Zwiespalt Tourismus

Tagesausflügler könnten Einbußen durch Corona auffangen. Aber wie?

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Ausflügler, wie hier an der Tölzer Marktstraße, könnten die Coronabedingten Einbußen beim Tourismus etwas puffern. Nur: gerade die Walchenseeregion ächzt unter dem sogenannten Overtourism.

Landkreis – 335 Millionen Euro Umsatz bescherte der Tourismus dem Landkreis im Jahr 2019. Dass Corona nun ein ordentliches Loch in diesem Wirtschaftszweig gerissen hat, ist klar: Etwa 33 Millionen Euro Umsatzausfall erwartet Andreas Wüstefeld, Leiter der Tölzer Land Tourismus. Und das alleine in den Monaten März und April, „Mai ist da noch gar nicht eingerechnet“. Fast fatal ist da die derzeitige – vom „Walchensee-Overtourism“ geprägte – lebhafte Diskussion um den Tagestourismus. Der könnte nämlich etwas auffangen, muss aber auch verträglich für Anwohner und Natur sein. Darüber diskutierte der Umweltausschuss des Kreistags, konnte das Problem freilich nicht lösen.

Andreas Wüstefeld erläuterte die Dimension des Wirtschaftsfaktors Tourismus. 33 Millionen Euro Umsatz – „das entspricht 4.700 Euro Beschäftigten in Vollzeit“. Und die Rahmenbedingungen im Landkreis sind gut. Denn angesichts von 1,54 Millionen Gästeübernachtungen (2019) „liegt Bad Tölz-Wolfratshausen unter den Top 10-Regionen Bayerns“. Doch Corona hat den Wirtschaftszweig hart getroffen, so Wüstefeld. Und es sei nicht davon auszugehen, dass es zu Nachhol­effekten kommen könnte. Was Lydia Hofherr bestätigte. Die CSU-Kreisrätin ist Eigentümerin des Hotels Posthotel Hofherr in Königsdorf: „Wir gehen von 50 Prozent Stornierungen in diesem Jahr aus.“ Eine einzige Meldung zu den Corona-Fällen bei einem Caterer im Nachbarlandkreis Starnberg habe gebuchte Gruppen zur Absage ihrer Urlaube in Königsdorf bewegt.

Unterdessen steigt die Nachfrage im Tagestourismus. Und Wüstefeld räumte ein, dass dies angesichts der Diskussion zu den Ausflügler-Strömen in der Walchenseeregion nicht unbedingt einfach zu handeln sei. Auch ein Industrieunternehmen, das neu gebaut wird, beeinträchtige die Natur und schade dem Menschen. Das sei im Tourismus nicht anders. „Nur gäbe es ohne Tagestourismus in der Tölzer Marktstraße auch nur einen Handy-Franchise-Laden nach dem anderen“, so Wüstefeld. Er sprach sich dafür aus, alle beteiligten an einen Tisch zu bringen um zu sehen, „wie wir den Zwiespalt lösen können“. Erste Ansätze habe man bereits 2009 auf den Weg gebracht, damals unter dem Motto „Bewusster leben, Leben spüren“. 

Tourismuskonzept gefordert

Dennoch: Die Herausforderungen wurden seither nicht weniger. Angesichts von 35.000 Menschen, die jedes Jahr an Zuzug in München zu verzeichnen sind, steige laut Andreas Wüstefeld auch der Druck auf die Region: „Wenn davon nur ein Promille zum Mountainbiken geht, dann spüren wir das hier.“ Die Grünen-Fraktion brachte eine Anfrage zum Thema ein, das Ziel: Die Erarbeitung eines nachhaltigen Tourismuskonzepts, um Lebensqualität, Naturschutz und sanften Tourismus langfristig unter einem Hut vereinen. An einem runden Tisch könnten auch Erfahrungen aus dem Miesbacher Land und dem Allgäu einfließen, so Grünen-Kreisrat Felix Mattes. Er warb dafür, dass dies wissenschaftlich begleitet werde. Was laut Andreas Wüstefeld längst geschehe. Denn über den Tourismusverband München-Oberbayern habe man Zugriff auf entsprechende Untersuchungen und Experten. Und FW-Kreisrat Georg Riesch kommentierte die Grünen-Anfrage: „Alle an einen Tisch zu bringen war ja genau die Intention unseres Walchenseekonzepts.“ Der Ausschuss will in einer nächsten Sitzung das Thema intensivieren. tka

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