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Sachsenkam: Beim Fest der wolligen Tiere zeigt sich, die Aufzucht ist mehr als ein Hobby

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Preisrichter Werner Schauer und Barbara Krinner mit dem weißen Bergschaf „Prinzessin“
Bei der Prämierung achtet Preisrichter Werner Schauer auch auf die Feinheit der Wolle. Hier untersucht er das weiße Bergschaf „Prinzessin“ von Barbara Krinner aus Gaißach. © Patrick Staar

Sachsenkam – Jüngst lud der Schafhalterverein Bad Tölz-Wolfratshausen zum Schaffest mit Prämierung am Kloster Reutberg ein. Damit die Huftiere auf dem Siegertreppchen landen, muss einiges beachtet werden.

Barbara Krinner aus Gaißach ist stolze Besitzerin von zwölf Schafen, zu denen sie eine ganz besondere Verbindung hat: „Schafe sind wie eine Sucht“, sagt die 58-Jährige schmunzelnd. Mit ihrem Vorzeige-Tier, der „Prinzessin“ belegte sie vor Kurzem bei der Schaf-Prämierung am Kloster Reutberg den dritten Platz. Zudem wurde die „Prinzessin“ dritte Wollsiegerin.“ Ihre Enkelin erreichte mit ihrer „Gerti“ Platz zwei bei den Jungzüchtern.

Fasziniert hätten Schafe Krinner schon immer, sagt sie über sich selbst. Als sie auf einen Hof mit fünf Kühen einheiratete, kaufte sie noch zwei Schafe dazu. Dann sind es immer mehr geworden. Nach 25 Jahren kann sich die Gaißacherin ein Leben ohne Schafe nicht mehr vorstellen. Mit ihren Tieren habe sie schon viele schöne Momente erlebt, etwa wenn Lämmer geboren wurden.

Die Aufzucht der Schafe sei mehr als ein Hobby

Finanziell lohne sich das Hobby nicht. Geld verdienen könne man allenfalls mit dem Fleisch, an dem nur ihr Mann Interesse hat – Barbara Krinner ist Vegetarierin, ihr Mann Metzger. Die Wolle sei dagegen quasi wertlos, der Erlös reiche allenfalls aus, um den Schaf-Scherer zu finanzieren. Möglicherweise komme in den Markt Bewegung, da Bio-Holzpeletts mit Schafwolle für den Garten zunehmend in Mode kommen.

Dies bestätigt der Otterfinger Schafzüchter Ludwig Bauer: „Am Schaf ist nichts verdient, eher zahlt man drauf.“ Viele Menschen würden nicht verstehen, warum er diese Tiere halte, sagt der gelernte Maschinenbauer: „Sie waren einfach ein schöner Ausgleich, wenn ich mich in der Arbeit geärgert habe.“ Auch als Rentner möchte er nicht auf die Tiere verzichten.

Der Kauf seiner ersten Schafe sei nur ein „Jux gewesen: „Es gab da neben dem Fußballplatz eine Wiese. Und da hab’ ich zu meinem Fußball-Spezl gesagt, dass wir doch Schafe kaufen könnten.“ Gesagt getan. 40 Jahre später besitzt Bauer noch immer die seltenen weißen Bergschafe, die es ihm besonders angetan haben. „Solange ich’s machen kann, mach ich’s“, sagt der 70-Jährige.

Bei einer Schafprämierung zählen: Feinheit der Wolle, Muskeln und Erscheinungsbild der Tiere

Barbara Krinner denkt nicht ans Aufhören. Sie hofft vielmehr, dass sie ihre Begeisterung für die Tiere an ihre Enkel weitergeben kann, „denn das ist ein wunderschönes Hobby“. Auf Urlaubsreisen zu verzichten, fällt ihr nicht schwer: „Wir leben in einer derart schönen Gegend, dass es mich nicht wegzieht. Ich mag höchstens auf einen Berg hochgehen – wo Schafe sind.“

Werner Schauer kann diese Begeisterung gut nachvollziehen. Er ist seit 25 Jahren staatlich geprüfter Preisrichter für Schafe und reist in dieser Funktion durch ganz Bayern. Am 2. Oktober ist er in Tegernsee und eine Woche später im Allgäu. „Man hat ja sonst nichts zu tun“, sagt der Bad Kohlgruber schmunzelnd. „Man redet da den ganzen Tag über Schafe – da gehört schon Idealismus dazu.“

Bei einer Schafprämierung achtete er ganz genau auf die Feinheit der Wolle, die Muskeln und das äußere Erscheinungsbild der Tiere. Der Rücken sollte möglichst waagrecht sein, die Nase gebogen und an den Augenlidern sollten keine braunen Pigmente zu sehen sein. 21 Punkte sind nötig, um die Wertklasse eins zu erreichen. Die Zahl der Tiere sei am Reutberg „nicht so groß“ gewesen, sagt Schauer: „Aber die Qualität war sehr gut.“ Patrick Staar

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