Vergessene Politiker würdigen

Zwei Fußwege werden nach Michael Deschermeier und Anton Holzer benannt

Die bisherige Bürgermeister-Stollreither-Promenade am linken Isarufer heißt flußabwärts künftig „Bürgermeister-Holzner-Promenade“.

Bad Tölz – Zwei Fußwege in Bad Tölz werden künftig nach verdienten Tölzern benannt, deren Namen den meisten unbekannt sein dürften. Damit will der aktuelle Stadtrat Versäumnisse seiner Vorgänger korrigieren und zwei fast vergessene Politiker würdigen, die sich in der Zeit des Nationalsozialismus und nach dem Zweiten Weltkrieg um Tölz verdient gemacht haben. Es handelt sich um Michael Deschermeier und Anton Holzer.

Nach Anton Holzer (1902-1965) wird der bestehende Fußweg am linken Isarufer von der Isarbrücke bis hinab zum Stausee benannt, bisher bekannt unter dem Namen Bürgermeister-Stollreither-Promenade. Am gegenüberliegenden Isarufer gibt es neu den „Michael-Deschermeier-Weg“. Zwischen den beiden Isarbrücken, also im Bereich von Sportstudio Hirsch und Parkhaus bis zum Café Love bleibt der Namen Stollreither-Promenade erhalten. Das künftige Strassennamensschild wird durch den Hinweis ergänzt: „Alfons Stollreither …machte sich als Bürgermeister…um die Modernisierung von Bad Tölz verdient. Umstritten ist er, weil er den Nationalsozialismus in Wort und Tat förderte.“ Der bisherige nördliche Teil (gegenüber vom Taubenloch) wird in „Bürgermeister-Holzner-Promenade“ umbenannt und mit folgender Zusatztafel ergänzt: „Der Rechtsanwalt Anton Holzner…, erklärter NS-Gegner, betrieb als Bürgermeister in der Nachkriegszeit….tatkräftig den Wiederaufbau eines demokratischen Gemeinwesens.“. Anton Holzner (1902-1965) lenkte ab 1945 drei Jahre die Geschicke der Stadt. Der Fußweg entlang des rechten Isarufers (bisher „Am Quai“) wird umbenannt in „Michael-Deschermeier-Weg“. Das neue Schild wird durch den Text ergänzt: „Michael Deschermeier war ab 1918 in Bad Tölz ein früher Kämpfer für eine soziale und freiheitliche Demokratie. Er war Verfolgter des NS-Regimes und 1945 Zweiter Bürgermeister.“ Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart blickte im Rahmen der Beratung im Rathaus-Sitzungssaal zunächst auf die Weihnachtssitzung 2018 zurück, als der Stadtrat nach dem Vorbild des Hindenburg-Projekts eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen hatte, die sich mit dem Leben und Wirken von Deschermeier, Holzner und Stollreither befasste. Dem Arbeitskreis gehörten neben Botzenhart Franz Mayer (Grüne), der ehemalige SPD-Ortsvorsitzende Josef Förster und Redakteur Christoph Schnitzer an. Das Ergebnis der Recherchen mündete in der einstimmigen Empfehlung für eine Ehrung durch einen Straßennamen. Im Fall Stollreither entschied sich der Arbeitskreis zu einem Vorgehen wie im Fall Hindenburg. Damals entschied der Stadtrat, den Straßennamen des umstrittenen Reichspräsidenten nicht zu ändern und damit Geschichte auszulöschen. Im Fall Hindenburg geschah dies durch einen Informationsweg von der Tölzer Post bis hinauf zum Jugendcafé. Botzenhart erinnerte daran, dass Michael Deschermeier im Gries in der Messerschmiedgasse gewohnt und sich dort auch mit Gleichgesinnten getroffen hatte. Auch bei Anton Holzner gibt es einen historischen Bezug zum neuen Straßennamen. Die „Bürgermeister-Holzner-Promenade“ führt auf Höhe der ehemaligen Tennisplätze an seinem früheren Wohnhaus vorbei. Obwohl Holzner 1948 nicht im Frieden aus seinem Amt schied, vererbte er dieses Haus der Stadt. Für Stadtrat Franz Mayer (Grüne) sind die aktuellen Straßenbenennungen, die auf einen Antrag von SPD-Stadtrat Willi Streicher zurückgehen, gewissermaßen ein Schlusspunkt unter die vielfältigen Aktivitäten der Vergangenheit. „Und warum tun wir all das so viele Jahre nach Kriegsende?“, stellte er die Frage in den Raum und fand gerade mit dem Fall Stollreither eine Antwort mit sehr aktuellem Bezug. Jugendliche dürften nicht das Gefühl haben, dass Unterstützer des Nationalsozialismus in Ehren gehalten werden. Auch so werde Rechtsextremismus salonfähig. Mayer: „Mittäter taugen nicht als Vorbilder. Deschermeier und Holzner waren anders. Sie sind unsere Vorbilder.“ 2. Bürgermeister Andreas Wiedemann, der die Sitzung leitete, beglückwünschte den Arbeitskreis zu seiner Arbeit und erinnerte daran, dass die NS-Zeit früher auch in der Schule totgeschwiegen wurde: „Nun wird die Geschichte der Stadt gut aufgearbeitet“. Ähnlich äußerte sich Martin Harrer (FWG), der meinte, die künftige Verkürzung der Stollreither-Promenade und die Fortsetzung als „Bürgermeister-Holzner-Promenade“ könne man durch Stollreithers umstrittene Rolle in der NS-Zeit rechtfertigen.bo

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