Zwei junge Tölzer eröffnen einen Arbeitsplatz für alle: die Ideenschmiede Coworking „Gschafft“

Gemeinsam Schaffen

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Geschafft: Die Betreiber (v.l.) Maxi Mayr und Henrik Heubl haben in Tölz ihre Ideenwerkstatt Coworking Gschafft eröffnet.

Bad Tölz – Sie sind jung, sie sind Tölzer und sie lieben ihre Heimat. Maxi Mayr (21) und Henrik Heubl (17) sind aber auch junge Unternehmer und geschäftstüchtig. Die beiden eröffneten am vergangenen Samstag in Tölz ein sogenanntes Coworking-Space, zu deutsch: eine Art „Gemeinschaftsbüro“. Doch der Arbeitsplatz bietet mehr als nur Schreibtisch, Stuhl und PC.

Die Tölzer Marktstraße 59/Ecke Hindenburgstraße, einst die Adresse des ehemaligen Street Cafés. Heute befindet sich dort ein modernes Büro: die Wände sind brombeer- und anthrazitfarben gestrichen, auf den großen Fensterbänken laden lederne Sitzpolster zum Verweilen ein und die per LED-Lampen beleuchtete Küchenzeile ist mit einer hölzernen Euro-Palette verkleidet. Am großen Konferenztisch sitzen derweil drei junge Leute, wischen auf ihren Smartphones, tippen am Laptop. Das rund 80 Quadratmeter große Büro sieht auf den ersten Blick wie ein Jugendtreff aus, aber das Konzept ist ein anderes. „Wir sind kein Internetcafé“, betont Abiturient Henrik Heubl. Sondern: eine Ideenschmiede für Jedermann.

Das Konzept dahinter erklärt Maxi Mayr, der dazu aus seiner eigenen Berufserfahrung berichtet: „Ich bin selbstständig“, berichtet der angehende Wirtschaftsinformatiker im vierten Semester. Neben seinem Studium in Stuttgart mit Wohnort in München baut er für Betriebe und Firmen Webseiten. Um nicht ständig zwischen den beiden Städten hin- und her zu pendeln, erledigt der gebürtige Tölzer seine Webarbeiten von zu Hause aus. Das sogenannte Homeoffice sei ohnehin ein Trend. Viele Jobs erlauben es heute, die tägliche Arbeit bequem vom Wohnort aus zu erledigen. Auch Heubl ist seit rund 1,5 Jahren als Webberater für soziale Netzwerke tätig, arbeitet freilich auch von zu Hause in Tölz aus.

„Wir sitzen an der Zielgruppe, wissen wie sie ticken“, erklärt Mayr und meint damit seine Generation: Junge Leute, die heutzutage mehr als andere Menschen soziale Netzwerke und Kommunikationsplattformen wie Whatsapp und ähnliche nutzen. „Wir wissen, was die zukünftigen Kunden wollen“, folgert er: „Wie schaffe ich es, mehr Kunden zu erreichen: Einfach, direkt und flexibel.“ Das digitale Zeitalter verändert aber auch das alltägliche Arbeitsleben.

„Wir wollen diese Tatsache nutzen und mehr Leute nach Tölz bringen“, so Mayr. „Ich bin heimatverliebt. In Tölz ist es einfach am schönsten“, berichtet er. Ein attraktiver Arbeitsplatz also: modernes Büro in Voralpen-Idylle. Aber auch die Kommunikation steht im Vordergrund. Denn in dem neuen Büro der beiden kommen die verschiedensten Menschen zusammen, können sich gegenseitig helfen und unterstützen. Beispiel: Ein Web-Designer entwickelt eine Homepage, braucht aber noch passende Fotos dafür. Praktisch, wenn dann am Schreibtisch nebenan ein Fotograf arbeitet.

Die Geschäftsidee zur „Ideenschmiede Coworking Gschafft“ entstand, als Mayr und Heubl sich selbst noch so einem Arbeitsplatz umschauten. In Gmund (Kreis Miesbach) wurden sie bei der „Coworkerei“ fündig, allerdings war den beiden die dortige Wartezeit bis zu sechs Monaten zu lange. „Dann wollten wir selber was machen“, berichtet Mayr.

