„Talfahrt wundert nicht“

SPD zeigt sich selbstkritisch und sucht Auswege aus der Krise

+
Wird die SPD einen Bürgermeisterkandidaten ins rennen schicken? Diese Frage ist nicht abschlie0ßend geklärt, Anzeichen gibt es aber.

Bad Tölz – Kandidiert er als Tölzer Bürgermeister? Oder kandidiert er nicht? Diese Frage wollte der Ortsvorsitzende Michael Ernst auch bei einer Diskussionsrunde der SPD im Binderbräu nicht abschließend beantworten. Nur so viel wollte er verraten: „Die Vorstandschaft hat bei mir angefragt, und es wird auf alle Fälle nicht bis Herbst dauern, bis die Entscheidung gefallen ist.“

In Bad Tölz wird 2020 ein neuer Bürgermeister gewählt, Amtsinhaber Josef Janker tritt nicht mehr an. Dies sei eine „sehr interessante Konstellation“, sagte Ernst. Innerhalb der Vorstandschaft werde werde darüber diskutiert, wer antreten soll. Ernst machte klar, dass er im Stadtrat Handlungsbedarf sieht. In seiner Funktion als Zweiter Vorsitzender des Turnvereins habe er viele Sitzungen miterlebt und das Gremium als „sehr verschlossenen Haufen“ kennengelernt, in dem das Motto gelte „abnicken, abnicken, abnicken“.

In der Diskussionsrunde ging es vor allem um die Frage, was die Ursachen für die desaströsen Wahlergebnisse der SPD sind. Josef Förster fand eine ganze Menge Gründe. Beispielsweise personelle Querelen und eine Kanzlerin, die die CDU in die Mitte geführt hat. Die SPD werde daher nur noch als „Mitläufer-Partei“ wahrgenommen.

Klare Wort fand Camilla Plöckl: „Wenn ich mir das Schmierentheater um einzelne Personen anschaue, wenn ich sehe, wie die Führungsspitze miteinander umspringt und fähige Leute auf die Seite stellt, dann muss man sich über die Talfahrt nicht wundern.“ Dass es an der Außendarstellung hapert, befand auch Moritz Koch: Das Ergebnis bei der Bundestagswahl sei nicht so gewesen wie erhofft, „und danach sitzen ein Dreivierteljahr verschiedene Bundespolitiker in Talkshows und reden darüber, wie schlecht die Politik der letzten Jahre war“. Kochs Schlussfolgerung: „Ich krieg’ von der Partei also gesagt, wie scheiße ich gewählt habe.“

Die SPD mache vieles nicht schlechter als die anderen Parteien, befand Willi Streicher: „Die Leute haben immer Sympathie für uns gehabt, aber jetzt haben sie fast schon Mitleid. Die Leute merken, dass es ohne uns auch nicht geht.“ Seiner Ansicht nach ist die Talsohle erreicht.

Welche Auswege könnte es aus der Krise geben? Ein Ausstieg aus der Großen Koalition ist nach Ansicht von Josef Förster nicht der richtige Weg. „Die Leute wollen mit ihrer Stimme was bewirken. Wer keine Machtperspektive hat, wird nicht gewählt.“ Aus diesem Grund hätten sich viele Menschen bei der Wahl in Bayern für die Grünen entschieden – und nicht für die SPD.

Michael Ernst sieht dies anders. Er ist der Meinung, dass sich die SPD außerhalb der Großen Koalition besser hätte erneuern können. Seine Forderung: Man müsse offener auf die Grünen und die Linke zuzugehen, um eine neue Regierung gegenüber der CDU/CSU zu schaffen. Ähnlich die Meinung von Juso-Vertreter Florian Iszovics. „Es wird immer wieder aufgekocht, was in den vergangenen 15 Jahren schlecht gelaufen ist. Dabei ist es allmählich an der Zeit, darüber zu reden, was man in der Zukunft besser machen kann.“ Mit der Grundrente und dem Gute-Kita-Gesetz sei die Partei auf einem guten Weg. Iszoviczs: „Eine Links-Wende würde der Partei nicht schaden – ganz im Gegenteil.“ sta

Auch interessant

Meistgelesen

Kreis-SPD schickt 43-jährige Wahl-Tölzerin ins Rennen um das Amt der Landrätin
Kreis-SPD schickt 43-jährige Wahl-Tölzerin ins Rennen um das Amt der Landrätin
Stadtrat beschließt einjährigen Probebetrieb im öffentlichen Personennahverkehr
Stadtrat beschließt einjährigen Probebetrieb im öffentlichen Personennahverkehr
Lyrik und ZeitzeugenberichteBürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald bereiten Herbstprogramm vor
Lyrik und ZeitzeugenberichteBürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald bereiten Herbstprogramm vor
Entwicklungs- und Planungsausschuss lehnt Vorhaben ab
Entwicklungs- und Planungsausschuss lehnt Vorhaben ab

Kommentare