Fantastischer Abschied

Altes Haushamer Rathaus mit Kunstinstallation eindrucksvoll in Szene gesetzt

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Ein Match spielten Jochen Strodthoff, Jens Zangenfeind und Joss Bachhofer (v.l.) zwar nicht, trotzdem war die Premiere der Ausstellung „Gedinge“ eine spannende Angelegenheit.

Hausham – „Gedinge“ – schon der Name der Ausstellung im alten Haushamer Rathaus sorgte für Neugier. Und tatsächlich staunten die rund 150 Besucher der Eröffnungsfeier vorigen Freitag nicht schlecht über die Installationen in den 22 Räumen des fast 100-jährigen Gebäudes. Verantwortlich dafür sind der Installationskünstler Joss Bachhofer sowie Regisseur und Schauspieler Jochen Strodthoff, die sich ideenreich mit typischen Bürotätigkeiten, aber auch der gesellschaftlichen Definition von Arbeit und Stillstand auseinandergesetzt haben.

Das Wort „Gedinge“ kommt aus der Bergarbeitersprache und bezeichnet die Entlohnung nach Leistung und nicht nach Zeit. Das Thema Bergbau und Arbeit passt somit sehr gut zu dem seit Mitte Juli leer geräumten Rathaus, das den Haushamern treue Dienste geleistet hat. Dass das altehrwürdige Gemäuer nicht einfach weggeschoben werden, sondern einen würdigen Abschied bekommen soll, war für Bürgermeister Jens Zangenfeind klar. Gemeinderat Gerhard Klante war es, der den Kontakt zu Bachhofer und Strodthoff vermittelte. „Sind halt Künstler“, gab Zangenfeind mit einem Schmunzeln seinen ersten Gedanken dazu preis. Nach dem Gelächter der Premierengäste wurde er aber schnell wieder ernst: „Ich hatte sehr schnell ein wirklich gutes Gefühl, dass die beiden unser altes Rathaus richtig und positiv in Szene setzen und etwas Großartiges schaffen werden.“ Und tatsächlich würde man so eine Art der Ausstellung eher in einer Metropole als in einer alpenländischen Gemeinde vermuten. Jeder einzelne Raum hat seine ganz eigene Geschichte. So stehen beispielsweise im Raum „Warteschleife“ mehrere Telefone in bläulichem Licht am Boden und durch kleine Lautsprecher ertönt die klare Ansage: „Bitte haben Sie einen Augenblick Geduld, wir sind gleich persönlich für Sie da“. Eines der ehemaligen Büros wurde wiederum mit im Rathaus gefundenen Materialien komplett im späten 70er-Jahre-Stil hergerichtet. Dort können sich die Besucher am Schreibtisch niedersetzen und das Kapitel „Inventur“ aus Walter E. Richartz „Büroroman“ vorlesen lassen. Im ehemaligen Trauungssaal steht unter dem Titel „Ping Pong“ eine Tischtennisplatte, die mit der Toninstallation von „Ping“ (Bachhofer) und „Pong“ (Strodthoff) zu einem Match einlädt. Außerdem wird in dem Raum das Bild „Die Liegenden“ von vergoldeter und roher Kohle aus Hausham eingerahmt. So ist in jedem Raum etwas Spezielles entstanden. Manches mag auf den ersten Blick skurril und grotesk wirken, aber jede Installation hat ihren ganz eigenen Charme und setzt sich mit einem Bezug zu Hausham oder etwas Bürotypischem auseinander. Es empfiehlt sich, für den Besuch Zeit mitzubringen. „In Ruhe durchgehen und auf sich wirken lassen“, riet Zangenfeind. hac

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Die Ausstellung hat von Freitag, 4., bis Sonntag, 6., sowie von Freitag, 11., bis Sonntag, 13. Oktober, jeweils von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

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