Die engagierten Jungs starteten im sozialen Netzwerk Instagram einen Aufruf unter dem Namen„WeloveTölz“ („Wir lieben Tölz“) und berichteten hierbei über ihr geplantes Projekt. Die Resonanz war groß: „Über 900 Leute haben uns beobachtet, davon fast 90 Prozent geschrieben, sie fänden unsere Idee cool“, berichtet Heubl. Danach ging es an die Renovierung des alten Street Cafés. Hilfe erhielten die beiden Jungunternehmer hierbei von ihren Onlinefans. Zu den Kosten sagt Heubl: „Ultrawenig. Wir haben alles selber gemacht.“ Lediglich Facharbeiten wie Elektrik oder Wasseranschlüsse wurden von hiesigen Handwerkern übernommen. Wände wurden durchgebrochen, neu aufgezogen und poppig gestrichen. Nach einem Monat war dann alles fertig und seit einer Woche kann nun in der Ideenschmiede Gschafft gearbeitet werden.

Falko Wiesenhütter ist von der Geschäftsidee der beiden begeistert und beschreibt sie als Vorbildfunktion: „Für uns ist es gut und wichtig, wenn junge Leute etwas aufziehen“, sagt der Tölzer Wirtschaftsförderer. Die Jugend dränge es hinaus, eine „Kleinstadt ist nicht sexy“ für sie. Zudem sei momentan der Arbeitsmarkt attraktiv für Angestellte. Aber darunter leide eben der Markt für junge Existenzgründer, die „etwas eigenes schaffen wollen“.

Insbesondere treibe es Kreativschaffende, wie App-Entwickler, Designer, Künstler oder Filmschaffende in die Großstadt. Bei Gschafft können sie „gemeinsam Ideen entwickeln und Projekte anbieten, die allein nicht zu schaffen sind“. Eine andere Gruppe sind Pendler, die in ihren vier Wänden nicht in Ruhe Homeoffice betreiben können, jetzt aber die Möglichkeit haben, ihre Arbeit im gemieteten Büro zu erledigen. Sozusagen: Homeoffice mit Büroatmosphäre.

Der Titel „Gschafft“ hat übrigens einen pragmatischen Hergang: „Wir suchten einen Namen, der zur Region passt“, berichtet Mayr und „englische Wörter passen da nicht“. Diredare-Café war noch im Gespräch, letztlich erhielt „Gschafft“ aber den Zuschlag. Grund: „Dadurch, dass wir das Geschäft eröffnet haben, haben wir es auch geschafft“, ergänzt Mayr schmunzelnd.

Doch die eigentliche Arbeit beginnt jetzt: nämlich Mitglieder für das neue Arbeitsplatz-Modell zu finden. „Derzeit haben wir drei Coworker für drei Monate“, so Mayr. „Es melden sich aber täglich Leute, die Interesse haben.“ Dabei liege das Alter zwischen 18 und 63 Jahren. Und wie läuft so ein Mietverhältnis ab? Mayr vergleicht es mit der Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio.

Im Gschafft kann ab einen Tag und länger gebucht werden. Der Tagespreis liegt bei 13 Euro. Der ­Monatspreis variiert zwischen 149 Euro bis 295 Euro. Abhängig, ob ein eigener Schreibtischplatz reserviert wird. Im Angebot auch das Zehntage-Ticket für 109 Euro sowie ein Tarif für frische Existenzgründer. Die zahlen im ersten Jahr nach ihrer Gründung 99 Euro pro Monat. Und für alle gilt: „Der erste Tag ist gratis und der Kaffee umsonst“, sagt Heubl.

Jedes Mitglied bekommt per App die Möglichkeit die Eingangstüre zu entriegeln. Theoretisch können somit Arbeitswütige 24 Stunden die Räumlichkeiten des Miet-Büros betreten. Das WLAN soll bis zu 500 Mbit pro Sekunde ausgebaut werden. Und wenn alles fertig ist, stehen den Mitgliedern Monitore, Beamer und Drucker zur Verfügung. Eigene Computer werde es nicht geben, sagt Heubl. „Allerdings bieten wir wöchentlich Workshops an.“ Dabei soll der Fokus auf der Weiterbildung liegen. Thematisiert werden unter anderem Existenzgründung, digitale Geschäftskonzepte oder wie können lokale Betriebe „soziale Medien für sich nutzen“, erklärt Heubl. Die beiden Jungunternehmer Mayr und Heubl haben etwas geschaffen, damit andere dort nun schaffen können.Daniel Wegscheider

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Kontakt zur Ideenschmiede Coworking Gschafft gibt es über die Internetseite www.gschafft.com oder unter Tel: 0151/28437447 (Maxi Mayr).

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