Rettung für Linden und Eschen?

ALB: Miesbach stellt Antrag auf Ausnahmegenehmigung für den Waitzinger Park

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Dass markante Bäume im Waitzinger Park gefällt werden, wird sich nicht verhindern lassen. Eine Ausnahmeregelung soll aber einen Kahlschlag wegen des ALB verhindern.

Miesbach – Es ist unumgänglich: Wegen des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) müssen Bäume weg. Um dem eingeschleppten Schädling alle potenziellen Wirtspflanzen zu nehmen und so eine Ausbreitung zu verhindern, müssen im Umkreis von 100 Metern aller Fundorte sämtliche Laubbäume gefällt werden. Damit droht auch dem Waitzinger Park ein Kahlschlag. Nun ist aber Hoffnung in Sicht: Die Stadt weist auf die besondere Bedeutung der Grünanlage hin und drängt auf eine Ausnahmegenehmigung, wonach nur die fünf Hauptwirtsbäume der Motorsäge zum Opfer fallen sollen. Als „relativ vielversprechend“ bezeichnet Umweltreferent und Dritter Bürgermeister Michael Lechner die Pläne nach einem Gespräch aller beteiligten Behörden am vergangenen Montag.

Bereits am Donnerstag vergangener Woche hatte der Stadtrat beschlossen, einen Antrag für eine Ausnahmegenehmigung des EU-Durchführungsbeschlusses zu stellen. Fachliche Argumente dafür hatte Martina Lewald-Brudi von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt geliefert. Wie sie erklärte, gelten 29 Gattungen als gefährdet. 16 Baumgattungen wurden spezifiziert, bei denen sich der ALB vermehrt habe. Und: „Der Ahorn ist die eigentliche Wirtspflanze“, erklärte Lewald-Brudi. Kastanie, Birke, Pappel und Weide hinzugenommen, ergeben die sogenannten Big Five. Sie zu retten, ist für Lechner aussichtslos, weshalb er in der Sitzung Paul Fertl (SPD) widersprach. Der hatte sich dagegen ausgesprochen, „einen Beschluss zu fassen, bei dem wir sagen, die Hälfte der Bäume sei nicht schützenswert“. Er wollte „nicht klein beigeben“ und „gegenüber dem LfL (Landesamt für Landwirtschaft, Anm. d. Red.) klar auftreten“, um den Bestand im Park zu erhalten. „Des haut net hi“, entgegnete Lechner und plädierte dafür, „dass wir uns an die Vorschriften halten“. Dem stimmte Manfred Burger (Grüne) zu: „Es wäre falsch, jeden Baum erhalten zu wollen. Wir brauchen einen fachlich begründeten Antrag.“ Wenn nur die Big Five gefällt würden, bliebe „die Grundstruktur des Waitzinger Parks erhalten“, erklärte Lechner. Von rund 50 Bäumen könnten etwa 30 stehen bleiben. In erster Linie sind das Linden. Und drei Eschen. Die große, frei stehende Linde ist übrigens bisher gar nicht betroffen; sie steht außerhalb des 100-Meter-Radius um bereits befallene Bäume.

Dass der Antrag der Stadt tatsächlich die erhoffte Wirkung haben könnte, bekräftigt der vergangene Montag, als sich LfL-Präsident Jakob Opperer und Frank Nüßer, Vertreter der Stadt und des Landratsamtes sowie Bürgermeisterin Ingrid Pongratz und die Fraktionssprecher im Stadtrat trafen. Die Stadt machte die Bedeutung des Parks deutlich. Er soll nun als geschützter Landschaftsbestandteil oder Naturdenkmal deklariert werden. Mit diesem Status könnte die angestrebte Ausnahmegenehmigung erteilt werden – und damit ein großer Teil des Baumbestands am Waitzinger Keller vor dem Kahlschlag bewahrt werden. Lechner ist nun vorsichtig optimistisch, dass es klappen könnte. Er hat Verständnis seitens der verantwortlichen Stellen erkannt.ft

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