Dem Käfer auf der Spur

ALB in Miesbach: So untersuchen die Kletterer Bäume auf Befall

ALB in Miesbach: Kronen-Monitoring
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Kletterer Florian Brunner untersucht einen Baum an der Harztalstraße in Miesbach auf ALB-Anzeichen.

Miesbach – Bis März werden in Miesbach zahlreiche Bäume und Gehölze auf einen Befall vom ALB untersucht. Beim Kronen-Monitoring suchen Baumkletterer nach Spuren des Käfers.

Baumkletterer Florian Brunner sucht nach kleinen Löchern im Stamm. Die macht der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB). Der Schädling kommt mit Verpackungsholz aus Asien nach Europa und polarisiert in Miesbach, seit die ersten Exemplare im August 2019 gefunden wurden. Den Winter über, voraussichtlich bis März, werden Florian Brunner und andere Baumkletterer in der Kreisstadt unterwegs sein.

Eigentlich sollte das Kronen-Monitoring der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) am Mittwoch (9. Dezember) beginnen. Auch die Presse war zum Auftakt eingeladen. Doch der Schneefall an dem Tag behinderte den Start. Florian Brunner kletterte für Fotos dennoch auf einen Baum an der Harztalstraße. „Bei so einem Wetter geht der Kletterer normalerweise nicht auf den Baum“, erläuterte Gerhard Kraus, der ALB-Gebietsbeauftragte für Miesbach. „Die Symptome, die wir suchen, sieht man bei Schnee nicht.“

Gemeint sind eben jene kleinen Löcher, die der ALB im Stamm verschiedener Laubbäume hinterlässt. Wenn er sich hinein bohrt, um Larven abzulegen, entsteht meist eine sichel- bis schlitzförmige Öffnung, meist mit abgeplatzter Rinde drum herum. Beim Ausbohren entsteht ein kreisrundes, scharfkantiges Loch mit einem Durchmesser von etwa einem Zentimeter. Hinweis darauf sind auch Bohrspäne, die in Astgabeln oder am Boden unter Einbohrlöchern liegen. Das Problem: Durch die Ein- und Ausbohrlöcher gelangen holzzersetzende Pilze in den Stamm und die Äste. Nach starkem, mehrjährigem Befall sterben die Laubbäume ab.

ALB in Miesbach: Monitoring in Baumkrone und am Boden

Im Frühjahr 2020 sind im Kampf gegen den ALB bereits knapp 5.000 Bäume und Gehölze in Miesbach gefallen. Eine weitere Maßnahme ist nun das Kronen-Monitoring in der sogenannten Fokuszone, die sich im 500-Meter-Umkreis der befallenen und mittlerweile gefällten Gehölze befindet. Alle Wirtspflanzen – vor allem Ahorn, aber auch Rosskastanie, Birke, Pappel, Weide und andere Laubbäume – werden dabei von besonders geschulten Experten auf Anzeichen des ALB untersucht.

Die spezialisierten Baumkletterer führen die Arbeiten in den Baumkronen schonend mit Hilfe der Seilklettertechnik durch. Bäume und Sträucher, die nicht bekletterbar sind, werden vom Boden aus visuell untersucht. Für das Kronen-Monitoring wurde die Fokuszone in vier Flächen aufgeteilt, die jeweils von einem Kletterteam bearbeitet werden, erklärte Christopher Imre Seif, der die Arbeitsgruppe „Bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfers“ beim LfL seit Oktober leitet.

ALB in Miesbach: Drohnen keine Alternative

Um die Arbeiten auch auf Privatgrundstücken durchführen zu können, melden sich die Kletterfirmen mit einem Einwurfzettel bei den einzelnen Eigentümern an, gehen anschließend von Haus und Haus, um Termine für die Arbeiten zu vereinbaren. Wo niemand angetroffen wird, werfen sie ein Informationsblatt mit Kontaktdaten und der Bitte um Rückruf in den Briefkasten. Damit sollen betroffene Anwohner dabei unterstützt werden, alle Wirtspflanzen in ihren Gärten und auf ihren Balkonen alle zwei Monate auf ALB-Befall zu überprüfen. Im Zweifelsfall können sich die Baumkletterer auch ausweisen.

Es ist wichtig, dass die Kletterer auf die Bäume dürfen, denn sie können mit ihren geschulten Augen einen möglichen Befall am besten entdecken. „Wir haben versuchsweise auch schon Drohnen eingesetzt, aber das hat sich nicht bewährt“, erklärte der Gebietsbeauftragte Gerhard Kraus. Parallel zum Kronen-Monitoring laufen die anderen Arbeiten der LfL in der gesamten Quarantänezone mit zwei Kilometer Umkreis weiter. Nach wie vor kann zum Beispiel Schnittgut zum Sammelplatz auf der Waitzinger Wiese gebracht werden. Lediglich die Kontrolle der Fangbäume und Pheromonfallen ruht im Winter, da der Käfer aktuell eher träge ist.

ALB in Miesbach: Noch mit allem rechnen

Miesbach ist derzeit eine von fünf Quarantänezonen im Freistaat Bayern neben Feldkirchen im Landkreis München, Kelheim im gleichnamigen Landkreis, Murnau am Staffelsee im Landkreis Garmisch-Partenkirchen und Ziemets­hausen, einem Ortsteil von Schönebach im Landkreis Günzburg. Wenn alles glatt läuft und die Kletterer keine neuen Larvenfunde machen, könnte das Thema ALB im Jahr 2024 für Miesbach beendet sein. Ansonsten verlängert sich die Quarantänezeit entsprechend vom Tag des neuen Fundes an. „Wenn die erste Kletterrunde durch ist, können wird vielleicht mal durchschnaufen“, sagte Gerhard Kraus. „Aber ich rechne momentan noch mit allem.“ ksl

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