Ein Stück Heimat erhalten

Alte Obstsorten sollen durch ein Projekt gerettet werden – auch im Landkreis Miesbach

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Sortenkundler Georg Loferer und Projektmanagerin Eva Bichler-Öttl suchen nach alten Apfel- und Birnensorten.

Landkreis – Seit dem Jahr 2015 werden in den sechs Landkreisen entlang der Alpenkette im Auftrag der Regierung von Oberbayern seltene Apfel- und Birnensorten gesucht. Dabei wurden bisher rund 250 Bäume entdeckt, deren Früchte selbst von namhaften deutschen Sortenkundlern nicht bestimmt werden konnten. Diese unbekannten oder vergessenen Sorten zu erhalten und in Sortenerhaltungs- und Schaugärten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist nun das Ziel eines über fünf Jahre laufenden Biodiversitätsprojekts, teilt das Landratsamt Rosenheim mit.

Projektmanagerin Eva Bichler-Öttl und Sortenkundler Georg Loferer werden sich in dieser Zeit um den Erhalt dieser Raritäten kümmern. „Wir wollen diese alten Sorten wieder in die Welt brin-gen. Zuvor müssen wir sie aber erst einmal sichern und vermehren, denn es ist in der Tat so, dass es bei einigen Sorten nur noch einen einzigen Baum gibt“, sagt Bichler-Öttl. Eine geeignete Erhaltungsgartenfläche für den Landkreis Miesbach wird noch gesucht, denn sie muss verschiedene Kriterien erfüllen: Die Fläche sollte zwischen 8000 und 10.000 Quadratmeter umfassen, siedlungsnah gelegen sein und über eine gute Anbindung verfügen. Um den Erhalt des Gartens langfristig zu gewährleisten, muss der Eigentümer mit einer vertraglichen Sicherung der Fläche einverstanden sein. Bürger, die an der Anlage eines Erhaltungsgartens auf ihrem Grund interessiert sind, können sich für nähere Informationen bei der Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege im Landratsamt unter Telefon 08025/7043323 melden.

Bei dem Projekt geht es darum, die vergessenen Sorten weiter zu untersuchen. Möglicherweise lassen sich Früchte doch einer bekannten, aber seltenen Sorte zuweisen. Zudem gilt es herauszufinden, ob Früchte, die in der Regel nicht als Tafelobst zum Frischverzehr geeignet sind, etwa in Form von Dörrobst, Edelbrand oder Cidre genutzt und verwertet werden können. In einem nächsten Schritt werden alle unbekannten oder vergessenen Sorten nachgezogen und diejenigen, die heute noch für die Verwertung interessant sind, vermehrt und mit Hilfe der Landschaftspflege- beziehungsweise Kreisverbände für Gartenkultur und Landespflege verbreitet. „Um die Landwirte und Gartenbesitzer für die Sorten zu interessieren, brauchen wir die Früchte. Es muss möglich sein, sie anzuschauen, zu schmecken und zu riechen.“ Deshalb werden in den Schaugärten nicht nur Hochstämme, sondern auch Buschbäume gepflanzt, da sie schon bald erste Früchte tragen.

Ein paar Jahre Geduld sind dennoch notwendig. Erst im Jahr 2023 wird das Gros der nachgezogenen Bäume in den Schau- und Erhaltungsgärten ausgepflanzt werden können. Im übrigen muss noch eine wichtige Frage geklärt werden: Wie kann eine Obstsorte verbreitet und vermarktet werden, die keinen Namen mehr trägt? Denn die Sortenkundler lehnen eine Neubenennung von vergessenen Sorten grundsätzlich ab.ksl

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