Ende August könnte Schluss sein

Aus für Seniorenresidenz Schliersee? Betreiber droht die Kündigung

Seniorenresidenz Schliersee
+
Die Seniorenresidenz Schliersee beschäftigt inzwischen auch den Landtag. Bei einer Schließung müssten die Bewohner umziehen.

Schliersee – Die Pflegekassenverbände drohen der Seniorenresidenz Schliersee mit der Kündigung. Auch der Landtag in München berät über das Thema.

Wie bekannt wurde, droht die Arbeitsgemeinschaft der Pflegekassenverbände Bayern (Arge) dem Heimbetreiber der skandalträchtigen Seniorenresidenz Schliersee mit einer außerordentlichen Kündigung zum 31. August 2021. Vorausgegangen sein sollen im April erneut festgestellte Pflegemängel und Vorwürfe, die in einem 25-seitigen Schreiben aufgeführt werden. Bis Ende Mai habe die Heimleitung demnach Zeit, dazu Stellung zu nehmen.

Auch sei eine Klage gegen die Kündigung möglich. Sollte sich der Betreiber von sich aus zur Schließung entscheiden, müssen für die Bewohner möglicherweise kurzfristig neue Plätze gesucht werden. Unterdessen befasst sich auch der bayerische Landtag mit der Seniorenresidenz.

Nach Informationen von BR24 soll die S.O. Nursing Homes GmbH, die das Heim als deutsche Tochtergesellschaft des italienischen Konzerns Sereni Orizzonti im Mai 2019 übernommen hat, alle Vorwürfe der Arge zurückweisen. Und die wiegen schwer:

  • So sollen bei einer Kontrolle des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) erneut Dehydrierungen diagnostiziert worden sein.
  • Außerdem sollen Mängel in der Körperpflege, Sturzverletzungen, Blutergüsse und fehlende Infusionen festgestellt worden sein.
  • Des Weiteren sollen ärztliche Anordnungen nicht befolgt worden sein.
  • Zudem soll der Heimleitung vorgeworfen werden, dass das Heim personell mehrere Tage unterbesetzt gewesen sei und Pflegedienstleistungen von nicht ausgebildeten Helfern durchgeführt wurden.
  • Explizit soll in dem Kündigungsschreiben darauf hingewiesen werden, dass die Mängel nicht auf das Versagen einzelner Mitarbeiter zurückzuführen, sondern die Nichterfüllung von Qualitätsstandards systematischer Natur seien.

Dazu meinte Georg Sigl-Lehner, Präsident der Vereinigung der Pflegenden in Bayern, in der BR-Rundschau: „Fehler passieren überall, wo Menschen mit Menschen zusammenarbeiten. In dem konkreten Fall muss man aber schon die Frage stellen, warum fällt das niemandem auf?“ Er forderte eine Fehlerkultur und Transparenz, die von der Leitung bis unten spürbar sein müsse. „Für Einrichtungen, die das nicht garantieren, haben wir für deren Mitarbeiter eine Stelle geschaffen, an die sie sich vertrauensvoll wenden können“, sagte er.

Seniorenresidenz Thema im Landtag

Vonseiten des in der Sache ebenfalls in die Kritik geratenen Landratsamtes werde der Entschluss der Arge begrüßt. Sollte die Kündigung rechtskräftig werden oder der Betreiber von sich aus einen Schlussstrich ziehen, müssen für die Bewohner neue Plätze gesucht werden. Da zeige sich das Landratsamt optimistisch. Auch möchte es den Angehörigen oder gesetzlich bestimmten Betreuern bei der Suche helfen.

Unterdessen befasst sich der bayerische Landtag ebenfalls mit dem Skandalheim. Wie Bernhard Seidenath (CSU), Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Pflege, bestätigte, wurde der Antrag von Grünen, SPD und FDP einstimmig angenommen, mit dem die Staatsregierung aufgefordert wird, über die Missstände in der Seniorenresidenz und mögliche Konsequenzen für die Kontrollen in Bayern baldmöglichst zu berichten.

Unter anderem möchte der Ausschuss wissen, wann und von wem das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege erstmals über die erheblichen Mängel informiert wurde, wie die Rolle der Regierung von Oberbayern als Aufsichtsbehörde beurteilt wird und welche Maßnahmen dem Miesbacher Landrat zur Verfügung gestanden hätten, um derartige Missstände abzustellen beziehungsweise zu verhindern.

SPD und Linke zu Missständen und Zukunft

Nachdem die Seniorenresidenz Schliersee einmal mehr in den Schlagzeilen steht, haben auch die Kreis-SPD und Linken-Bundestagskandidat Erich Utz Stellungnahmen abgegeben. So fordert Utz, Landrat Olaf von Löwis solle die Übernahme des Heims durch einen zuverlässigen Betreiber verfügen. Denn ein Umzug aufgrund einer Schließung sei den Bewohnern nicht zuzumuten.

Die SPD im Landkreis begrüßt die längst überfälligen Entwicklungen. Dringend nötig seien stark verbesserte Kontrollmöglichkeiten und ihre Anwendung in der Praxis, damit sich Fälle wie in der Seniorenresidenz nicht mehr wiederholen.

„Man kann einen solchen Missstand nicht über so lange Zeit hinschleppen, ohne wirksame Abhilfe zu schaffen“, lässt sich SPD-Bundestagsdirektkandidat Hannes Gräbner in einer Mitteilung zitieren. Er sprach von einem politischen Skandal für alle Beteiligten. Nun gehe es darum, schnelle und unbürokratische Hilfe für Bewohner und ihre Angehörigen zu gewährleisten. ft; hac

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Praxis zur Aussicht – Naturheilkunde & Osteopathie Magdalena Schulz
Miesbach
Praxis zur Aussicht – Naturheilkunde & Osteopathie Magdalena Schulz
Praxis zur Aussicht – Naturheilkunde & Osteopathie Magdalena Schulz
An der Raststätte Holzkirchen-Süd: Mann (73) verliert Kontrolle über Auto
Miesbach
An der Raststätte Holzkirchen-Süd: Mann (73) verliert Kontrolle über Auto
An der Raststätte Holzkirchen-Süd: Mann (73) verliert Kontrolle über Auto
Auf geht´s zum Miesbacher Biergarten
Miesbach
Auf geht´s zum Miesbacher Biergarten
Auf geht´s zum Miesbacher Biergarten
Corona im Landkreis Miesbach: Bayern will Kinder ab 12 Jahren impfen
Miesbach
Corona im Landkreis Miesbach: Bayern will Kinder ab 12 Jahren impfen
Corona im Landkreis Miesbach: Bayern will Kinder ab 12 Jahren impfen

Kommentare