Klimanotstand ausgerufen

Wolfratshauser Grünen appellieren für radikales Umdenken

+
Vertrocknete Pflanzen sind nur ein Zeichen des Klimawandels: Die Wolfratshauser Grünen haben nun den Klimawandelnotstand ausgerufen. 

Wolfratshausen – Laut Sonderbericht des UN-Klimarates IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) bleiben der Menschheit nur noch elf Jahre Zeit, also bis 2030, die ganze Welt vor den verheerenden Auswirkungen einer Erdüberhitzung, um mehr als 1,5 Grad Celsius zu schützen. Diese Überhitzung beträgt heute schon 1,1°C gegenüber der vorindustriellen Zeit. Unter Berufung auf Artikel 20a des Grundgesetzes hat der Grünen-Ortsverband nun den Klimanotstand ausgerufen. Einher geht ein eindringlicher Appell zur rigorosen Eindämmung der Klimakrise.

„Der Staat schützt auch in Verantwortung für die zukünftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung“, heißt es im Grundgesetz, auf das sich der Grünen-Ortsverband nun beruft. Maßnahmen zur Eindämmung der Klimakrise und ihrer schwerwiegenden Folgen müssten ab sofort höchste Priorität haben. Die Ortsverbandsmitglieder, die Mandatsträger der Grünen auf allen Ebenen und die in Koalitionen mitregierenden Grünen-Fraktionen müssten deshalb alle zukünftigen Beschlüsse und Handlungen an dieser Aufgabe orientieren, so die Ortsverbandsprecher Justyna Czajka und Hans Schmidt. Die Klimakrise sei nach Überzeugung des überwältigenden Teils der Wissenschaft direkt gekoppelt mit der Zunahme von CO2 und anderen menschengemachten klimaschädlichen Gasen in der Atmosphäre. Zudem erlebe die Menschheit das größte Artensterben seit der Dinosaurierzeit. „All dies hängt zusammen mit der Art, wie wir wirtschaften“, so Czajka und Schmidt. Die auf Wachstum basierende Weltwirtschaft führe dazu, „dass wir 2018 schon am 1. August den ‚Weltüberlastungstag‘ erreicht haben“. Das Problem dabei: „Wir haben keinen Planeten B, wir müssen radikal umsteuern.“ Vor allem müsse man nun ehrlich sein und nicht unbequeme Fakten leugnen oder ignorieren. „Diese Radikalität ist alternativlos“, steht für die Grünen-Sprecher fest. 

Klimawandel: Wolfratshauser Grünen-Ortsverband richtet Antrag an alle Entscheidungsgremien der Partei

Konkret fordern die Wolfratshauser Grünen in einem Antrag an sämtliche Gremien der Partei eine umfassende Informationspolitik der Bevölkerung über den Klimawandel, seine Ursachen und Auswirkungen sowie über die Maßnahmen, welche gegen die Erdüberhitzung ergriffen werden. Auch für die Einhaltung des 1,5 Grad-Zieles müsse geworben werden. Zudem sollte sich der Staat mit Investments in Staaten und Unternehmen zurückziehen, die mit unethischem und klimaschädlichem Verhalten – etwa Kinderarbeit, Waffen, Kohle-, Öl-, Gasindustrie, Kernenergie – arbeiteten.

Weitere Punkte umfassen Freihandelsverträge, Rüstungs- und Militärpolitik, den Umbau der Wirtschaft von Gewinnmaximierung für Anleger auf Gemeinwohlorientiertheit mitsamt konsequentem Recycling oder eine Technikfolgenabschätzung für neue Technologien (wie Gentechnik, Informationstechnik, Mobilfunk, Robotik).

Bei der Klimapolitik wird die vollständige Abkehr der Subventionen für fossile Energieträger bis 2025 gefordert, ferner schärfere Grenzwerte für Luftschadstoffe, eine sozial gerecht gestaltete CO2-Bepreisung sowie eine Förderung privater und gewerblicher Vorhaben im Bereich Strom- und Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien.

In Sachen „Mobilität“ wollen die Grünen ab 2025 keine Neuzulassungen mehr für Kraftfahrzeuge, die CO2 ausstoßen, zulassen. Dafür soll es „massive Infrastrukturelle Verbesserungen“ beim Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs geben – vom günstigen Fahrpreis bis hin zur Förderung CO2-freier Mobilität.

Die Landwirtschaft soll auf ökologischen Landbau ausgerichtet und Subventionen an Aktivitäten gekoppelt werden, die Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit erhöhen. Gleichzeit wollen die Grünen eine Förderung lokaler Genossenschaften und regionaler Erzeugermärkte.

Im Spektrum „Bauen und Sanieren“ müssten private und öffentliche Bauvorhaben den Standard KfW Effizienzhaus 40 Plus erfüllen, besser noch Passivenergiehaus- oder Plusenergiehaus-Standard. „Private und öffentliche energetische Sanierungen müssen mindestens den Standard KfW Effizienzhaus 40 erfüllen“, erklären Ortsverbandsprecher Justyna Czajka und Hans Schmidt. Und pro Jahr sollten fünf Prozent der Bestandsgebäude energetisch saniert werden.

Die beiden verweisen auf den CO2-Fußabdruck von Deitschland, der nämlich rund fünfmal so hoch sei wie der für die Erde. „Wo bleibt da noch Platz für Wirtschaftswachstum?“, fragen sie und empfehlen: „Verbrauch in allen Bereichen verringern und unser Wohlbefinden nicht mehr vom materiellen Wachstum abhängig machen.“ Die Zukunft und der Fortbestand der Menschheit stehe auf dem Spiel. „Wir müssen jetzt handeln – auf kommunaler Ebene, Landesebene, Bundesebene und internationaler Ebene“, sagt das Sprecherduo Czajka/Schmidt. Der Antrag soll nun an sämtliche Gremien der Grünen geschickt werden. tka

Auch interessant

Meistgelesen

Platzwunden, Prellungen und zwei Abstürze
Platzwunden, Prellungen und zwei Abstürze
Einrichtungshaus bietet auf 3.000 Quadratmeter edle Auswahl
Einrichtungshaus bietet auf 3.000 Quadratmeter edle Auswahl
Staatsminister Bernd Sibler zeigt sich beeindruckt vom Erinnerungsort
Staatsminister Bernd Sibler zeigt sich beeindruckt vom Erinnerungsort
Landwirtschaft soll durch einen Verband gepflegt und gefördert werden
Landwirtschaft soll durch einen Verband gepflegt und gefördert werden

Kommentare