Die Würde würdigen

Brigitte Bürkel und Verena Peck erinnern an Geburtstag des Grundgesetzes

+
Brigitte Bürkel und Verena Peck wollen, dass sich möglichst viele Bürger am Samstag mit dem Grundgesetz auseinandersetzen und sich Gedanken darüber machen, was für sie an der Verfassung positiv ist.

Bad Tölz – Vor einem Jahr folgten hunderte dem Aufruf von Brigitte Bürkel, Verena Peck und Jeanette Stahlberg – um mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion auf den 70. Geburtstag des Grundgesetzes hinzuweisen. Aus der Neuauflage am heutigen Samstag, 23. Mai, wird nur leider nichts. Nicht, weil die Aktion nicht erlaubt worden wäre, sondern weil die Organisatorinnen eine unfreiwillige Verknüpfung mit den „Grundrechte“-Demonstrationen fürchten, die im Zuge der Kritik an den Corona-Auflagen vielerorts stattfinden.

Das Problem ist schnell erklärt: Auch die Gegner der Corona-Maßnahmen gehen für die Wahrung der Grundrechte auf die Straße. Nur allzu oft auch aus anderen Motiven, vorrangig gegen die Masken- und Impfpflicht oder auch um Verschwörungstheorien zur Verbreitung des Corona-Virus kundzutun. Und genau in diesen Topf wollen Peck und Bürkel nicht geworfen werden. „Deshalb haben wir uns entschieden, unsere diesjährige Aktion abzusagen.“ Dabei sei die Genehmigung des Landratsamts bereits ausgesprochen worden, räumt Bürkel ein. Doch die aktuellen Demonstrationen, die oft unter Missachtung der Corona-Abstandsregeln tausende Bürger zu Versammlung haben gehen lassen, ließen Peck und Bürkel aufhorchen.

Vor einem Jahr: Flashmob auf der Tölzer Marktstraße zum 70. Jahrestag des Grundgesetzes

Den Geburtstag des Grundgesetzes wollen die beiden aber nicht aktionslos vorüber ziehen lassen. Denn 71 Jahre nachdem das Grundgesetz am 23. Mai 1949 in einer feierlichen Sitzung des Parlamentarischen Rates ausgefertigt und verkündet wurde, sehen Theaterpädagogin Peck und Religionspädagogin Bürkel mehr denn je die Sinnhaftigkeit in der Verfassung – und wollen eben in Zeiten, in denen extremistische politische Gruppen sich zunehmend ausbreiten, gegensteuern. „Ich sehe das schon als meine Bürgerpflicht“, sagt Bürkel. Sie ist beeindruckt davon, dass die „Würde des Menschen“, die im Artikel 1 des Grundgesetzes ja als unantastbar erklärt wird, überhaupt in der Verfassung Einzug gehalten hat. „Würde“ – der Begriff finde sich nicht in allen europäischen Verfassungen. „Und auch manche Sprache führe dieses Wort erst gar nicht“, will Bürkel recherchiert haben. Sie mahnt dazu, sich ganz persönlich mit dem Text des Grundgesetzes, insbesondere der Präambel, auseinanderzusetzen.

Peck hält aus einem anderen Grund die Verfassung hoch: „Ganz einfach, weil da eben schriftlich meine freiheitlichen Grundrechte festgehalten sind; Da steht also geschrieben, worauf meine persönliche Einstellung fußt.“

Unterschiedliche Betrachtungsweisen also, warum das Grundgesetz so bedeutsam für die Menschen sein sollte. Und diese Diversität brachte die zündende Idee: „Warum nicht die Bürger an diesem Grundgesetz-Geburtstag fragen, wieso sie die Verfassung so schätzen?“, fasste das Duo zusammen. Und geboren war die Idee eines Aufrufes: Landkreisbürger sollten sich ihre ganz eigenen Gedanken machen zu dieser Frage und die Ergebnisse kundtun. Sei es in Form von Notizen, Leserbriefen, aus dem Fenster hängenden Transparenten, Fotografien oder anderen Aktionen – jeweils mit positivem Fokus. „Idealerweise werden diese dann veröffentlicht oder im öffentlichen Raum wahrgenommen werden können“, so Peck.

Sie und Bürkel hoffen nun auf reichlich Rücklauf – und darauf, dass im nächsten Jahr wieder eine wirkliche Mahnwache oder dergleichen auf der Marktstraße stattfinden kann, ohne politischen Trittbrettfahrern oder Verschwörungstheoretikern ein Podium zu geben. Dann wären sie jedenfalls durchaus gewillt, wieder etwas auf die Beine zu stellen und die Gründerväter der deutschen Demokratie in Erinnerung zu rufen. Nicht als politisch Aktive. Aber als politisch Interessierte. Ganz im Sinne eines Homo Politicus also. Thomas Kapfer-Arrington

________________________________

Lieber Leser, Sie wollen mitteilen, warum Sie das Grundgesetz schätzen? Dann senden Sie uns für eine Veröffentlichung eine E-Mail (gern auch Fotos) an redaktion-toelz@dasgelbeblatt.de, oder per Post (DasGelbeBlatt, Redaktion Bad Tölz, Marktstraße 1, 83646 Bad Tölz; Stichwort „Grundgesetz“).

Auch interessant

Meistgelesen

Formale Beschlüsse prägen Sitzung in der Loisachhalle
Formale Beschlüsse prägen Sitzung in der Loisachhalle
Malteser: Mit Hygienemaßnahmen schrittweise Rückkehr in den Regelbetrieb
Malteser: Mit Hygienemaßnahmen schrittweise Rückkehr in den Regelbetrieb
Jugendcafé und Bürgerhaus Lettenholz erfreuen sich über hohe Besucheranzahl
Jugendcafé und Bürgerhaus Lettenholz erfreuen sich über hohe Besucheranzahl
Polizei sucht Zeugen: Täter bricht Schlösser am Skilift auf und klaut Benzinkanister
Polizei sucht Zeugen: Täter bricht Schlösser am Skilift auf und klaut Benzinkanister

Kommentare