2019 hoffentlich rationaler

Marktplatz: Ärger und Stadtrat / Erstes Fazit soll auch letztes bis Sommer sein

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Ob als witzige Kritik gedacht oder nicht, die Fütterung von Kuh und Kälbchen im Sommer war eine nette Aktion. Erhard Pohls Antrag zum Marktplatz sorgte hingegen für einigen Ärger im Stadtrat.

Miesbach – Wenn es um den Marktplatz geht, gibt es nicht nur viele Meinungen, sondern es kochen auch schnell die Emotionen hoch. So war es dann auch in der jüngsten Sitzung, als es die gute Stube der Kreisstadt mal wieder auf die Tagesordnung des Miesbacher Stadtrats geschafft hat. Es soll zum letzten Mal bis kommenden Sommer sein. Die Mehrheit des Gremiums hat sich nämlich jetzt erst einmal eines Besseren besonnen und verordnet, abzuwarten.

Vor dieser Zwangsruhe sorgte das Thema aber noch einmal dafür, dass bei so manchem Ratsmitglied der Blutdruck deutlich anstieg. Es ging nicht nur um einzelne Elemente der Umgestaltung, sondern vor allem um das generelle Vorgehen. Erhard Pohl (CSU) hatte einen Antrag gestellt und forderte, jetzt schon ein erstes Fazit zu ziehen. „Nix ist fix“, lautet seine Devise. Eine Reihe von Punkten hatte er ausgemacht, die zu modifizieren wären. Und das soll am besten nicht allein den vier Weisen des Arbeitskreises Marktplatz überlassen werden. „Nicht alles schlecht“, versuchte Pohl noch, seine Kritik zu relativieren. Wird die Verantwortung auf mehr Schultern als die von Astrid Güldner (Grüne), Markus Seemüller (FW), Paul Fertl (SPD) und Dirk Thelemann (CSU) übertragen, würden diese auch ein wenig aus der Schusslinie genommen, sagte Pohl. Vor allem würden aber ihre Kompetenzen gestutzt.

„Respekt“ zollte Bürgermeisterin Ingrid Pongratz dem Arbeitskreis für das Engagement. Sie gab zu, auch nicht mit allen Elementen – wie etwa der zum Bücherschrank umfunktionierten Telefonzelle – glücklich zu sein, forderte aber, ein Jahr abzuwarten. „Die Menschen müssen sich dran gewöhnen“, sagte sie. Einige Punkte seien ohnehin schon aufgegriffen worden, und geht‘s um die Sicherheit, reagiert die Stadt sofort. Da sieht Pohl unter anderem bei der Kurvenführung am Maibaum und am Marktcafé Verschlechterungen. Sein „allergrößtes Sorgenkind“ ist aber der grüne Markt, der schlechter besucht werde.

„Warum redest du nicht mit uns?“, fragte Markus Seemüller den CSU-Ratskollegen. „Dafür sind wir da.“ Ein grundlegendes Problem sieht Seemüller darin, „dass die Bürgermeisterin nicht im Arbeitskreis ist“. Was dort erarbeitet wurde, „wäre die Aufgabe der Bürgermeisterin“, sagte er und wollte Pongratz per Beschluss in den Arbeitskreis integrieren. Das lehnte sie ab und wollte den „Schwarzen Peter“ nicht zugeschoben bekommen. Sie habe mit dem Planungsbüro Nonconform einen Prozess starten wollen, um mehr Bürger einzubeziehen. „Das hat der Stadtrat abgelehnt“, erinnerte Pongratz. Und als Bürgerin sei es auch ihr „gutes Recht, zu sagen, was mir gefällt und was nicht“.

Einen Fehler in der Zusammensetzung des Arbeitskreises sah auch Verena Assum (CSU). Dieser müsste mit Leuten besetzt sein, „die mehr in der Innenstadt unterwegs sind“, sagte sie. Assum ist wenig begeistert von dem, was bei Kindern am besten ankommt: Kuh und Kälbchen. „Wofür brauchen wir die?“, fragte Assum. Vielmehr sei es gefährlich, dass Kinder nun, ohne auf Autos zu achten, zu den Figuren laufen. „Das ist ein Marktplatz, kein Spielplatz“, betonte sie.

„Dieser Stadtrat ist ein lustiges Gremium“, kommentierte Paul Fertl ironisch. Was jetzt diskutiert werde, habe das Gremium jeweils bei nur einer Gegenstimme beschlossen. „Und wir haben mit allen geredet, die mit uns reden wollten“, machte er klar. Kritik werde es immer geben. Den Auftrag, für mehr Aufenthaltsqualität zu sorgen, sieht Fertl aber erfüllt: „Es sind mehr Leute da.“

Nun sollen ein Jahr Erfahrungen gesammelt werden, und wie von Alfred Mittermaier (CSU) vorgeschlagen, kommt das Thema nicht vor Juli 2019 erneut auf die Tagesordnung. Sonst droht dem Gremium, erneut so ein „enttäuschendes Bild“ abzugeben, wie es FW-Sprecher Michael Lechner bei der Debatte ausmachte. Er attestierte „fehlendes Demokratieverständnis“, wenn Beschlüsse in Frage gestellt werden und sprach einigen Räten „ein Riesentalent, alles schlecht zu reden“ zu. Inge Jooß (SPD) hoffte, „dass wir in einem Jahr rationaler diskutieren“.

Ob dann Pongratz dem Arbeitskreis angehört, bleibt abzuwarten. „Zwingen lasse ich mich nicht“, machte sie im Disput mit Seemüller klar. Dessen entschärfter Antrag mit förmlicher Bitte zum Beitritt, fand keine Mehrheit. Für die anschließend ausgesprochene formlose Bitte erbat sich Pongratz Bedenkzeit.

Zum Thema: Parkzeit bleibt

Eine Verkürzung der maximalen Parkdauer auf eine Stunde auf dem Marktplatz ist vom Tisch. Dafür hatte der Stadtrat im September gestimmt, die Umsetzung aber ausgesetzt (wir haben berichtet). Erst sollten die Geschäftsleute nach ihrer Meinung gefragt werden. Sie haben sich dagegen ausgesprochen. ft

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