des Münchner Oktoberfestes für Aufsehen. Nun übergaben Restaurator Christian Wiegerling und Kolping-Ortsvorsitzender Sebastian Rid ein weiteres prachtvolles Exemplar an Bürgermeister Klaus Heilinglechner.

Einst stieß Kolping-Vize-Ortsvorsitzender Franz Holzheu im Dachboden sowie in den Abstellräumen der St.-Andreas-Kirche auf Zunftstangen. „Sie waren in erbärmlichen Zustand“, erinnert sich Christian Wiegerling. Der mittlerweile in Bad Tölz lebende Restaurator wollte das ändern und machte sich bereits 2009 an die Arbeit. Um die letzte der insgesamt 19 Zunftstangen wieder neuem Glanz erstrahlen zu lassen, hat er nach eigenen Angaben etwa 100 Arbeitsstunden benötigt. So galt es unter anderem, die Fassungen zu festigen, Ornamente neu zu schnitzen und die farbige Oberfläche zu retuschieren. „Da ich Knochen- und Hautleim verwendet habe, waren die Trocknungsphasen recht lang“, erklärte Wiegerling. Blickfang ist das Bildnis des heiligen Nikolaus am oberen Ende der Zunftstange. Die Heiligenfigur und das Zeichen der Zunft symbolisieren die Verbindung von kirchlichem und profanem Kulturgut. Jeder Berufsstand hatte zwei Zunftstangen. Verwendet haben sie Flößer, Maurer, Schneider, Schmiedehandwerker, Krämer, Metzger, Zimmerer, Brauer, Weber und Gerber. „Die älteste der 19 Zunftstangen stammt aus dem Jahr 1666“, weiß der Restaurator. Die Kolpingfamilie, die aus dem 1852 gegründeten Wolfratshauser Gesellenverein hervorging, sieht sich als Bewahrer der einstigen Handwerkszünfte. „Wir wollen das unbedingt fortführen“, unterstrich Sebastian Rid. Da die Stangen zum Teil aus organischem Material wie Kreide und verschiedenen Erden bestehen, empfahl sich die Lagerung in der Kirche. Dort stehen einige Exemplare aufgereiht hinter dem Altar. „Sie brauchen kalte Raumluft“, erklärte Wiegerling. An Weihnachten und Ostern stehen die Zunftstangen im Mittelgang der Kirche St. Andreas.

Bürgermeister Klaus Heilinglechner zeigte sich vom Engagement der Kolpingfamilie beeindruckt. „Der ideelle Wert der Zunftstangen steigt, wenn sie jemand restauriert und pflegt“, lobte er. Er dankte in diesem Zusammenhang auch dem Kolpingmitglied Franz Stammler, der die Verantwortung für die Bewahrung dieser Schmuckstücke übernommen hat. „Die Zunftstangen sind auch ein deutlich sichtbares Zeichen für den Zusammenhalt“, glaubt der Rathauschef. Weil im Sitzungssaal des Rathauses bereits zwei Exemplare stehen, trug er die nun überreichte Zunftstange stolz in sein Amtszimmer. Die für die Restaurierung der Zunftstangen notwendigen finanziellen Mittel sammelte die Kolpingsfamilie aus den Erlösen des Rosenmontagsballs, der Sommernachtsjohannifeier, Spenden und anderen Veranstaltungen. Christian Wiegerling übernahm die Kosten für die Wiederherstellung des neunzehnten Prunkstücks. Peter Herrmann

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