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Zusammenstoß zweier S-Bahnen bei Schäftlarn: Lokführer begeht laut Untersuchungsbericht zwei fatale Fehler

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Von: Franca Winkler

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Der Zusammenprall zweier S-Bahnen.
Der Zusammenprall zweier S-Bahnen beschäftigt die Staatsanwaltschaft weiter: Ermittelt wird gegen einen der Lokführer. © Hermsdorf-Hiss

Schäftlarn – Bei dem Zusammenstoß zweier S-Bahnen bei Schäftlarn starb im Februar ein junger Mann – zehn Personen wurden schwer, weitere 47 Personen leicht verletzt. In dem aktuellen Zwischenbericht der ermittelnden Bundesstelle wird einer der beiden Lokführer schwer belastet – er habe die Sicherheitsvorschriften zweimal grob missachtet.

Durch die Kollision auf der eingleisigen Strecke entstand ein erheblicher Sachschaden, zudem war die Strecke für etwa zwei Wochen gesperrt. Die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchungen (BEU) gibt in dem kürzlich veröffentlichten Bericht an, dass es keine technischen Probleme mit den Signalen und den automatisierten Sicherheitssystemen gegeben hat.

Diese sogenannte Punktuelle Zugbeeinflussung (PZB) sorge für eine Zwangsbremsung an bestimmten Haltepunkten oder bei überhöhter Geschwindigkeit. So geschah es auch bei der S-Bahn aus Richtung Wolfratshausen kommend bereits vor der Einfahrt in den Bahnhof Ebenhausen-Schäftlarn.

Fahrdienstleiter wurde nicht informiert

Der Lokführer erhielt eine Zwangsbremsung über die PZB in Folge einer Überschreitung einer Überwachungsgeschwindigkeit, heißt es im Bericht. Durch die Betätigung der Freitaste löste der Lokführer die Zwangsbremsung und setzte die Fahrt fort. In solchen Fällen müsse der Fahrdienstleiter informiert werden, was der Zugführer aber nicht getan habe.

Bei der Weiterfahrt habe der Lokführer ein Haltesignal missachtet. Auch hier erfolgte eine Zwangsbremsung durch die PZB. Und auch hier sei die Fahrt durch Lösung der Bremse und ohne Rücksprache mit dem Fahrdienstleiter erfolgt.

Für die aus Richtung Baierbrunn kommende S 7 stellten sich alle Signale auf Halt. Der Lokführer leitete eine Schnellbremsung ein und zusätzlich wurde die Zwangsbremsung vom Sicherheitssystem PZB ausgelöst. Als sich die S-Bahn aus Richtung Wolfratshausen näherte, stand die andere Bahn bereits komplett still. Um 16.35 Uhr krachte der entgegenkommende Zug mit einer Geschwindigkeit von etwa 57 Kilometer pro Stunde in die stehende Bahn.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen den Lokführer, der auf seiner Fahrt in Richtung München die Signale missachtet haben soll.

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