Zwei Kilometer Schutz

Amphibien: Sieben Zäune im Landkreis / Ärger um Aufstellung bei Bruck

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Unterwegs für Frosch und Co.: (v.l.) Josef Faas (Untere Naturschutzbehörde), Angelika Pöschl (Wasserwirtschaftsamt) und Mathias Fischer (Geschäftsführer Landschaftspflegeverband Miesbach).

Landkreis – Frösche, Kröten und Molche sind jetzt im Frühling wieder auf großer Wanderung von ihren Laichplätzen zu den Sommerlebensräumen. An sieben Standorten wurden heuer im Landkreis Schutzzäune mit insgesamt zwei Kilometern Länge errichtet, meldet das Landratsamt. Schließlich habe der Artenschutz für dieses und die Untere Naturschutzbehörde einen sehr hohen Stellenwert. Doch dem Landratsamt steht derzeit zum Thema Ärger ins Haus.

Vier Zäune hat der Landschaftspflegeverband selber aufstellen lassen, mit der Firma pro communo aus Irschenberg als Auftragnehmer. Diese Zäune stehen in Fehn, Vordereben, Sufferloh und erstmals auch in Neukirchen. Dieser Zaun ist 600 Meter lang, berichtet das Landratsamt. Das Straßenbauamt Rosenheim hat außerdem in Kreuth, am Teufelsgraben (Holzkirchen) sowie an der Bäckeralm (Bayrischzell) jeweils an Staatsstraßen weitere drei Zäune errichtet. „Der Amphibienschutz hat an Bedeutung gewonnen, weil es eine Verringerung und Zerschneidung der Lebensräume gibt. Aufgabe eines Landschaftspflegeverbandes ist der Schutz und der Erhalt der ökologischen Schätze in der Kulturlandschaft. Hier geht es konkret um den Schutz der Arten“, erklärt Mathias Fischer, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Miesbach.

Mit dem Aufstellen der Zäune ist die Arbeit aber natürlich nicht getan: Der Landschaftspflegeverband betreut auch das Absammeln der Eimer. Das geschieht zweimal am Tag, morgens und abends, erklärt das Landratsamt. In der Hochzeit der Krötenwanderung auch öfter. Die Tiere werden dann von freiwilligen Helfern über die Straße getragen. Viele dieser Helfer sind im Bund Naturschutz organisiert. Die Regierung von Oberbayern fördert die Aufstellung der Zäune mit einem Zuschuss von 70 Prozent der Kosten. Josef Faas von der Unteren Naturschutzbehörde weist in diesem Zusammenhang besonders auf die Gefahr für die fleißigen Helfer hin und bittet Autofahrer um Vorsicht: Denn die Helfer sind oft in der Dämmerung unterwegs.

Streit um Schutzzaun bei Bruck

Neben den Zäunen, die der Landschaftspflegeverband in Absprache mit dem Landratsamt errichten lässt, können natürlich auch andere Initiatoren solche Zäune errichten, erklärt das Landratsamt. „Es sind dafür die gleichen Voraussetzungen zu erfüllen. Falls Naturschützer weitere Zäune mit eigenen Mitteln errichten wollen, so wird dies von der Unteren Naturschutzbehörde begrüßt und unterstützt.“ Dem widerspricht Rita Thelen in einem offenen Brief an Landrat Wolfgang Rzehak: Darin beschreibt sie den seit mehreren Jahren anwachsenden Verkehr auf der Kreisstraße 7 und die steigende Zahl von getöteten Amphibien zwischen Bruck und Neukirchen. Viele Jahre lang hätten sich ehrenamtliche Naturschützer dort um Amphibien-Schutzzäune bemüht. „Erst jetzt, 2019 wurde ein Schutzzaun für den Laichzug errichtet“, schreibt Thelen. Allerdings sei dies nur für den Bereich des Wiesen-Weihers bei Neukirchen, nicht jedoch für den Einzugsbereich des Laichgewässers bei Bruck geschehen. „Es wurde vom Landratsamt argumentiert, die Zahl der zu schützenden Tiere sei zu gering“, führt Thelen an. „Dem widersprechen die Ergebnisse von Zählungen, die seit 2017 gemacht wurden.“ Zwischen 11. März und 16. April 2018 seien bei Bruck rund 270 Amphibien von der Straße gebracht worden, „davon waren rund 32 Prozent tot“. Vom 15. bis 17. März 2019 seien es rund 80 Tiere gewesen, „davon rund 34 Prozent tot“. Die Entscheidung der unteren Naturschutzbehörde, „bei dem Laichgewässer Brucker Weiher keinen Schutzzaun aufzustellen, ist deshalb völlig unverständlich“, kritisiert Thelen. Noch unverständlicher aber sei die Entscheidung, „einer Privatinitiative das mit den Grundstückseigentümern abgestimmte Aufstellen eines privat beschafften Amphibienschutzzaunes zu untersagen“. Dies weist Landratsamtssprecher Birger Nemitz entschieden zurück: „Mit Befremden“ habe die Behörde zur Kenntnis genommen, „dass eine kleine Gruppe von Naturschützern behauptet, die untere Naturschutzbehörde hätte die Aufstellung eines Amphibienschutzzaunes ,untersagt‘“. Schon vor einem Jahr sei der ehemalige Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Werner Fees ausführlich schriftlich informiert worden, „dass das Amt an der Stelle keinen Zaun aufstellen wird“, sagt Nemitz. Fees ist Mitunterzeichner des offenen Briefs. „Wir schätzen den Zug in Bruck zahlenmäßig als zu klein ein“, habe es im März 2018 geheißen, rekapituliert Nemitz. Auch eine erneute Überprüfung in diesem Jahr habe kein anderes Ergebnis erbracht. Nemitz kritisiert, die Gruppe habe keinen Kontakt zur Unteren Naturschutzbehörde aufgenommen, „um abzusprechen, wo sie einen Zaun aufstellen wollten“. In Bezug auf den offenen Brief habe sich Landrat Rzehak hinter seine Mitarbeiter gestellt „und wies die unwahren Anschuldigungen zurück“, erklärt Nemitz. Im Auftrag des Landrats antwortete das Amt: „Wenn Sie (am Brucker Weiher) mit eigenen Mitteln einen Schutz organisieren wollen, begrüßen wir dies und unterstützen Sie gerne“. „Wie schon mehrfach erläutert, benötigen Sie für das Aufstellen eines Amphibienzaunes im Straßenbereich eine straßenverkehrsrechtliche Anordnung für den Zaun und das Aufstellen von Schildern zur Geschwindigkeitsbegrenzung“, habe es in der Mitteilung an die Naturschutzgruppe geheißen. Die Machbarkeit sei bereits mit dem zuständigen Fachbereich Mobilität geklärt. „Die Anordnung dient auch dem Schutz der Absammler“, erklärt Nemitz. „Sie sind oft in der Dämmerung unterwegs. Es soll sichergestellt werden, dass kein Mensch verletzt oder geschädigt wird. Die Verantwortung für die Organisation und das ordnungsgemäße Abwicklung der Absammelaktion trägt aber immer der Antragsteller.“ Der Kreisbauhof würde, „als Entgegenkommen des Landkreises, das kostenfreie Aufstellen und Abbauen der Schilder übernehmen“. Außerdem bietet das Landratsamt an, dass die untere Naturschutzbehörde die örtliche Polizei über den Beginn der Absammelaktion informiert. she

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