Aufwühlend und unbequem

Zwei-Mann-Theaterstück „Nach Europa“ regt zum Nachdenken an

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Stellten wortreich das Dilemma von Flüchtlingen dar: Lukas Ullrich (l.) und Till Florian Beyerbach.

Geretsried – An zwei Tagen präsentierte die Volkshochschule Geretsried (vhs) in Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Helferkreis Asyl im Ratsstubensaal das Theaterstück „Nach Europa“. Die mit Lasereffekten unterstützte Darstellung von zwei Personen auf der Flucht bewegte Schüler und Erwachsene gleichermaßen.

„Es ist ein sehr aufwühlendes Stück“, warnte Vhs-Leiterin Beate Ruda vorab. Sie versprach nicht zu viel: Denn die beiden Schauspieler Lukas Ullrich und Till Florian Beyerbach verlangten dem Publikum rund 70 Minuten lang einiges ab. Das fing schon mit dem unkonventionellen Bühnenbild an, das sich aus den Elementen Holz und Licht zusammensetzte. Dabei stiegen die beiden Darsteller zunächst in ein Bootsgerippe, um damit nach Europa aufzubrechen. Beleuchtet wurde die Szenerie von Laserstrahlen, die ungewohnte Perspektiven eröffnen. Die Situation spitzt sich zu, als der muslimische mit dem christlichen Flüchtling aufgrund verschiedener Weltanschauungen aneinandergerät. Doch die Besucher erleben nicht nur die wortreich ausgetragenen Konflikte der beiden Flüchtlinge sondern auch beängstigende Rollenspiele. So verkörpern die beiden Schauspieler mal machthungrige Politiker, mal gewissenlose Schleuser und Waffenhändler. Am Ende erblicken die Flüchtlinge zwar die Küste von Europa. Es bleibt aber offen, ob sie dort wirklich ihr Glück finden.

Nach der Aufführung berichteten die Akteure der Stuttgarter Theatergruppe „Eure Formation“, Lukas Ullrich und Till Florian Beyerbach, über die Entstehungsgeschichte des nach einer Vorlage von Uwe Hoppe inszenierten Theaterstücks. „Die Idee entstand 2014 und erhielt zu Beginn des Flüchtlingsstroms nach Deutschland 2015 zusätzliche politische Brisanz“, verriet Ullrich. Er gehörte damals selbst zur Menschenmenge, die Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof freundlich empfangen hatte. Till Florian Beyerbach appellierte ans Publikum: „Der Friede in Deutschland ist nicht in den Boden gemeißelt. Wir sollten im richtigen Moment das Hirn einschalten und entsprechend handeln!“.ph

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