„Homo Spaciens“

All-Experte Harald Lesch spricht vor Gymnasiasten über Mond-Missionen / Ärger wegen Technik

+
Harald Lesch weiß Themen rund ums Universum unterhaltsam zu vermitteln.

Tegernsee – Wenn Harald Lesch über den Weltraum erzählt, ist ihm ungeteilte Aufmerksamkeit gewiss. Auf gewohnt unterhaltsame Weise hielt der Astrophysiker und TV-Moderator jüngst einen Gastvortrag vor Schülern des Gymnasiums Tegernsee anlässlich der ersten bemannten Mond-Missionen, die vor 50 Jahren ins All starteten.

„Weltall ist eine ziemlich abgefahrene Form von Sein. Jedes Mal, wenn ihr abends in den Himmel schaut und die Sterne seht, dann seht ihr die Leere des Weltalls. Da draußen ist nix. Wenn da draußen etwas wäre, würde das Licht der Sterne gar nicht zu eurem Auge kommen.“ Mit solchen Sätzen weiß Harald Lesch seine Zuhörer zu fesseln. So auch die Schüler der zehnten bis zwölften Jahrgangsstufe, die im Barocksaal gespannt seinem Vortrag „Was sucht der Mensch im Weltraum? Homo Spaciens“ lauschten.

Weil er kein Astronaut werden durfte – die NASA antwortete 1970 auf seine Bewerbung, dass er als Brillenträger und vor allem als Deutscher kein US-Weltraumfahrer werden könne – folgte Harald Lesch letztlich der freundlichen Empfehlung aus Amerika und befasste sich mit Astronomie. Heute leitet er die Universitätssternwarte an der LMU München und ist regelmäßig mit „Leschs Kosmos“ auf Sendung. Darin erklärt der renommierte Astrophysiker und Naturphilosoph das All und vieles mehr.

„Was wir da vor 50 Jahren angestellt haben, ist wirklich nicht mehr als ein Katzensprung“, sagte Lesch und erläuterte zum Einstieg kurz die interstellaren Entfernungen. „Die Vorstellung, dass sich eine außerirdische Zivilisation für Jahre, möglicherweise Jahrzehnte, in irgendwelchen Raumschiffen durch die Milchstraße bohrt, ist ziemlich erschütternd.“ Nicht zuletzt aufgrund der lebensfeindlichen Bedingungen im All und der Schwerelosigkeit, die vor allem physische Stoffwechselprozesse und kognitive Fähigkeiten erheblich beeinträchtigen. Überdies erläuterte Lesch, warum wir ohne den Einschläger, der den Mond hat entstehen lassen, und die nachfolgenden Prozesse auf der Erde, gar nicht existieren würden.

Da sich vor allem die Oberstufenschüler des P-Seminars Physik am Tegernseer Gymnasiums aktuell mit der ersten bemannten Mondlandung anno 1969 befassen, verriet der Professor in der Fragerunde auch, wie und wo er selbst die außerirdische Welt­sensation erlebt hat. Der damals knapp neunjährige Lesch verfolgte das Ereignis zusammen mit seinem Vater auf dem großen

„Glotzofon“ in der elterlichen Gaststätte gemütlich bei Chips und Salzstangen – schließlich dauerte die Übertragung die ganze Nacht. Dass manche hinter der Mondlandung eine Verschwörung wittern, hält der Experte übrigens für geradezu hirnrissig. „Die Russen wussten genau, dass Apollo 11 da oben gelandet ist.“ Es sei absolut unvorstellbar, dass sich die Russen während des Kalten Kriegs an einer Verschwörung mit den Amerikanern beteiligt hätten.

Irritiert zeigte sich der Professor allerdings, als während seiner Ausführungen die Leinwand-Präsentation plötzlich verrückt spielte und sein Laptop offensichtlich nicht mehr richtig funktionierte. Lesch, der auch Mitglied der Sicherheitskonferenz ist, mutmaßte sogleich Manipulation und reagierte mit deutlichen Worten: „Sollte ich herausfinden, dass sich irgendjemand hier im Saal in meinen Computer gehackt hat, wird das Konsequenzen haben.“ Ganz Vortragsprofi fasste sich der gefragte Experte rasch wieder und fuhr kurzerhand ohne Präsentation damit fort, dass er künftige Mondmissionen für theoretisch sinnvoll halte. Vor allem zur systematischen Asteroidenüberwachung. Erst unlängst sei so ein „Vagabund“ knapp an der Erde vorbeigerauscht. Die nächste ziemlich kritische Situation mit einem Asteroiden ergebe sich am 13. April 2029. „Nach allem, was wir wissen, wird es uns nicht treffen.“ Das Fatale jedoch sei, dass sich das Objekt dreht. Eine Überwachungsstation an der Oberfläche des Mondes ist laut Lesch jedoch aufgrund des Drucks nicht denkbar – über die Herausforderungen einer dauerhaften Besiedlung des Erdtrabanten wurde übrigens in der „Kosmos“-Sendung vom 18. Dezember berichtet (abrufbar in der ZDF Mediathek). Zum Abschluss seines kurzweiligen Vortrags zitierte Lesch den Astronauten Jim Lovell. „Wenn du auf dem Mond bist und streckst den Arm aus, dann verschwindet alles hinter deinem Daumennagel. Alle Typen, die du magst, die du nicht magst – alles.“ Leschs Fazit daraus: „Manchmal muss man offenbar sehr weit weg fliegen, um festzustellen, dass man im Paradies lebt.“

Nach großem Applaus beantwortete der Astrophysik-Professor noch einige interessante Fragen der Schüler rund um die Mondmissionen und verriet auch, ob er an entwickeltes, außerirdisches Leben glaubt. „Es würde mich sehr wundern, wenn es außer uns noch Leben im Universum gäbe.“ Überzeugt zeigte er sich aber davon, „dass es Planeten gibt mit Einzellern, Schleim“. In den nächsten zehn, 15 Jahren werde die Wissenschaft sicherlich einen Planeten entdecken, in dessen Atmosphäre Sauerstoff gefunden wird. Dafür müsse es auch einen Lieferanten, also biochemische Prozesse geben, meint Lesch. „Dann wissen wir: Wir sind nicht allein.“ sko

Auch interessant

Meistgelesen

OMV-Tankstelle in Holzkirchen ausgeraubt / Täter auf der Flucht
OMV-Tankstelle in Holzkirchen ausgeraubt / Täter auf der Flucht
Noch fährt die BOB nur bis Miesbach
Noch fährt die BOB nur bis Miesbach
Essendorfer Genussschmelzerei ist neues Mitglied der Werteproduzenten
Essendorfer Genussschmelzerei ist neues Mitglied der Werteproduzenten
K-Fall im Landkreis Miesbach ist aufgehoben
K-Fall im Landkreis Miesbach ist aufgehoben

Kommentare