Der Kampf hat begonnen  / Ganzes Ausmaß wird derzeit ermittelt

Asiatischer Laubholzbockkäfer: Bildergalerie zu Baumfällungen in Miesbach

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Frank Nüßer vom Institut für Pflanzenschutz am LfL erklärte, wie sich die Käferlarven ihren Weg durch den befallen Stamm bahnen.
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Da half alles nichts: Der betroffene Ahorn musste gefällt werden.
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Frank Nüßer (l.)und Andreas Kirchmeier vom LfL begutachten den gefällten Ahorn. 
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Bis zu vier Zentimeter groß wird der Asiatische Laubholzbockkäfer - wohlgemerkt ohne Fühler gemessen.
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Hund Louis ist den Larven auf der Spur.
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Hund Louis ist den Larven auf der Spur.
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Hund Louis und Gerhard Kraus vom LfL sind den Larven auf der Spur.
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Weil Louis "ganz ein Feiner" ist, gibt's zwischendurch auch ein Leckerli.

Miesbach – Zum Glück hat ein aufmerksamer Anwohner an der Carl-Fohr-Straße in Miesbach Anfang August ganz genau hingesehen und sofort reagiert. Denn in den Laubbäumen im Bereich Finanzamt und Seniorenzentrum hat sich ein hartnäckiger Schädling breitgemacht: der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB). Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat sich das Gebiet umgehend angesehen und bereits die ersten Baumfällungen auf den Weg gebracht. Etwa 30 Bäume gelten als befallen, die Ausbreitung des Schädlings muss unbedingt eingedämmt werden, zumal in nächster Entfernung verlockende Gebiete wie die Riviera, der Waitzinger Park und der Fritz-Freund-Park liegen. Doch es gibt auch Hoffnung.

Ratternd arbeitete sich am heutigen Dienstagmorgen eine Kettensäge durch den Stamm eines Ahorns am Seniorenzentrum an der Carl-Fohr-Straße. Fingerdicke Löcher am Baum haben den Befall durch den Asiatischen Laubholzbockkäfer verraten und das Schicksal des für ungeübte Augen quicklebendig aussehenden Schattenspenders besiegelt. Und tatsächlich: Kaum haben Mitarbeiter des LfL die augenscheinlich befallenen Stellen aufgespalten, kommen auch schon die großen, gelblich-weißen Larven des aus Asien eingeschleppten Schädlings zum Vorschein. „Das Fällen ist eine Bekämpfungsmaßnahme, denn hier ist Gefahr im Verzug“, erklärte Frank Nüßer vom Institut für Pflanzenschutz am LfL. „Wir wollen die Käfer ausrotten, deshalb müssen wir die Bäume entnehmen.“

Einige Zeit zuvor hatte sich ein Weibchen den Ahorn für die Eiablage ausgesucht. ALBs befallen nur lebendes Holz. Ihre Eier legen die Käfer unter der Rinde des Ahorns ab. Die geschlüpften Larven fressen sich dann immer weiter durch den Stamm, bis ein sichelförmiger Kanal entstanden ist. Etwa zwei Jahre leben die Larven im Holz, bis sie sich schließlich verpuppen. Ist der fertige Käfer geschlüpft, frisst er sich ein etwa ein Zentimeter großes Loch ins Freie. Zwischen dem sogenannten Einbohrloch, also der Stelle, wo das Muttertier das Ei abgelegt hat, und dem Ausbohrloch können acht bis 15 Zentimeter liegen. Schnell kann dieses Anzeichen für den Befall durch den Käfer übersehen werden. Ein Anhaltspunkt können auch Holzspäne am und auf dem Baum sein.

Der Käfer gilt als ausgesprochen flugfaul, er wird also sehr wahrscheinlich entweder gleich den „Geburtsbaum“ als Kinderstube für seine weiteren Nachkommen auswählen oder in der Nachbarschaft bleiben. Das hat einen großen Nachteil, aber auch einen Vorteil, wenn der Befall rasch erkannt wird: Schnell werden die ausgewählten Bäume regelrecht „durchtunnelt“, die Versorgung von der Wurzel zur Krone ist gestört. Auch Pilze und Co. haben so leichtes Spiel. Mit der Zeit wird der Baum morsch und stirbt. Glück im Unglück könnte im Falle Miesbachs die Flugfaulheit des ALBs sein. Derzeit versucht das LfL in einer sogenannten Monitoring-Phase herauszufinden, welche Bäume befallen sind und ob sich der Käfer schon weiter ausgebreitet hat. „Solange sie nur im Bereich Finanzamt und Polizei gefunden werden, kann man entspannt sein“, sagte Miesbachs Zweiter Bürgermeister Paul Fertl mit Hinblick auf baumreiche Nachbarschaften wie den Waitzinger Park. „Denn dann geht‘s ans Eingemachte. Unsere Hoffnung ist, dass sie sich noch nicht allzu weit verbreitet haben.“ Der Stadt ist es wichtig, „die Leute mitzunehmen“, erklärte Geschäftsleiter Gerhard Führer. Deshalb sei auch schon am Donnerstag vergangener Woche ein Schreiben an den örtlichen Gartenbauverein rausgegangen, um auf die Gefahren durch den ALB hinzuweisen. „Damit keine Gehölze transportiert werden“, erklärte Führer. Auch ein Infostand am morgigen Grünen Markt soll für mehr Aufmerksamkeit für das Thema sorgen. „Es ist in unserem Interesse, dass der Käfer effektiv bekämpft wird“, betonte Fertl. Sobald klar ist, wie weit der Befall fortgeschritten ist, wird die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) auf den jeweiligen Flächen eine Allgemeinverfügung erlassen, also festlegen, wie weiter zu verfahren ist.

Die befallenen Baumteile an der Carl-Fohr-Straße wurden indes in metallenen Quarantänekisten abtransportiert, um ein mögliches Ausbüxen bereits flugfähiger Käfer zu verhindern. Zum Einsatz in Miesbach hat sich hat LfL charmante Hilfe für die Suche nach den Käfern geholt: Spürhund Louis. Dieser schnüffelte an den Baumteilen und zeigte an, wenn sich ein Laubholzbockkäfer im Holz verborgen hatte. Erstaunt zeigten sich die LfL-Mitarbeiter über die Ausmaße der „Miesbacher“ Käfer: „Hier gibt es wirklich ausgesprochen große“, sagte Gerhard Kraus.

Grundsätzlich gilt: Wird ein befallener Baum gefunden, muss dies dem amtlichen Pflanzenschutzdienst gemeldet werden. Ansprechpartner sind das Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (weitere Infos hier) und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen. she

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